Ethnofood im Häppchenformat

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Interessantes Fast Food in Berlin : Berlin isst die Welt
Mark Thomas (links) und Martin Fehre vom "Momos" präsentieren ihre Bio-Teigtaschen im "Momos".
Mark Thomas (links) und Martin Fehre vom "Momos" präsentieren ihre Bio-Teigtaschen im "Momos".Foto: Thilo Rückeis

Eine neue Generation an Imbissen entstand, die authentisches Ethnofood im Häppchenformat aus aller Welt nach Berlin brachten: Das „Rice up“ startete im U-Bahnhof Schönleinstraße mit dem in Japan beliebten Streetfood Onigiri, verschieden gefüllten und mit Nori-Algenblatt ummantelte Reissnacks, und beliefert heute viele Bio-Märkte. Das „CôCô“ am Rosenthaler Platz war das erste, das vietnamesisches Bánh mì anbot, eine durch und durch vietnamesische Spezialität, die krustenloses Baguette-Brot – ein Erbe aus der französischen Kolonialzeit – mit typisch Asiatischem wie Zitronengras-Fleischbällchen und reichlich Koriander belegt.

Auch das „Momos“ gehört zu dieser Generation, auch wenn hier die Teigtaschen in modifizierter Form auf den Teller kommen: Von den sechs angebotenen Sorten ist nur eine rein nepalesisch. „Man kann das Originäre nicht eins zu eins zu uns kopieren“, sagt Martin Fehre. „Wir nutzen die Momos als Medium und kombinieren sie mit Aspekten, die uns wichtig sind: bio, vegetarisch, vegan, Nachhaltigkeit berücksichtigen, kaum Abfall produzieren.“ Obwohl das Produkt aus dem Himalaya stammt, ist in Berlin daraus etwas Neues entstanden.

Eine authentische Snackform als Basis zu nutzen und mit neuen Zutaten kombinieren, zeichnet die nächste Generation der Imbissrevolution aus: Im „District Môt“ in der Rosenthaler Straße wird aus dem klassischen Burger mittels Reismehl-Brötchen und Koriandereinsatz ein Ban Bao Burger. Um die Ecke verwandelt sich im „Nuport“ der Hot Dog durch Okonomiyaki-Sauce, Weißkohlstreifen, Asiamayo und Dashi in einen „Tai Chi Man“-Hot Dog.

Kulinarische Grenzen verschwimmen, traditionelle Gerichte und Kochtechniken verschmelzen zu globalisiertem Comfortfood in regional verschiedenen Spielarten, deren Erforschung die Spezies des „Foodies“ begründet. Und auch die traditionell deutsche Imbisskultur wird sich durch den internationalen Einfluss zum Guten verändern. „Der Import anderer Imbisskulturen hat den Druck auf die klassischen Läden erhöht, besser zu werden, und bitteschön frisch zu kochen“, sagt Marin Trenk.

Die Folgen sind bereits spürbar: Hamburger, einst die Ikonen amerikanischer Fast-Food-Ketten, entwickelten sich zum hochindividualisierten High-End-Essen. Bei „Curry 36“ ersetzt die „Bio-Currywurst vom glücklichen Havelländer Apfelschwein“ längst die Industrie-Wurst unbekannter Herkunft.

Am Beispiel des Foodtrucks „Heißer Hobel“, der Allgäuer Käsespätzle to go anbietet, prophezeit Trenk auch die Renaissance deutscher Klassiker: „Wenn eine regionale Spezialität in einem Foodtruck in Bewegung kommt, ist sie womöglich in einem anderen Bundesland schon wieder etwas Exotisches.“ So ist Regionales, wen wundert’s, immer auch ein Happen neu gewonnene Heimat auf dem Teller.

Es gibt viel zu probieren. Goldene Zeiten für neugierige Genießer. Von nun an werden wir jeden Sonntag in unserer neuen Kolumne „Von der Hand in den Mund“ einen Imbiss vorstellen.

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