Sieben Wochen Spargel essen

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Spargel als Streetfood : Der weiße Riese
Lydia Brakebusch
Die Liebe zum Spargel wächst und wächst.
Die Liebe zum Spargel wächst und wächst.Foto: Peter Steffen/dpa

Nur in wenigen Restaurants wird noch selbst geschält. „Gesäuberte, abgepackte Spargel sind kaum teurer als ungeschälte“, erzählt Stephan Hentschel vom Cookies Cream. Bei ihm gebe es Handarbeit. Aber abseits der gehobenen Küche habe man nur selten Kapazitäten dafür. Je nachdem, wie lange die Packung Spargel unterwegs ist, bedeutet das natürlich einen Frischeverlust.

„Bis Johanni nicht vergessen: Sieben Wochen Spargel essen.“ Bauernweisheit

Sieben Wochen lang nichts anderes essen als Spargel – eine herrliche Vorstellung. Zumal es bei all den möglichen Varianten der Zubereitung nicht langweilig wird. Als Stephan Hentschel vom Cookies Cream im letzten Jahr keine ausgefallene Idee für einen Spargel-Hauptgang kommen wollte, nahm er ein Dessert ins Programm: Spargelspitzen, eingelegt in Holundersaft, serviert mit Luftschokolade. Auch Spargeleis wird immer beliebter. Und süße Kombinationen aus Spargelmousse und Erdbeeren sind geradezu schon ein Klassiker.

Auf die Nerven gehen könnte einem nach sieben Wochen Spargelgenuss also höchstens eines: der Geruch beim Toilettengang. Die in den Stangen enthaltene Asparagusinsäure verleiht dem Urin seinen penetranten Geruch, denn wird sie im Körper verstoffwechselt, entstehen stinkende Schwefelverbindungen. Rund eine Hälfte der Bevölkerung aber kann geruchsneutral urinieren – ihr fehlt das zur Spaltung der Aspargusinsäure nötige Gen. Es wird dominant vererbt, ähnlich wie die Fähigkeit, die Zunge einzurollen.

„Kirschen rot, Spargel tot.“ Bauernweisheit

Ja, man kann Spargel einfrieren. Ja, es gibt auch Dosenspargel. Aber manchmal ist es einfach besser, die natürlichen Gegebenheiten zu akzeptieren. Der Spargel und wir – das ist wie eine gute Fernbeziehung: Die Trennung erhöht nur den Reiz, hält die Liebe jung. Sich der Sehnsucht hinzugeben, statt sich mit mittelmäßigen Alternativen kurze Befriedigung zu verschaffen, das ist das Geheimnis. Wir haben jetzt noch ein paar schöne Wochen vor uns. Dann heißt es: Abschied nehmen. Es ist ja kein Abschied für immer.

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