"Critical friends" : International gut beraten

Seit 2006 standen internationale Experten der Freien Universität mit ihrer Expertise zur Seite. Nun wurden sie verabschiedet.

Peter-Andre Alt
Universitätspräsident Professor Peter-André Alt.
Universitätspräsident Professor Peter-André Alt.Foto: Bernd Wannenmacher

Als die Freie Universität im Jahr 2006 ihren ersten Antrag für die Exzellenzinitiative vorbereitete, beschloss sie, die zukünftigen Schwerpunkte ihrer institutionellen Strategie mit weltweit anerkannten Fachleuten zu diskutieren. Es wurde ein Beirat ins Leben gerufen, der aus erfahrenen Persönlichkeiten des internationalen Hochschulsystems bestand.

Unter ihnen waren ehemalige und aktuelle Rektorinnen und Präsidenten, Sprecher von Landesrektorenkonferenzen, Evaluations- und Rankingexperten, Vertreterinnen großer Fördereinrichtungen. Sie kamen aus den USA, Israel, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und Dänemark. Das erste Treffen fand im Frühjahr 2006 an der Freien Universität statt, kurz vor dem Einreichen der Bewerbungsskizzen im Wettbewerb für Exzellenzcluster und Graduiertenschulen. Es ging kritisch zur Sache, die Anträge wurden von den Mitgliedern des Beirats sachlich und entschieden analysiert, Schwächen umstandslos aufgedeckt.

Für die Freie Universität war das neu: Die internationalen Gäste hielten uns den Spiegel vor, lobten und tadelten, gaben Empfehlungen für die Überwindung unserer Defizite. Das Argumentationsniveau war hoch, das Diskussionstempo erheblich. So blieb es über fast zwölf Jahre hinweg. Jährlich besuchten uns die Mitglieder des „International Council“, wie das Gremium hieß, und diskutierten mit uns Grundfragen der strategischen Ausrichtung, neue Projekte und Anträge, Fragen der Lehre und der Digitalisierung, der Infrastruktur und des Wissenstransfers. Nicht immer fanden die Runden in der gleichen Besetzung statt, es kamen neue Mitglieder hinzu, andere schieden aus. Die Kerngruppe blieb jedoch identisch und agierte mit großer Konstanz.

Die "critical friends" haben Großes geleistet

Die Gäste sahen sich in der Rolle der „critical friends“, die unbestechlich und klar darüber urteilten, was bei uns geschah. Sie alle konzedierten, dass die Leistungskraft und die Attraktivität unserer Hochschule im Laufe der Jahre gewachsen waren. Und viele standen der Freien Universität inzwischen sehr nahe, sie kamen auch im ungemütlichen Berliner Winter aus dem fernen Los Angeles oder aus Jerusalem bereitwillig angereist, weil sie ihren Beitrag zur Weiterentwicklung unserer Alma Mater leisten wollten.

Vor wenigen Wochen haben wir den internationalen Beirat im Rahmen einer letzten zweitägigen Sitzung verabschiedet. Der Verbund der drei Berliner Universitäten und der Charité wird sich in Zukunft von einem übergreifenden Council Unterstützung holen. Die Freie Universität wiederum möchte auf die Expertise ihrer früheren Beiratsmitglieder nicht verzichten, wird sie jedoch eher fall- und themenbezogen in kleineren Gruppen zu Gesprächen einladen.

Die „critical friends“ haben Großes für uns geleistet, und wir sind ihnen dankbar für ihr außerordentliches Engagement in einem aufregenden Jahrzehnt hochschulstrategischer Entwicklung.

Der Autor ist Präsident der Freien Universität.