"Die ultimative Sicherheit"

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Die Liebe der Finnen zum Filterkaffee : Kaffepaussi!
Finnen trinken den Kaffee am liebsten. Und dazu: eine Zimtschnecke.
Finnen trinken den Kaffee am liebsten. Und dazu: eine Zimtschnecke.Foto stockfood

Auch in Riikka Pulkkinens erstem, preisgekrönten Roman „Die Ruhelose“, der gerade auf Deutsch erschienen ist (bei List), blubbern die Kaffeemaschinen, dient der Kaffee mit Zimtschnecke als Seelentröster, Türöffner. Mit der Schülerin, die er begehrt, trifft der Lehrer sich auf einen Kaffee. Das ist unverfänglich, aber wirkungsvoll. Kurz danach landen sie im Bett.

Pulkkinen, schwarzes Haar, Sommersprossen, Retro-Kleidchen, geht gern mit ihrer kleinen Tochter ins Fazer, das auch in einem ihrer Romane vorkommt. Zwischen den Tischen ist genügend Platz für den Kinderwagen.

Die kleine Marta ist mit Koffein auf die Welt gekommen: Als bei Pulkkinen die Fruchtblase platze, und sie im Krankenhaus anrief, um zu fragen, was sie tun solle, riet man ihr, sich erstmal einen Kaffee zu kochen. Dafür sei immer noch Zeit. Für die 34-Jährige, die das Kaffeetrinken bei den Großeltern gelernt hat, verkörpert der Trank „die ultimate Sicherheit“ – selbst in den schwierigsten Situationen. „Wenn man aufwacht in der Nacht und das Gefühl hat, ganz allein zu sein im Universum, und dann geht irgendwann die Sonne auf und du kannst dir einen Kaffee kochen – da hast du das Gefühl: okay, die Welt geht weiter.“ Allein der Duft beruhigt sie.

Sie schreibt auch am liebsten im Café. Die Stille in der Bibliothek empfindet sie als bedrückend, dort hat sie eine Schreibkrise gepackt. „Im Café habe ich das Gefühl, Teil des Lebens zu sein.“

„Es ist eine wunderbare Art, den Morgen zu beginnen“, sagt auch Joe Lindquist, der sich mit seinen Kollegen von der Stadt, die Straßen und Parks Helsinkis in Schuss halten, jeden Tag im Pausenraum auf dem zentralen Gelände trifft. „It cheers you up.“ Wer als Erster kommt, wirft die Maschine an, an der Wand hängen ihre Becher mit Namen, und wehe, den rührt ein Fremder an. Oder kommt gar auf die Idee, ihn zu spülen. Manche schwören, wie Teetrinker, auf den Belag: Er intensiviere den Geschmack.

Lindquists Großmutter hat bei Paulig gearbeitet, er selbst hat als Dreijähriger angefangen, Kaffee zu trinken. Anfangs mit Milch und Zucker, mit zehn war er reif für den Schwarzen. Heute verschärft er sich am Ende langer Wanderungen das Gebräu mit Wodka.

Die Kaffepaussi ist eine Pause, in der man nicht zu viel über die Arbeit sprechen sollte, da ist Lindquist sich mit den Kollegen einig. Aber das verändert sich, der Druck wächst, und damit das Tempo, im Büro ziehen die meisten mit ihrem Becher an den Schreibtisch zurück. „Wenn Sie Goldman Sachs fragen“, unkt Lindquist, „werden sie Ihnen sagen, dass die Kaffepaussi bald Geschichte ist.“

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