Sommer-Uni zu Afrika : "Alle Menschen tragen afrikanische DNA"

"Afrika – Herkunft und Schicksal der Menschheit" lautet das Thema der diesjährigen Berliner Sommer-Uni, die vom 27. August bis 2. September an der Freien Universität Berlin stattfindet.

Das Thema der 33. Berliner Sommer-Uni ist "Afrika – Herkunft und Schicksal der Menschheit".
Das Thema der 33. Berliner Sommer-Uni ist "Afrika – Herkunft und Schicksal der Menschheit".Foto: Lenny Miles/Unsplash

Die Sommer-Uni wird von der Berliner Akademie für weiterbildende Studien e. V. und der Freien Universität veranstaltet und richtet sich vor allem an Seniorinnen und Senioren, aber auch an alle anderen Interessierten. Ein Gespräch mit Ferdinand Nowak von der Berliner Akademie und Professor Harm Kuper von der Freien Universität.

Herr Kuper, Herr Nowak, warum wurde das Thema Afrika gewählt?

KUPER: Vor 70 000 Jahren und früher begann Homo sapiens von Afrika aus die Welt zu bevölkern. Alle Menschen auf dieser Erde tragen also afrikanische DNA in sich. Vor dem Hintergrund aktueller Ereignisse interessieren aus europäischer Perspektive aber oft nur die Fragen der Migration aus Afrika und wie sicher die Länder dort sind. Die Erkenntnis, dass es da einen bis auf die Wurzeln der Menschheitsgeschichte zurückgehenden Bogen gibt, der uns alle mit Afrika verbindet, kann vielleicht dazu beitragen, gelassener mit der aktuellen Situation umzugehen. Doch das setzt Informiertheit voraus und Urteilskompetenz, die in der Sommer-Uni vermittelt werden sollen.

NOWAK: Vor zwanzig Jahren erklärte die UNESCO den 23. August zum Internationalen Aktionstag als Erinnerung an die Abschaffung des Sklavenhandels. Die Diskussion darüber, wie aus heutiger Sicht mit Fragen des Kolonialismus – etwa in der Provenienzforschung oder bei der Auswahl von Straßennamen – umgegangen werden soll, wird sich auch in Beiträgen der Sommer-Uni finden.

Welches Programm erwartet die Teilnehmer noch?

NOWAK: Das Programm der Sommer- Uni bietet einen weiten thematischen Bogen: Migration und Anpassung in der Geschichte der Menschheit, Bodenschätze und Konflikte, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklungen. Für das Thema Migration aus Afrika wird der vielfach prämierte Dokumentarfilm „Als Paul über das Meer kam“ vorgeführt, der die Flucht eines Mannes aus Kamerun nach Europa zeigt. Wir konnten den Regisseur Jakob Preuss und Paul Nkamani, den Protagonisten des Films, als Gesprächspartner gewinnen. Mit einer wirklich schwierigen Frage wird die Sommer-Uni ausklingen: Was hilft Afrika? Ist es arrogant, wenn wir uns das in Europa fragen? Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden Beispiele für gute Regierungsführung wie für Korruption kritisch betrachten.

An wen richtet sich die Sommer-Uni?

KUPER: Die engere Zielgruppe der Berliner Sommer-Uni sind Seniorinnen und Senioren, die aufgeklärt auf die Fragen reagieren möchten, die das Leben und die Geschichte mit sich bringen. Die Wissenschaft wird als eine Ressource genutzt, um ein komplexes Thema aus vielen Perspektiven zu beleuchten und mit den eigenen Erfahrungen in Verbindung zu setzen. Sehr schön finde ich, dass die Berliner Sommer-Uni über den Kreis der zahlenden Gäste hinaus offen ist. Alle Mitglieder der Freien Universität sind herzlich eingeladen, im Gespräch die Bedeutung des Themas Afrika auszuloten.

Mehr Infos und Anmeldung: www.berlinakademie.de