Neue Forschungscluster : Exzellenz zum Mitmachen

Im Januar 2019 nehmen vier Exzellenzcluster ihre Arbeit an der Freien Universität an. Die Themen sind gesellschaftlich topaktuell.

Günter M. Ziegler ist Präsident der Freien Universität Berlin.
Günter M. Ziegler ist Präsident der Freien Universität Berlin.Foto: Kay Herschelmann

Natürlich war das ein Zufall. Während vor wenigen Tagen der Staatsbesuch des türkischen Präsidenten und die dazugehörigen Protestdemonstrationen die Berliner Innenstadt lahmlegten, bewilligte die Exzellenzkommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Wissenschaftsrates in Bonn der Freien Universität Berlin einen Forschungscluster namens SCRIPTS zu der Frage, warum der liberale demokratische Konsens an so vielen Ecken der Erde in Frage gestellt oder sogar aufgekündigt wird. Die Koinzidenz der Ereignisse zeigt, wie aktuell die Forschungsfragen sind, denen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im SCRIPTS-Projekt widmen werden. Die Freie Universität Berlin ist aufgrund ihrer Gründungsgeschichte, die sich auch in ihrem Namen spiegelt, der richtige Ort für die Frage nach dem Umgang mit Demokratie und Freiheit. Von Januar 2019 an wird darüber an der Universität geforscht und diskutiert werden – auch mit Ihnen!

SCRIPTS ist einer von sieben Forschungsclustern, die vor wenigen Tagen im Rahmen der „Exzellenzstrategie“ von Bund und Ländern nach Berlin vergeben wurden, und einer von vier, die der Freien Universität als alleiniger Antragstellerin oder als Mit-Antragstellerin zugesprochen wurden. Hinter den geheimnisvollen Kürzeln SCRIPTS, Temporal Communities, NeuroCure und MATH+, die auf den Seiten 6 und 7 dieser Beilage erklärt werden, verbergen sich neue, finanziell hoch geförderte Großprojekte für die Wissenschaft in Berlin – in Politik- und Literaturwissenschaft, Medizin und Mathematik. Getragen werden sie von großartigen, engagierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die viel Mühe und Arbeit in die Vorbereitung und Präsentation der Projekte gesteckt haben – und nun mit dem Erfolg belohnt wurden. Es sind große Teams, die jetzt darauf brennen, loszulegen; Forscherinnen und Forscher, die zu den Besten ihres Faches gehören, und von den internationalen Gutachterinnen und Gutachtern das Prädikat „exzellent“ erhalten haben.

Wissenschaft ist konkret, greifbar, erlebbar

Die Forschungsideen, Fragen und Probleme, mit denen sie sich beschäftigen werden, sind nicht nur herausfordernd, sondern auch gesellschaftlich hochrelevant und vielfach topaktuell, wie das Projekt SCRIPTS zeigt. Die neuen, ehrgeizigen Forschungsvorhaben sind aber auch eine Chance: Für neue Generationen von Doktorandinnen und Doktoranden, sich in der Spitzenforschung zu beweisen. Für Studierende, über forschungsorientierte Lehre in die Wissenschaft einzutauchen. Für die Stadtgesellschaft – etwa Sie als Tagesspiegelleserinnen und -leser – durch den Besuch von Vorträgen, Diskussionen und Aktionen an der Freien Universität oder anderswo in der Stadt teilzuhaben an der wissenschaftlichen Arbeit oder sogar dazu beizutragen. Wissenschaft ist konkret, greifbar, erlebbar – an der Freien Universität und an tausend anderen Orten in Berlin, wo Forscherinnen und Forscher präsent und aktiv sind. Denn ein Ziel aller unserer Forschungscluster ist es, nicht im oft kritisierten Elfenbeinturm zu arbeiten, sondern lebendige Netzwerke mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Studierenden und Promovierenden sowie Interessierten aus der ganzen Stadt zu etablieren.

Aber bevor es im Januar 2019 offiziell losgeht mit der Arbeit in den neuen Exzellenzclustern, feiern wir am 4. Dezember einen runden Geburtstag: An diesem Tag vor 70 Jahren wurde die Freie Universität im damaligen West-Berlin gegründet – mit tatkräftiger Unterstützung engagierter Berlinerinnen und Berliner. Nicht zuletzt deshalb sehen wir es als wichtigen Teil unserer Aufgaben an, Sie an unserer Arbeit teilhaben zu lassen. Und natürlich wollen wir auch gemeinsam mit Ihnen feiern. Ich lade Sie herzlich zu unserer Festveranstaltung am 4. Dezember ein!

Der Autor ist Präsident der Freien Universität Berlin