70 Jahre Freie Universität Berlin : Zukunft von Anfang an

Am 4. Dezember 2018 feiert die Hochschule das 70. Jubiläum ihres Gründungstags.

Peter-André Alt
Universitätspräsident Professor Peter-André Alt.
Universitätspräsident Professor Peter-André Alt.Foto: Bernd Wannenmacher

Eine typische Situation im Präsidium der Freien Universität Berlin: Ein Thema ist zu besprechen, das, wie es im Amtsdeutsch heißt, seinen „Vorlauf“ hat. Die früheren Unterlagen werden gebracht: Protokolle, Vermerke, Schriftwechsel. Auf die in diesem Fall zehn Jahre alten Dokumente schauend, hat man das Gefühl, als liege das alles eine Ewigkeit zurück. Die Dynamik des Universitätsalltags ist erheblich, und Zeit für Erinnerungen bleibt selten.

2018 aber ist ein Jahr, in dem die Freie Universität genau das darf und soll: zurückblicken. Am 4. Dezember 2018 feiert sie das 70. Jubiläum ihres Gründungstags. In den 70 Jahren Universitätsgeschichte, die hinter unserer Alma Mater liegen, spiegelt sich eine bewegte Zeithistorie. Ihre enorme Beschleunigung wird am besten sichtbar, wenn man sie in Zehnjahressprüngen betrachtet. Als die Freie Universität ins Leben trat, litt West-Berlin unter der Blockade. Die Stadt war abgeriegelt und musste von Flugzeugen der Westalliierten aus der Luft versorgt werden. Zehn Jahre später verkündete der damalige Bundespräsident Theodor Heuss, dass jeder Student und jede Studentin zumindest ein Semester an der Freien Universität studieren solle, um ein Bekenntnis für die Demokratie, gegen die Diktatur im anderen Teil Deutschlands abzulegen. Nochmals zehn Jahre später, 1968, tobten auf dem Campus in Dahlem heiße Debatten über Notstandsgesetzgebung, Vietnam-Krieg und die Schuld der NS-Täter, über väterliche Autoritäten und eine neue klassenlose Gesellschaft. 1978 läuteten die Spontis mit ihrem „Tunix“-Programm den ironisch gefärbten Abschied von den Dogmatismen und zugleich den Anfang der ökologischen Bewegung ein: „Unter dem Pflaster liegt der Strand“.

Weltoffenheit und Toleranz, Fairness und Vielfalt

1988 herrschte an der Freien Universität der längste Streik ihrer Geschichte; er dauerte mehr als ein Semester und galt der Durchsetzung größerer Geschlechtergerechtigkeit und der Forderung nach mehr Tutorien und Lehrkräften. 1998 steckte unsere Hochschule in ihrer womöglich schwierigsten Phase, sie hatte die Hälfte ihres Budgets, ihrer Professuren und Studienplätze verloren, weil die wiedervereinigte Stadt nicht mehr zwei, sondern drei große Universitäten zu finanzieren hatte. 2008 sah die Lage ganz anders aus, die Freie Universität hatte als einzige Berliner Hochschule den Exzellenzstatus errungen und reüssierte mit ihrem Internationalisierungskonzept. 2018 steht sie, zum zweiten Mal exzellent, stabil unter den besten Universitäten Deutschlands, mit wachsender internationaler Reputation, anerkannter Spitzenforschung und einer leistungsfähigen Verwaltung.

Die Freie Universität ist sich der Verantwortung bewusst, die sich aus ihrer Geschichte ableitet. Sie bekennt sich zu Weltoffenheit und Toleranz, zu Fairness und Vielfalt. Auf ihren Grundwerten aufbauend, wird sie auch die kommenden 70 Jahre erfolgreich bestehen und gestalten.

Der Autor ist Präsident der Freien Universität.

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