Foodsharing an der FU : Restlos glücklich

Seit November gibt es an der Freien Universität einen Foodsharing-Raum. Es ist der erste an einer Berliner Hochschule und der erste im Süden der Stadt. Jeder kann dort Lebensmittel verschenken und abholen.

Ann-Kathrin Canjé
Zu gut zum Wegwerfen: Durch das Engagement von Studierenden können Lebensmittel weiter verteilt werden.
Zu gut zum Wegwerfen: Durch das Engagement von Studierenden können Lebensmittel weiter verteilt werden.Foto: Bernd Wannenmacher

Paprikagrün und bananengelb leuchten die Wände des Raumes KL 24 / 140 in der Silberlaube. Und das hat einen guten Grund: Seit Kurzem werden dort Lebensmittel verteilt. Produkte, die noch frisch verpackt oder unverarbeitet sind, aber deren Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Initiiert wurde das Projekt „FUdsharing“ von der studentischen Nachhaltigkeitsinitiative SUSTAIN IT! der Freien Universität. „Das ist der erste ‘Fair-Teiler’, also eine Ab- und Vergabestelle für Lebensmittel, im Bezirk Steglitz-Zehlendorf“, erklärt Studentin Kathrin Henße.

„FUdsharing“ ist eine Kooperation mit der Plattform „foodsharing.de“, einer 2012 eingerichteten Initiative, die Lebensmittel in Deutschland, Österreich und der Schweiz verteilt. Nicht alle Lebensmittel dürften ausgegeben werden, erklärt Karola Braun-Wanke, die SUSTAIN IT! an der Freien Universität koordiniert. „Wir werden Brot, Backwaren, Mehl und Kekse anbieten – Produkte, die originalverpackt sind – sowie Obst und Gemüse.“ Nicht verteilt werden dürften Fleisch, Milchprodukte – die nur am Eröffnungstag ausnahmsweise im Kühlschrank standen – und verkochte Lebensmittel. „Weil wir die Aufrechterhaltung der Kühlkette nicht gewährleisten können.“

Das an der Freien Universität angesiedelte Projekt „FUdsharing“ ist im Rahmen der „Europäischen Woche der Abfallvermeidung“ angelaufen und vor allem durch studentisches Engagement entstanden. 2012 wurde es auf den Weg gebracht durch Aktionen, in denen sich Studierende mit dem Thema Ernährung und Lebensmittelproduktion auseinandergesetzt hatten. Eine der Initiatorinnen ist die ehemalige Studentin der Bildungs- und Erziehungswissenschaft Maxi Schrinner. Die 22-Jährige hat die Kooperation mit „foodsharing.de“ 2016 maßgeblich vorangetrieben und ist als Foodsaver zertifiziert. Foodsaver sind Personen, die sich bei foodsharing.de registriert und einen Test absolviert haben, der sie dazu berechtigt, Lebensmittel etwa bei Kooperationspartnern abzuholen und an die Vergabestellen zu bringen.

Zu viele Lebensmittel landen im Müll

Die 22-jährige Malina Austen engagiert sich seit 2014 bei SUSTAIN IT!. Sie studiert ebenfalls Bildungs- und Erziehungswissenschaft und wurde durch die Hochschultage, die jedes Jahr an der Freien Universität zum Thema Nachhaltigkeit stattfinden, auf das Problem Lebensmittelverschwendung aufmerksam. Aus der „Tafel der Verschwendung“, einem Brunch, der mit „geretteten“ Lebensmitteln dort veranstaltet wurde, entstand die Idee, eine dauerhafte Verteilerstelle an der Freien Universität zu etablieren. Austen freut sich, dass „FUdsharing“ nun nach einem Jahr Vorbereitung anläuft. „Ich würde mir wünschen, dass dadurch das Bewusstsein für Lebensmittelverschwendung geschärft wird und weniger Lebensmittel weggeworfen werden.“

Auch Universitätskanzlerin Andrea Bör ist von dem Projekt überzeugt. Die promovierte Ingenieurin unterstützte die Idee, dass der „Fair-Teiler“ nicht allein für Studierende und Beschäftigte der Freien Universität, sondern auch für Bürgerinnen und Bürger zugänglich ist. Dank der Kooperation mit „foodsharing.de“ ist das möglich und auch gewünscht, wie Karola Braun- Wanke erklärt: „Bei ‘foodsaving’ geht es nicht darum, ob man sich das Essen normalerweise leisten könnte oder nicht. Es geht ums Prinzip: Jeder kann Lebensmittel vor dem Wegwerfen bewahren. Und wir verteilen die Lebensmittel auch an alle: an Bedürftige ebenso wie an Menschen aus der Dahlemer Nachbarschaft, an Universitätsangehörige und Studierende. Der ‘Fair-Teiler’ an der Freien Universität Berlin ist für alle offen.“

Die Abgabestelle an der FU die erste im Süden der Stadt

Damit das auch praktisch funktioniert, war einiges an Vorbereitung nötig: Ein Raum musste gefunden, renoviert, gestrichen und eingerichtet werden. Diese Arbeit haben die Gruppenmitglieder Malina Austen, Julia Grenz, Julia Neetz, Carolin Bergmann, Kathrin Henße, Fernanda Nacis und Fenja Drausche übernommen. „Im Möbellager der Freien Universität haben wir Regale, Tische, Stühle ausgesucht, und besonders gefreut haben wir uns über den Kühlschrank, den uns das Studierendenwerk kostenlos zur Verfügung gestellt hat“, sagt Malina Austen. Von den insgesamt 34 „Fair-Teilern“ in Berlin ist die Abgabestelle an der Freien Universität die erste im Süden der Stadt. Während der Öffnungszeiten werden Studierende vor Ort sein, die sich um die Lebensmittelverteilung kümmern, registrieren, wann was geliefert wurde, und die Hygienestandards gewährleisten.

Auch beim „Fair-Teiler“ ist Engagement gefragt: „Je mehr Menschen mitmachen, desto häufiger kann der Raum geöffnet werden“, so Karola Braun-Wanke. Das Gute: Man muss nicht unbedingt Foodsaver sein, um sich zu engagieren. Willkommen ist auch Mitgebrachtes von zu Hause. Verzehrfähige und verschlossene Lebensmittel können jederzeit abgegeben werden.

Öffnungszeiten für den FUdsharing- Raum im Wintersemester 2017/2018: montags von 12 bis 18 Uhr, dienstags von 14 bis 18 Uhr, donnerstags von 12 bis 16 Uhr

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