Nachrichten : Kurz notiert - Neues aus der Freien Universität

Spannende Forschung, Neues aus der Lehre, Ehrungen für Wissenschaftler und Studierende sowie Veranstaltungen, bei denen auch die interessierte Öffentlichkeit willkommen ist. An dieser Stelle erfahren Sie auf einen Blick, was sich auf dem Campus in Dahlem gerade alles tut.

Foto: Imago/McPhoto

MELDUNGEN

Gastfamilien für Studierende aus den USA gesucht

Das Austauschprogramm Berlin Consortium for German Studies (BCGS) der Freien Universität Berlin sucht für US-amerikanische Austauschstudierende deutschsprachige Gastfamilien im Zeitraum vom 24. Februar bis 31. März 2019. Die Studierenden sind etwa 20 Jahre alt und sollten nicht weiter als 30 Minuten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vom Campus Dahlem der Freien Universität entfernt wohnen.

Das Austauschprogramm zwischen der Freien Universität und sechs traditionsreichen US-amerikanischen Universitäten besteht seit 23 Jahren. Seitdem hat das Programm insgesamt fast 800 Studierenden aus den Vereinigten Staaten und aus aller Welt die Möglichkeit geboten, während des sechs- bis zwölfmonatigen Aufenthalts in Deutschland Fach- und Sprachkenntnisse zu vertiefen sowie persönliche und kulturelle Eindrücke zu gewinnen. Viele ehemalige Austauschstudierende kehren später nach Deutschland zurück – als Diplomatinnen und Diplomaten, Geschäftsreisende, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sowie Kulturschaffende.

Wer einen Studierenden aufnehmen möchte, melde sich bitte unter der folgenden E-Mail-Adresse: [email protected] Eine Aufwandsentschädigung ist vorgesehen. Nähere Auskünfte unter Telefon: 030/838 522 60.

Ausstellung zur Geschichte der „Polenaktion“ verlängert

Die Ausstellung in der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum zur Erinnerung an die Deportation von Jüdinnen und Juden polnischer Staatsangehörigkeit im Oktober 1938 wird wegen des großen Interesses bis zum 28. Februar 2019 verlängert. Seit Eröffnung der Dokumentation am 8. Juli haben sich rund 30 000 Besucherinnen und Besucher die Ausstellung „Ausgewiesen! Berlin, 28.10.1938. Die Geschichte der ’Polenaktion’“ angesehen. Die Ausstellung, die die Geschichten von sechs verschleppten Berliner Familien erzählt, wurde gemeinsam mit dem Aktiven Museum e. V. unter Leitung von Professorin Gertrud Pickhan vom Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin vorbereitet und von der Historikerin Alina Bothe kuratiert. An der Recherche von Lebenswegen der vorgestellten Familien waren auch Berliner Studierende beteiligt.

U-Bahnstationen auf dem Campus nun alle mit Aufzügen

Alle Bahnsteige der Berliner U-Bahnhöfe auf dem Dahlemer Campus der Freien Universität sind barrierefrei erreichbar. Die Stationen Podbielskiallee, Dahlem- Dorf, Oskar-Helene-Heim und nun auch Freie Universität/Thielplatz können von Fahrgästen mit Aufzügen erreicht werden. Der Umbau des mehr als 100 Jahre alten ehemaligen Bahnhofs Thielplatz – der heutigen Haltestelle „Freie Universität/Thielplatz“ – wurde Ende September 2017 begonnen und hatte Streckensperrungen erfordert. Die Kosten für den neuen Aufzug in dem Bahnhof belaufen sich nach Angaben der Berliner Verkehrsgesellschaft auf etwa zwei Millionen Euro.

Adoptiere ein Polyeder! Namenspaten gesucht

Einblicke in die Welt sogenannter Polyeder bietet ein Geometrie-Projekt der Freien Universität Berlin und der Technischen Universität Berlin. In dem Projekt „Adoptiere ein Polyeder“ informieren Mathematikerinnen und Mathematiker über Eigenschaften der geometrischen Körper, die aus Ecken, Kanten und ebenen vieleckigen Seitenflächen bestehen. Über die Internetseite www.polytopia.eu können Interessierte eine symbolische Patenschaft für eines der mathematischen Objekte übernehmen und ihm einen Namen geben. Die Aktion unter der Leitung von Anna Maria Hartkopf ist ein Teilprojekt des Sonderforschungsbereichs (SFB) Transregio 109 „Discretization in Dynamics and Geometry“. Der SFB ist ein Zusammenschluss der Technischen Universität Berlin und der Technischen Universität München; angeschlossen ist die Freie Universität Berlin.

Lateinamerikas Blick auf die Zukunft

Historische und gegenwärtige Perspektiven auf die Zukunft in Lateinamerika sind das Thema eines neuen Internationalen Graduiertenkollegs, das an der Freien Universität eingerichtet wird. Das Kolleg kooperiert mit mexikanischen Einrichtungen und ist eines von 15 neuen Doktorandenprogrammen, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft zunächst bis 2023 mit insgesamt 71 Millionen Euro gefördert werden. Die am Graduiertenkolleg „Temporalities of Future in Latin America: Dynamics of Aspiration and Anticipation“ beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschäftigen sich damit, wie Menschen in verschiedenen Epochen des kolonialen, postkolonialen und gegenwärtigen Lateinamerika mit den Herausforderungen der Zukunft umgegangen sind und umgehen. Beteiligt ist die Freie Universität außerdem an drei weiteren neu bewilligten Graduiertenkollegs der Technischen Universität Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin sowie der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Theaterstück über das Leben von Lise Meitner

Zum Gedenken an das Wirken der Physikerin Lise Meitner (1878–1968) zeigt das Portraittheater Wien am 15. Februar 2019 um 17.00 Uhr im Henry-Ford-Bau der Freien Universität ein Theaterstück. In „Kernfragen – Gedenken an Lise Meitner“ geht es um das Leben und die wissenschaftliche Leistung der Physikerin, beispielsweise die physikalische Deutung der Kernspaltung – zusammen mit ihrem Neffen Otto Robert Frisch –, die den Chemikern Otto Hahn und Fritz Straßmann 1938 gelungen war. Beleuchtet werden auch die Geschichte der Physik sowie Europas. Um Anmeldung per E-Mail wird gebeten: [email protected] Der Eintritt ist frei. Das Stück wurde im November an der Freien Universität uraufgeführt. Projektleiter ist Heinz-Eberhard Mahnke, Professor für Physik an der Freien Universität, am Helmholtz-Zentrum Berlin sowie am Ägyptischen Museum und Papyrussammlung.

Antibiotika aus der Antarktis

Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin ist es erstmals gelungen, einen Wirkstoff synthetisch herzustellen, der sich gegen Biofilme richtet, mit denen sich Bakterien „einhüllen“ und so vor Antibiotika schützen. Professor Mathias Christmann und Doktorand Thomas Siemon vom Institut für Chemie und Biochemie stellten den Naturstoff Darwinolid her, der bisher nur in geringer Menge aus einem in der Antarktis vorkommenden Meeresschwamm gewonnen werden konnte. Nach Angaben der Wissenschaftler kann mithilfe der Synthese nun genügend Substanz hergestellt werden, um die Molekülstruktur des Wirkstoffs verändern und untersuchen zu können. Ziel ist es, die Wirkweise der Substanz zu erforschen und so zur Entwicklung von geeigneten Antibiotika beizutragen.

Denn resistente Bakterien schotten sich durch die Ausbildung scheinbar undurchdringlicher Biofilm-Barrieren gegen gängige Antibiotika ab. Ein Beispiel dafür ist der sogenannte Krankenhauskeim MRSA. Der Naturstoff Darwinolid zeigte sich wirksamer gegenüber MRSA-Keimen mit einer solchen Biofilm-Schutzschicht als gegenüber frei zugänglichen MRSA-Zellen. Die Ursache dieser Selektivität ist bislang nicht geklärt. Hierzu sei es notwendig, das Darwinolid strukturell zu verändern und zu untersuchen, wie sich diese Veränderung auf die Aktivität der Substanz auswirke, sagt Christmann. Fernziele seien die Entwicklung hochaktiver Analoga von Darwinolid sowie ein Verständnis darüber, wie Biofilm-Barrieren resistenter Bakterien überwunden werden können.

Über die Wirkung von Fluor

Studien zu besonderen Wechselwirkungen, die von fluorierten Gruppen in Molekülen oder Materialien ausgehen können, stehen im Mittelpunkt eines neuen Sonderforschungsbereichs (SFB) an der Freien Universität Berlin. Der SFB „Fluor-Spezifische Wechselwirkungen – Grundlagen und Anwendungen“ ist einer von bundesweit zehn neuen Sonderforschungsbereichen, die die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im November bewilligt hat.

Fluorierte Baueinheiten in Molekülen oder Materialien spielen eine zunehmend bedeutendere Rolle in unserem Alltag. Beispiele sind die Zugabe von Fluoriden in Zahnpasta zur Härtung des Zahnschmelzes, die Verwendung fluorierter Flüssigkristalle in modernen Handy- und Computerdisplays oder die Einführung fluorierter Gruppen in Pharmazeutika zur Steigerung der Wirksamkeit und zur Reduktion von Nebenwirkungen. Die besonderen Eigenschaften, die diese fluorierten Systeme in Anwendungen entfalten, basieren auf einzigartigen Wechselwirkungen, die von fluorierten Einheiten in diesen Verbindungen ausgehen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des neuen Sonderforschungsbereiches wollen zum einen diese Wechselwirkungen untersuchen und zum anderen verstehen, wie sich diese Wechselwirkungen gezielt für neue Anwendungen nutzen lassen. Der SFB nimmt seine Arbeit zum 1. Januar 2019 auf, Sprecher ist der Chemie-Professor Sebastian Hasenstab-Riedel von der Freien Universität Berlin, Stellvertretender Sprecher ist Chemie-Professor Thomas Braun von der Humboldt-Universität zu Berlin. Das Forschungsthema wird von Projektleiterinnen und Projektleitern der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Technische Universität Berlin, des Fritz-Haber-Instituts der Max-Planck-Gesellschaft sowie der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung bearbeitet. Der SFB wird zunächst für vier Jahre gefördert.

Wurzelextrakt für ein gutes Gedächtnis?

Könnte Rosenwurz unserem Gedächtnis auf die Sprünge helfen? Wissenschaftler- Teams aus Berlin, Magdeburg, Halle an der Saale, Würzburg und Invano-Frankivsk in der Ukraine haben die kognitiven Effekte der Pflanze untersucht und sind dabei auf eine Substanz mit dem Namen FAE-20 gestoßen, die möglicherweise zu einer verbesserten Gedächtnis- und Konzentrationsleistung führt.

Rhodiola rosea ist seit dem 1. Jahrhundert bekannt und wird in alten medizinischen Büchern zur Behandlung von verschiedenen Erkrankungen des Nervensystems empfohlen. In Sibirien wird die Pflanze „Goldene Wurzel“ genannt, denn der Wurzelextrakt soll Erinnerungsvermögen und Konzentration steigern. Inzwischen deuten wissenschaftliche Studien darauf hin, dass die Wurzel der Pflanze gegen Depressionen und Müdigkeit helfen und das Arbeitsgedächtnis beim Menschen verbessern kann. Auf welche Gedächtnisprozesse die Pflanze genau wirkt, ist bislang nicht bekannt.

Mit Unterstützung von Bioinformatikern identifizierten Neurobiologen aus der Pflanze Rhodiola rosea den Ester FAE-20 und stellten diesen synthetisch her, um die Wirkung an verschiedenen Modellorganismen zu untersuchen. Bei erwachsenen Fliegen, Honigbienen und Drosophila-Larven konnten die Wissenschaftlerteams einen Einfluss auf die Gedächtnisleistung beobachten. „Mithilfe der Bienen fanden wir heraus, dass Rhodiola nicht nur die Bedingungen für das Erinnerungsvermögen verbessert, sondern sich auch auf die Entwicklung von neuem Gedächtnis auswirkt“, erläutert Biologin Ruth Bartels aus der Arbeitsgruppe des Neurobiologen Professor Randolf Menzel von der Freien Universität. Zusammen mit ihrer Kollegin Hanna Zwaka hat sie die Studie gemeinsam mit einem Team um Professor Bertram Gerber von der Otto-von-Guericke- Universität Magdeburg durchgeführt.

Chemiker und Japanologe ausgezeichnet

Der Chemiker Professor Sebastian Hasenstab-Riedel und der Japanologe Professor Urs Matthias Zachmann von der Freien Universität Berlin sind mit hochdotierten Forschungspreisen ausgezeichnet worden. Beide erhielten jeweils einen Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC), der mit einer Förderung von bis zu zwei Millionen Euro über fünf Jahre verbunden ist.

Sebastian Hasenstab-Riedel erhält die Auszeichnung für seine Forschung zu Oxidationsmitteln. Diese finden große Anwendungen in unserem Alltag, etwa als Bleichmittel sowie in industriellen Prozessen. Die Stärke von Oxidationsmitteln wird dabei nicht allein vom Oxidationsmittel selbst bestimmt, auch die Umgebungen wie etwa das Lösungsmittel spielen eine wichtige Rolle. Ziel des Forschungsprojektes ist es zum einen, neuartige Oxidationsmittel vorherzusagen und diese dann gezielt synthetisch zu isolieren. Zum anderen sollen die erwähnten Lösungsmitteleinflüsse experimentell und theoretisch untersucht werden, um gezielt die Stärke von Oxidationsmitteln zu beeinflussen. Die neu entwickelten Systeme aus Oxidations- und Lösungsmittel könnten helfen, fundamentale Einblicke in die Natur chemischer Bindungen zu gewinnen. Und sie könnten für spezifische Oxidationsprozesse maßgeschneidert werden, um etwa Biomoleküle selektiv zu modifizieren. Besonders starke Oxidationsmittel jenseits der bisher bekannten sind für die Trennung von Edelmetallen aus Elektroschrott interessant.

Das Thema des Projekts von Professor Urs Matthias Zachmann lautet „Recht ohne Gnade: Japanische Standgerichte und Militärgerichte im Asiatisch-Pazifischen Krieg (1937–1945)“. Er untersucht die Frage nach dem Verhältnis von Recht und Gewalt in dem wohl folgenschwersten Krieg der modernen Geschichte Ostasiens. Angestrebt wird, durch den bislang unerforschten Komplex zur japanischen Militärgerichtsbarkeit neue Einsichten in die Ursachen und Zusammenhänge der eskalierenden Gewalt auf den Schlachtfeldern und in den besetzten Gebieten Ost- und Südostasiens zu gewinnen. Grundlage des Projekts ist die systematische Erschließung bislang unerforschten Quellenmaterials, insbesondere Akten der Stand- und Militärgerichte oder private Tagebuchaufzeichnungen von Militärrichtern.

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