70 Jahre Freie Universität Berlin : Spaziergang durch die Universitätsgeschichte

Zwei Campusführungen erinnern an die bewegten Zeiten der Hochschule.

Stefanie Hardick
Mit dem Messerschmitt Kabinenroller zur Uni: Schon in den 1950er Jahren fuhr so mancher mit dem Auto zur Vorlesung. Der am 19. Juni 1954 eröffnete Henry-Ford-Bau wurde als zentrales Hörsaalgebäude der Freien Universität errichtet.
Mit dem Messerschmitt Kabinenroller zur Uni: Schon in den 1950er Jahren fuhr so mancher mit dem Auto zur Vorlesung. Der am 19....Foto: Freie Universität Berlin/Universitätsarchiv/Reinhard Friedrich

Die Freie Universität Berlin begeht in diesem Jahr ihr 70-jähriges Bestehen. Zur Feier dieses runden Geburtstages gibt es für alle Interessierten die Gelegenheit, die Universität und ihre bewegte Geschichte noch ein bisschen besser kennenzulernen: Alle zwei Wochen führen eigens für das Jubiläum konzipierte Thementouren über den Campus in Dahlem und zu Orten der deutschen Zeitgeschichte. Sie finden als kostenfreie, öffentliche Führungen donnerstags und freitags statt.

Der Rundgang „70 Jahre Freie Universität“ erzählt von den dramatischen ersten Jahren nach der Universitätsgründung im beginnenden Kalten Krieg, von den ersten Lehrveranstaltungen bei Kerzenlicht während der Berliner Luftbrücke und vom Besuch des damaligen US-amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy an der noch jungen Universität. Kennedys Stimme wird während der Tour – wie am 26. Juni 1963 – vor dem Henry-Ford-Bau wieder erklingen, dann als Tonaufnahme. Die Forschung großer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wird ebenso Thema sein wie die langen Schatten der deutschen Vergangenheit. Stationen des Spaziergangs sind auch jüngere bauliche Erweiterungen der Freien Universität Berlin, etwa die spektakuläre Philologische Bibliothek von Architekt Lord Norman Foster, der auch die neue Reichstagskuppel entworfen hat. Die Tour endet in der Gegenwart.

Die Uni war ein wichtiger Ort der Studentenbewegung der 60er Jahre

Auf den Campus in Dahlem führt auch die Thementour „1968 an der Freien Universität“. Die Hochschule war ein wichtiger Ort der Studentenbewegung der 1960er Jahre. Einen Beginn der Proteste markierte 1967 die Erschießung des Studenten der Freien Universität Benno Ohnesorg bei einer Demonstration gegen den Schah von Persien vor der Deutschen Oper. An der Freien Universität Berlin studierten unter anderem die Aktivisten Rudi Dutschke und Fritz Teufel sowie die spätere RAF-Terroristin Gudrun Ensslin. Ausschnitte aus den Reden Rudi Dutschkes, die bei der Führung ausschnittsweise zu hören sind, erinnern an kreative, aber auch gewalttätige Proteste. Am Ende der Tour steht die Frage, was aus der Studentenbewegung wurde und was geblieben ist von dieser Zeit – in der Gesellschaft und an der Freien Universität Berlin.

Die Tour „1968 an der Freien Universität“ findet donnerstags statt und „70 Jahre Freie Universität“ freitags. Die Termine finden Sie im Internet unter www.fu-berlin.de/sites/70jahre/campustour. Eine Anmeldung ist erforderlich (bei maximal 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern entscheidet die Reihenfolge der Anmeldung). Sie erhalten eine Bestätigung per E-Mail mit weiteren Informationen.

Die Touren dauern rund 90 Minuten und werden bei jedem Wetter zu Fuß zurückgelegt; die Laufstrecke beträgt etwa drei Kilometer. Für die Tour „1968 an der Freien Universität“ brauchen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen ÖPNV-Fahrschein.

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