Trendgetränk : Wie geht's weiter mit Berliner Craft-Bier?

Craft-Bier ist auch nur Bier, wenngleich meist gutes. Aber seine Beliebtheit stößt an Grenzen. Die Aussichten.

Craft-Bier wie das IPA von Brewdog ist ziemlich beliebt in Berlin.
Craft-Bier wie das IPA von Brewdog ist ziemlich beliebt in Berlin.Foto: BrewDog/promo

DER HYPE UM DAS CRAFT BEER

hat in Deutschland allerhand bewegt. Er hat die qualitative Dürftigkeit unserer „Fernsehbiere“ deutlich gemacht, er hat gezeigt, wie fragwürdig und spießig das ewige Beharren auf dem Reinheitsgebot ist, und er hat eine ganze Reihe neuer, ja, Kneipen gezeugt, in denen Bier wieder mit der Sorgfalt behandelt wird, die es verdient. Andererseits sind auch die Grenzen des Konzepts deutlich geworden: Craft-Bier ist oft lächerlich teuer, es lässt sich wegen des häufig hohen Alkoholgehalts schlecht gegen den Durst trinken, und es ist als gehobener Essensbegleiter über ein ganzes Menü schlicht zu sättigend. Dass also gerade im Bierland Deutschland nichts in den Himmel wächst, haben jetzt ausgerechnet jene erfahren, die am lautesten für die Idee getrommelt haben: Stone Brewing mit seinem charismatischen Chef Greg Koch hat sich mit dem 2016 eröffneten Brauerei- und Gaststätten-Großprojekt verkalkuliert und zieht sich von dort ganz und gar zurück. Was ist passiert? Es kam einiges zusammen. Zum einen ist ein Riesenladen ohne vernünftige Verkehrsanbindung im szenefernen Mariendorf an sich riskant – darüber haben sich schon bei der Eröffnung viele gewundert. Zumal, wenn parallel eine andere Brauerei wie Brlo mitten in der City ein ähnliches Projekt eröffnet, damit cool und großstädtisch wirkt und die Konkurrenz mit ihrem gealterten kalifornischen Feelgood-Design auch stilistisch abhängt. Außerdem ist wohl der Plan der Stone-Leute nicht aufgegangen, von Mariendorf aus ganz Europa mit Bier zu beliefern, weil einfach die Nachfrage nicht da war, das gab offenbar den Ausschlag für die Entscheidung.

Wie geht es weiter? Der größte europäische Craft-Beer-Brauer, Brewdog aus Schottland, wird den Betrieb von Stone Anfang Mai übernehmen – eine Firma, die per Crowdfunding von rund 94 000 Aktionären getragen wird, weltweit 80 Bars betreibt und ihre Biere in 60 Länder schickt. Beide Unternehmen kooperieren schon seit mehr als zehn Jahren. Der Biertempel im alten Gaswerk wird zunächst geschlossen und in den folgenden zwei Monaten nach den Ideen der neuen Betreiber auf Vordermann gebracht. Die wollen nun auch das Auslastungsproblem der Brauerei dadurch mildern, dass sie Berliner Brauern einen kleinen Teil der Anlage, das Zehn-Hektoliter-Pilotsystem, uneingeschränkt zur Verfügung stellen – moderne Brautechnik, die nicht für die Erzeugung riesiger Mengen konzipiert ist. Auch dieses Bier muss aber von irgendwem getrunken werden, und so ist für den Sommer wohl mit einer Craft-Bier-Offensive in der Stadt zu rechnen. Ach ja: Stone bleibt präsent, wird in Mariendorf weiter Bier in seinem Namen brauen lassen und auch den „Tap Room“ in Prenzlauer Berg weiter betreiben.