Nicht schwach werden!

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Kochen für die Gesundheit: Eine persönliche Geschichte : Wie eine Krebskrankheit das Leben umkrempelte
Léda Forgó
Biogemüse geht ins Geld.
Biogemüse geht ins Geld.Foto: Patrick Pleul/picture alliance / dpa

Eine weitere Hürde bei unserer Ernährung: die Wirtschaftlichkeit. Teenager essen eine Menge. Oft renne ich aus dem Biomarkt, damit niemand die Tränen sieht, die mir in die Augen schießen. Ich renne der Verzweiflung entgegen, wieder weit über unsere Verhältnisse eingekauft zu haben. Ich gebe ungefähr das Vierfache für Lebensmittel aus im Vergleich zu früher. Unser Leben dreht sich ums Essen. Ums Geld. Um das Anschaffen der Zutaten. In sechs, sieben Läden kaufe ich ein, so unterschiedlich sind die Preise, und wo man was bekommt.

Früher war ich Schriftstellerin. Heute bezeichne ich mich als Heilköchin. Drei Stunden verbringe ich jeden Tag in der Küche. Studiere die Literatur. Eins meiner Standardwerke heißt „Krebszellen mögen keine Himbeeren“ von dem Biochemiker Richard Béliveau, der einen Lehrstuhl für Krebsbehandlung an der Universität von Québec hat. Ein anderes: „Tomatenrot und Drachengrün“ von der Onkologin Susanne Bihlmaier.

Besser einladen als ausgehen

Und wie ist es mit der Geselligkeit? Bei Freunden fragen wir nicht nach der Herkunft der Nahrung und lächeln Zucker und tierische Zutaten weg. Wir wollen nicht kompliziert sein, wollen vor allem mit ihnen zusammen sein. Am besten ist es, wenn Gäste zu uns kommen. Doch das geht ins Geld.

Aber das ist mir wichtig: nicht nachlassen. Nicht schwach werden, weil es billiger ist, Nudeln und Brot zu essen. Lieblingsessen der Kinder wie vegane Burger zuzubereiten, auch wenn es aufwändig ist. Mir gelegentlich ein neues Küchengerät spendieren, zum besseren Keimen und Dampfen.

Sehnsucht nach der Unbeschwertheit

Ab und zu flammt Sehnsucht nach der alten Unbeschwertheit auf. Wenn man bloß einen Lebensmittelladen ohne Alarmsignale im Kopf betreten, ohne nachzudenken einfach alles aus den Regalen nehmen könnte. Doch der Wunsch, dass mein Kind gesund bleiben soll, lässt keine Milderung unserer Vorsätze zu.

Gleichzeitig übe ich mich darin, missionarische Impulse zurückzuhalten. Man neigt dazu, zu denken, dass das, was einem gut tut, auch den anderen gut tun würde. Aber die Überzeugung muss man sich erarbeiten. Es muss einen inneren Druck geben, um danach zu suchen.

Meine Whatsapp-Chat-Verläufe sind ein einziger Rezepttausch. Meine Kinder schütteln den Kopf, wenn sie sich mein Handy schnappen: „Mama, andere Mütter fotografieren ihre Kinder, bei dir gibt es nur Essensfotos!" Dann nehme ich ihnen mein Handy weg, damit sie sich auf ihre Teller konzentrieren können.

Léda Forgó, 1973 in Ungarn geboren, zog als 20-Jährige nach Deutschland und lebt mit ihren Kindern in Hamburg. Zuletzt erschien von ihr der Roman „Vom Ausbleiben der Schönheit“. Momentan arbeitet die Autorin an einem Kinder-Krebs-Buch.