Streetfood klingt besser als Imbiss

Seite 2 von 3
Interessantes Fast Food in Berlin : Berlin isst die Welt
Djafari vom "Nuport" präsentiert asiatische Hot dogs mit Enten-Bratwurst.
Djafari vom "Nuport" präsentiert asiatische Hot dogs mit Enten-Bratwurst.Foto: Thilo Rückeis

Diese Art des Essens haben Thomas und Fehre „Fast-Casual“ genannt: Essen wie im Restaurant, nur schneller serviert und ohne weiße Tischdecken und Kellner am Tisch. „Fast Food und Imbiss – das klingt nach Billigschiene, da würde niemand Qualität erwarten“, sagt Martin Fehre. Deshalb auch der Ausdruck „Bio-Imbiss“, „weil es einen anderen Standard signalisiert“.

Der Imbiss hat hierzulande ein Imageproblem. Das sagt auch der Ethnologe Marin Trenk, der an der Goethe-Universität Frankfurt Kulinarik unterrichtet und sich in seinem Buch „Döner Hawaii“ mit der Globalisierung des Essens beschäftigt. „Zu Deutschlands kulinarischen Säulen gehören die Wurst und das Brot, beides gibt es in außergewöhnlicher Vielfalt und eigentlich auch in sehr guter Qualität. Aber finden Sie einmal einen Imbiss, der gute Wurst und Brot anbietet, das ist doch die Ausnahme.“

Ketchup, Sprite und Sojasauce

Nicht das Angebot allein sei schuld an mangelnder Qualität, sondern auch die negative Stigmatisierung des klassischen Imbissangebots. „Die Wurst im Brot wird einfach nicht als richtige Mahlzeit eingeschätzt“, sagt Trenk. Wer halbwegs Qualität, Raffinesse oder Exotik auf die Hand anbietet, meidet die Bezeichnung „Imbiss“ wie die Pest – „Streetfood“ ist das Zauberwort, das dem Imbiss eine Zukunft beschert.

So bietet das neueröffnete „Neta“ in Prenzlauer Berg seine hausgemachten Tacos und Burritos als „Mexikanisches Streetfood“ an. Das „Koshary Lux“ bringt arabische Alltagsküche in Häppchenform als „Oriental Streetfood“ nach Charlottenburg. Und das „Ayan“ in der Potsdamer Straße serviert in Ketchup, Sprite und Sojasauce mariniertes Rindfleisch als „Filipino Streetfood“.

Doch es ist nicht nur der Name und die bessere Qualität, die zum Erfolg der neuen Imbisswelle beiträgt. Es ist die Art, wie diese Speisen konsumiert werden. „Das Snacken ist in der Regel eine höchst individuelle Angelegenheit, man isst allein, im Gegensatz zu einer Mahlzeit, die am Tisch in aller Regel mit mehreren eingenommen wird. Über alle Kulturen hinweg wird alleine zu essen als Mangel empfunden“, sagt Marin Trenk. Gleichzeitig gewinnt in unserer Kultur die Zwischenmahlzeit immer mehr an Bedeutung, der „Snack around the clock“ ersetze schon bei vielen das Tafeln, ohne dass sie auf die kollektive Essensaufnahme verzichten wollen.

Kleine Portionen zum Teilen

„Das ‚Ich will einen Teller für mich, und da soll möglichst viel drauf sein’, verändert sich hin zu einer Struktur, in der man mit mehreren zusammen möglichst viele kleine Portionen bestellt und die miteinander teilt“, sagt Trenk.

Der Boom der Streetfoodmärkte sei ein Indiz dafür, dass Snacken anders, eben als Erlebnis und nicht als Mangel wahrgenommen wird. „Es entsteht eine gemeinschaftliche und sehr flexible Essensstruktur. Man entledigt sich des Drucks, essen zu müssen, was auf den Tisch kommt. Es kommt ein Moment der Freiheit, des Spielerischen mit hinein.“

Die Vertreter der neuen Imbisskultur ermöglichen genau dieses kollektive Esserlebnis. Sie haben nicht den Anspruch, ein Restaurant zu sein, bieten aber einfache Sitzgelegenheiten ohne klassischen Service am Tisch. „Ich erinnere mich“, sagt Trenk, „dass man in den 70er Jahren den Döner nicht in die Hand bekam und dann losstürzte, sondern es üblich war, sich zum Döner-Essen hinzusetzen.“ Das westliche beschleunigte Lebensgefühl sei schuld daran, dass Vieles zum „to go“ verkommen ist. „Das änderte sich gerade durch Menschen, die weit gereist sind und in der Streetfoodkultur Südostasisens und Mexikos erlebt haben, dass gute und schnell servierte Zwischenmahlzeiten trotzdem mit Elementen von privater Esskultur einhergehen können.“ Der seit gut zehn Jahren andauernde Import der Streetfoodkultur anderer Länder stoppe auch den Qualitätsverfall der deutschen Imbisskultur.