Weiterbildung für Professorinnen und Professoren : "Wenn nicht wir uns mit der Lehre befassen – wer dann?"

Im Sommersemester 2018 startet das hochschuldidaktische Weiterbildungsangebot „Support Pro“. Wirtschaftswissenschaftler Markus Helfen hat durch einen vergleichbaren Workshop seine Lehre neu konzipiert.

Sören Maahs
Nicht mehr bloß "learning by doing": Markus Helfen, Professor für Personalpolitik, will mehr über gute Lehre lernen.
Nicht mehr bloß "learning by doing": Markus Helfen, Professor für Personalpolitik, will mehr über gute Lehre lernen.Foto: Sören Maahs

Wie kann ich die eigene Forschung in die Lehre einbringen oder mit den Studierenden ein Forschungsprojekt durchführen? Wie setze ich digitale Medien sinnvoll ein? Wie kann ich meinen Planungs- und Zeitaufwand für Lehrveranstaltungen verringern? Wie verbessere ich die Qualität studentischer Vorträge? Das sind nur einige der hochschuldidaktischen Fragen, die Katja Reinecke zufolge auch für Professoren und Professorinnen mit langjähriger Lehrerfahrung relevant sind. Die promovierte Linguistin koordiniert den Bereich Lehrqualifizierung an der Arbeitsstelle Lehr- und Studienqualität der Freien Universität Berlin.

Dass es in Bezug auf die Professionalisierung der Lehrtätigkeit Veränderungsbedarf gibt, sieht auch Markus Helfen, Professor für Personalpolitik am Management-Department der Freien Universität. Bisher habe man sich Lehrkompetenz vielfach durch „learning by doing“ angeeignet. Um sich didaktisch weiterzubilden, nimmt der 43-Jährige derzeit an dem mehrsemestrigen Zertifikatprogramm „Support für die Lehre“ teil.

Er führt ein Beispiel aus der Praxis an: „Wir stehen an unserem Fachbereich vor dem Problem, dass wir aufgrund der gestiegenen Studierendenzahlen verstärkt Großveranstaltungen für mehr als 400 Hörerinnen und Hörer anbieten müssen.“ Die Frage sei nun, wie man auf diese Herausforderung reagiere, ohne die Lehrenden – deren Anteil nicht steige – stärker zu belasten. Helfens Lösung: „Wir haben ein Online-Tutorium eingeführt und konnten dabei auf die kompetente Unterstützung des Centers für Digitale Systeme (CeDiS) der Freien Universität zurückgreifen.“ Zusätzlich unterstütze ein Online-Selbstlernquiz die Studierenden dabei, ihren Lernfortschritt besser einzuschätzen. Philipp Thompson vom Institut für Management und Victoria Castrillejo von CeDiS haben die beiden Formate konzipiert.

"Studierende nicht mit Wissen zuschütten"

Das sei ein gutes Beispiel für eine neue Auffassung von Lehre, einen Perspektivwechsel, der sich seit mehr als einem Jahrzehnt in der Hochschullehre vollziehe, erklärt Katja Reinecke: „Der Fokus geht von der Vermittlungstätigkeit der Lehrenden hin zur Lernaktivität der Studierenden.“ Auch Markus Helfen weiß, „dass es nichts bringt, Studierende 90 Minuten lang mit Wissen zuzuschütten. Es zählt weniger: Welchen Lehrstoff möchte ich durchbringen? Als: Welche Lernergebnisse sollen die Studierenden erreichen?“. Wichtig sei der Wechsel von Phasen, in denen Lehrende Wissen vermitteln, und solchen, in denen die Studierenden selbst denken und reden. Die Lehrperson solle dabei nicht nur Fachwissen vermitteln, sondern auch eine Umgebung schaffen, die zum Lernen anrege. Letztlich gehe es um „Lernunterstützung, nicht um Wissenseintrichterung“, sagt Helfen. Seine Erfahrung: „Je aktiver die Studierenden eingebunden werden, desto größer ist der Lernerfolg.“

Die Teilnahme am Zertifikatprogramm „Support für die Lehre“ habe ihn zum Umdenken bewogen und dazu geführt, seine Lehre umzustrukturieren, sagt der Wirtschaftswissenschaftler. Katja Reinecke hofft, dass sich derartige positive Erfahrungen an der Universität herumsprechen: „Unser Programm wird gut angenommen, vor allem vom wissenschaftlichen Nachwuchs.“ Für Professorinnen und Professoren, die schon länger lehren, gab es bisher kein spezifisches Angebot. Um diese Lücke zu schließen, startet im Sommersemester ein speziell auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe zugeschnittener Workshop. Das neue Angebot im Blended-Learning-Format, einer Kombination aus zwei halbtägigen Präsenzveranstaltungen und einer Selbstlernphase, erlaubt den Teilnehmenden, sich die Lernphasen weitgehend frei einzuteilen.

Anregung zum Austausch über die eigene Lehre

Auch bei der Wahl der Inhalte gibt es keine engen Vorgaben. „Unser Online-Angebot setzt auf erprobte Praxisbeispiele und Materialien, die einen hohen anwendungsorientierten Wert besitzen“, sagt Reinecke. Reflexionsfragen regten zur Beschäftigung und zum kollegialen Austausch über die eigene Lehre an.

Markus Helfen ist überzeugt: Nicht nur die Studierenden profitieren von der Weiterbildung ihrer Lehrenden. „Auch man selbst gewinnt: mehr Spaß zum Beispiel, Selbstbestätigung und Abwechslung für den Unterricht.“ Sein Maßstab für Fortbildungen laute: „Bereue ich es hinterher, die Zeit investiert zu haben? Bei den Workshops des Zertifikatprogramms war das noch kein einziges Mal der Fall. Ich habe aus jeder Veranstaltung Ideen und Instrumente mitgenommen, die ich anwenden und umsetzen konnte.“ Lehre bleibe aber etwas Individuelles. Helfen rät, aus dem großen didaktischen Angebot Methoden auszuwählen, die zum eigenen Fachgebiet und zur Person passen. Dass man sich als Wissenschaftler mit dem Thema befassen müsse, steht für ihn fest: „Wenn nicht wir uns mit der Lehre beschäftigen, wer dann?“

Mehr im Internet: www.fu-berlin.de/qualitaetspakt/lehrqualifizierung

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