Mundpropaganda - Das kulinarische Interview : Ich könnte immer nur Rote Bete essen

Jennifer Baum-Minkus, Erfinderin veganer Nagellacke, lebt verdammt gesund - und findet das ganz genüsslich

Fo: Sebastian Lemme / promo

Die Startup-Gründerin, 35, setzte eine kühne Idee um: vegane, wasserbasierte Nagelkosmetik ohne Lösungsmittel. Kein Lack, sondern Nagelfarbe. Als ihr Shop „Gitti“ Ende April online ging, war die erste Charge von mehr als 10 000 Produkten innerhalb von zwei Stunden ausverkauft. Ende November folgt die neue Kollektion mit neuen Farben. In ihrer Firma in Prenzlauer Berg beschäftigt sie mittlerweile ein sechsköpfiges Team von Mitarbeiterinnen.

 

Wie erklären Sie sich den Erfolg mit nur einem Produkt?

Die meisten Nagellacke auf dem Markt stehen in Verdacht, durch ihre chemischen Zusatzstoffe gefährlich für die Gesundheit zu sein. Mittlerweile ist wissenschaftlich bewiesen, dass diese Stoffe schon zwei Stunden nach Auftragen des Nagellacks im Urin nachweisbar sind. So schnell absorbieren Nägel und Nagelhaut Chemikalien. Und wir nehmen sie über den Atem auf; Nagellacke riechen ja streng. Deshalb setze ich auf Wasser als Basis statt petrochemischer Lösemittel. Unsere Farbe ist also auch nicht entzündlich und damit umweltfreundlich – und es werden keine tierischen Produkte benötigt. Das alles trifft offenbar den Nerv der Zeit. Aber wir stehen noch ganz am Anfang und optimieren weiter.

Stichwort vegan – folgen Sie dem Trend auch kulinarisch?

Ich liebe Obst und Gemüse, aber am allermeisten liebe ich Rote Bete. Ich könnte sie morgens, mittags, abends essen, allein schon der Farbe wegen. Ich gehe jeden Morgen beim Joggen in die „Juicery Berlin“ am Mauerpark und hole mir einen grünen oder roten langsam gepressten Saft.  Und ich habe einen großartigen Ehemann, der wahnsinnig gerne kocht – alles von Ottolenghi. Rote Bete mit Süßkartoffeln oder Kürbis. Ich bin auch Brokkoli-Fan. Vielleicht trage ich auch deswegen diese Frisur – als hätte ich einen Brokkoli auf dem Kopf.

Also doch Veganerin?

Nein, ich esse ab und zu sehr gerne ein Stück Fisch, aber ich esse kein Fleisch, keine Eier, keine Milchprodukte. Ich habe relativ viele Unverträglichkeiten.

Gehen Sie ausschließlich in vegetarische Restaurants?

Wir kochen meistens zu Hause. Aber wenn ich essen gehe, mag ich’s gerne unkompliziert. Ich bin ein Riesenfan des „Yafo“, dieses israelischen Restaurants. Da ist immer gute Stimmung, und kulinarisch orientieren die sich am „family style“: Große Schalen, die auf den Tisch kommen, und jeder nimmt sich was. Fine Dining ist nicht so meins. Was ich noch mag: die „Beuster Bar“ in Neukölln.

Frühstücken Sie auch mal außer Haus?

Gern im "My Goodness". Ich mache jeden Morgen Sport, und dort kann man tolle Smoothie-Bowls essen. Ich bin ein ganz früher Vogel und oft schon um 5.30 Uhr wach – zum Leidwesen meines Mannes, der ist Langschläfer…

Schneller Lunch schmeckt Ihnen im…?

Cát Tuòng, einem Vietnamesen, der auf jegliche Zusatzstoffe verzichtet.

Lieben Sie Süßes?

Eigentlich nicht. Allenfalls Bananenbrot, das backt mein Mann selber.

Einkaufen gehen Sie wo?

Im LPG-Markt in Prenzlauer Berg, auf dem Markt an der Kollwitzstraße und in der Markthalle IX. Da gibt’s tollen Tofu von den „Tofu-Tussis“. Den ess‘ ich am liebsten mit Sojasauce und Sesam.

Wenn Sie keinen Gemüsesaft trinken, gehen Sie wohin?

Wahnsinnig gerne ins „Nathanja und Heinrich“ in Neukölln. Am liebsten nehme ich da einen Wodka Tonic. Aber ich hab‘ auf einer Party auch mal einen Gin Tonic getrunken – mit Rote Bete-Stücken!

Adressen: Juicery Super Food, Eberswalder Str. 2, Prenzlauer Berg; Yafo, Gormannstr. 17 B, Mitte; Beuster Bar, Weserstr. 12, Neukölln; My Goodness, Brunnenstr. 24, Mitte; Cát Tuòng, Kastanienallee 89, Prenzlauer Berg; LPG-Bio-Markt, z.B. Kollwitzstr. 17, Prenzlauer Berg,; „Tofu Tussis“, in der Markthalle IX, Eisenbahnstr. 42/43, Kreuzberg, tgl. außer So und Mo; Nathanja und Heinrich, Weichselstr. 44, Neukölln

Dieser Beitrag ist auf den kulinarischen Seiten "Mehr Genuss" im Tagesspiegel erschienen – jeden Sonnabend in der Zeitung. Hier geht es zum E-Paper-Abo. Weitere Genuss-Themen finden Sie online auf unserer Themenseite.

 

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