Päsidentenkolumne : Verantwortung für Vielfalt

Menschheit, Klimawandel, Vielfalt und Gesundheit - Große Fragen brauchen große Koalitionen.

Günther M. Ziegler ist Präsident der Freien Universität Berlin.
Günther M. Ziegler ist Präsident der Freien Universität Berlin.Foto: Kay Herschelmann

Der Autor ist Präsident der Freien Universität Berlin

Eine Universität steht immer in gesellschaftlicher Verantwortung: Man erwartet von ihr zu Recht Antworten und Lösungsvorschläge, auch für die ganz großen Themen der Menschheit, wie Klimawandel, Gesundheit oder biologische Vielfalt. Selbstverständlich leisten dazu die Wissenschaftlerinnen und Forscher der Freien Universität ihren Beitrag.

Für die ganz großen Fragen braucht man ganz große Koalitionen – und genau dafür hat sich die Berliner Universitätsallianz gebildet, die am 1. November ihre Arbeit offiziell begonnen hat. „Sozialer Zusammenhalt“ ist das erste Grand-Challenge-Thema in der Allianz. Die disziplinenübergreifende Arbeit dazu wird nun mit der Förderung von 55 sehr unterschiedlichen Initiativen in Angriff genommen, und zwar aus einem breiten Spektrum und einer großen Vielfalt von Fächern heraus: von Sozial- und Politikwissenschaften über Biologie bis Jura.

Genauso breit und vielfältig muss, kann und will die Freie Universität den Klimawandel in den Blick nehmen. Sie ist dazu hervorragend aufgestellt, eine ziemlich grüne Universität, vielleicht die grünste in Deutschland; eine Hochschule, die sich schon vor 20 Jahren Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und die Forschung zur biologischen Vielfalt auf die Fahnen geschrieben hat – und dies nicht nur mit dem Ziel, die Freie Universität als Institution so nachhaltig und klimafreundlich wie nur möglich zu machen; es wird selbstverständlich auch dazu geforscht und gelehrt. Und auch dafür ist die Vielfalt der Fächer eine unabdingbare Voraussetzung.

Die Zukunft benötigt langfristige Planung

Wer die Universitäten ernst nimmt, muss sie in voller Breite wahrnehmen, darf die Forschung und ihre Förderung dabei nicht nur auf die großen und jetzt drängenden Fragen reduzieren oder auf das vermeintlich in Zukunft Nützliche. Die Forderung nach Konzentration auf die „anwendungsnahe“ Forschung ist kurzsichtig, weil wir nicht wissen können, was in Zukunft nützlich oder anwendbar sein wird. Forschung muss vielfältig bleiben, und die Vielfalt der Freien Universität ist ihr ganz besonderer Schatz.

Bei uns wird nicht nur bearbeitet, was augenscheinlich nützlich ist, sondern alles, was unsere Forscherinnen und Forscher interessant finden und für wichtig halten. Und das trägt nicht nur zur Beantwortung der großen Fragen bei, sondern versammelt auch Expertise für die verschiedensten Bereiche des Wissens. Die Bandbreite ist enorm: Wir haben Expertinnen und Experten für Babylon, für Berlin und für „Babylon Berlin“; für Bienen, für Wespen und für Schwarmintelligenz; für Lord Byron und David Bowie; für Bildungspolitik und die Entstehung von Bergen (und auch von Schuldenbergen).

Genauso vielfältig ist die Lehre an der Freien Universität. Die Freiheit dafür garantiert das Grundgesetz: „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei“. Aus dieser Freiheit folgt für uns an der Freien Universität auch die Verantwortung für die Bewahrung der Vielfalt.