Todesfall Fabien Martini : Auch die Polizei darf nicht hemmungslos rasen

Schon mehrmals haben Polizisten bei Blaulichtfahrten in Berlin tödliche Unfälle gebaut. Nie kam es zu einem Umdenken, das muss sich ändern. Ein Kommentar.

Der verunfallte Polizeiwagen (Archivbild).
Der verunfallte Polizeiwagen (Archivbild).Foto: imago/Olaf Selchow

Dass ein Polizist im Dienst einen Menschen tot fährt, kommt in Berlin leider zu häufig vor. Vor einem Jahr krachte in Berlin ein Polizeiwagen mit Tempo 90 in einen Kleinwagen, die 21-jährige Fabien Martini starb. Im diesem Fall steigerte sich die Aufregung nur, weil herauskam, dass der Beamte am Steuer gut ein Promille Alkohol intus hatte. Ein Polizist im Dienst baut betrunken einen Unfall, das ist - man kann es nur hoffen und der Polizei wünschen - eine extreme Ausnahme.

Doch wird Fabien Martini das letzte Opfer von rasenden Polizisten sein? Unwahrscheinlich, das zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Vor gut 25 Jahren haben wir schon mal gehofft, dass ein schrecklicher Unfall zu einem Umdenken bei der Polizei führt. Leider vergeblich. 1993 hatte ein Polizeiauto auf der Schlossbrücke in Mitte zwei kleine Kinder tot gefahren. Wie bei Fabien Martini war der Einsatz übrigens ein Fehlalarm. Viel wurde nach dem Schlossbrückenunfall angekündigt, spezielle Fahrtrainings und Unfalldatenschreiber zum Beispiel.

Regeln werden im Eifer des Gefechts verdrängt

Gebracht hat es nicht genug. Denn eines ist geblieben: die Raserei. Es macht schlicht wütend zu sehen, wie Polizeiautos durch enge Straßen schießen, durch Tempo-30-Zonen, bei Dunkelheit, Glätte oder schlechter Sicht. Sobald ein Einsatz von der Leitstelle als "eilbedürftig" eingestuft wird, fallen alle Hemmungen. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Blaulichtfahrten gibt es nicht, nur die Maßgabe, dass niemand gefährdet werden darf. Das ist zu wenig.

Vor 16 Jahren, als zwei Zivilfahnder des Zolls mit Höchstgeschwindigkeit gegen einen Baum krachten und starben, sprach ein Experte aus dem Polizeipräsidium von "Jagdfieber". Schonungslos analysierte der Beamte: "Wir hätten nicht die hohe Zahl von Unfällen, wenn nicht zu häufig die Regeln im Eifer des Gefechts verdrängt würden."

Eine Regel ist zum Beispiel, dass bei Eil-Einsätzen an jeder roten Ampel auf Schrittgeschwindigkeit abgebremst werden muss. Kaum einer hält sich dran, die Regel steht nur auf dem Papier. Wenn Fabien Martini das letzte Opfer von Polizeirasern gewesen sein soll, dann müssen strengere Regeln her und diese auch durchgesetzt werden.

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