Paulig ist überall

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Die Liebe der Finnen zum Filterkaffee : Kaffepaussi!
Finnen trinken den Kaffee am liebsten. Und dazu: eine Zimtschnecke.
Finnen trinken den Kaffee am liebsten. Und dazu: eine Zimtschnecke.Foto stockfood

Helsinki hat eine reiche eigene Kaffeehauskultur. Da ist das Café Ekberg zum Beispiel, in dem man seit 1852 die allerköstlichsten Zimtschnecken und Zuckerbrötchen aus der eigenen Bäckerei bekommt, serviert von Kellnerinnen mit Schlips, in altmodischem Ambiente. Mittags gibt es ein günstiges Buffet, zu dem sich vor allem Einheimische treffen, dazu Kaffee, so viel man möchte. Das kennt man aus den USA, keine angenehme Erinnerung. Dort stehen die Kannen stundenlang auf der Platte, der Inhalt wird immer schwärzer und ungenießbarer. In Finnland legt man Wert auf einen frischen Trunk. Eine Tankstellenkette wirbt damit, dass ihr Gebräu nie älter als eine Viertelstunde ist, häusliche Kaffeemaschinen stellen sich nach einer halben Stunde automatisch aus.

Im Café Fazer wird die eigene Hausmarke serviert und natürlich Paulig. Paulig ist überall, selbst auf der Helsinki Design Week, bei McDonald’s gibt’s für zwei Euro „Paulig Latte“, im Supermarkt leuchten einem die Packungen der Rösterei grün und rot entgegen. Gustav Paulig war ein abenteuerlustiger Einwanderer aus Lübeck. Erst arbeitete er bei Nokia, dann eröffnete er einen Laden für Kolonialwaren, für den er Kaffeebohnen importierte, die die Finnen damals noch selber zu Hause rösteten. Bis er 1904 seine eigene Rösterei eröffnete.

Die Firma in Familienbesitz beherrscht mehr als die Hälfte des finnischen Markts. 4,69 Euro kostet das Pfund Presidentti im Supermarkt, 3,95 der Juhla Mokka. No name-Produkte gibt es schon für 2,19. Die Preise in den Geschäften sind knapp kalkuliert, sagt Resto Kalsta, Marketing-Manager bei Paulig, da vergleichen die Finnen ganz genau. „Die Läden verdienen nicht viel damit, aber es ist das Produkt, mit dem man die Kunden anlockt.“

Inzwischen hat Paulig Zuwachs bekommen. „Robert’s Coffee“ heißt die Coffeeshop-Kette, auf die man in Helsinki immer wieder stößt, und die auf den ersten Blick sehr amerikanisch wirkt. Aber Robert ist Robert Paulig; der hätte die große Kaffeerösterei gern an die Börse gebracht, dagegen hat sich der Rest der Familie gesträubt. Also ließ er sich auszahlen und gründete seine Coffeeshop-Kette. Vor acht Monaten hat die Firma Paulig „Robert’s Coffee“ gekauft. Man muss mit der Zeit gehen.

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