Von Tisch zu Tisch : Black & White Istanbul

Neben der Schaubühne wird türkisch gekocht: Eine Empfehlung für alle, die ganz großen Appetit mitbringen.

Neben der Schaubühne am Lehniner Platz wird jetzt türkisch gekocht. Ein Besuch im "Black & White Istanbul" lohnt sich nicht nur nach dem Theaterbesuch.
Neben der Schaubühne am Lehniner Platz wird jetzt türkisch gekocht. Ein Besuch im "Black & White Istanbul" lohnt sich nicht nur...Foto: promo

Die Erinnerung ist immer noch lebendig – an jene Zeiten, als hier das „Ciao“ regelmäßig die Stars der nebenan gelegenen Schaubühne mit ihren glühendsten Fans bei italienischen Delikatessen vereinte. Später versuchte sich der Sohn des einstigen Besitzers mit einem Edelsteakhaus, aber sei es, dass die Blüte der teuren Fleischeslust überschritten ist, sei es, dass blutige Steaks nicht die perfekte Diät rund ums Theater sind – jetzt wird hier türkisch gekocht.

Die Küche ist halb offen einsehbar von den Logenplätzen mit Ku'dammblick. Der betont freundliche und auskunftsbereite Service fiel uns gleich angenehm auf. Der positive Eindruck setzte sich fort, als mit großer Geste und sichtlichem Stolz die Vorspeisen aufgetragen wurden, jeweils eine Kollektion warmer und kalter türkischer Hors d’Oeuvres für eine Person. Dazu gibt es frisch gebackenes, fluffiges Fladenbrot zum Auseinanderreißen. Das nimmt die ganze Tischbreite in Anspruch und ist zwar nicht sonderlich preiswert, auf jeden Fall aber sehr schmackhaft, jedenfalls nach einer notwendigen Abkühlungsphase (6,50 Euro). Nomadenkäse und Butter gehören zum „Kuvert“ und befinden sich hier auf einem eindrucksvollen Tablett voller viereckiger kleiner Schüsselchen mit kalten Vorspeisen.

Kalte und warme Vorspeisen überzeugen

Unter anderem Cacik gehört natürlich dazu, die türkische Antwort auf Tzatziki, dann Hummus in einer besonders luftig leichten, mit Sesamkörnern bestreuten Variante, ein mit Reis gefülltes Weinblatt, dicke weiße Bohnen in Tomatensauce, Auberginen klein geschnitten mit Paprika, Zucchini und Knoblauch, eine Käse-Joghurt-Creme mit Karotten und scharfe Raspeln von Ziegen- und Schafskäse, alles frisch und appetitlich wirkend (9,50 Euro). Die warmen Vorspeisen standen ihren kalten Geschwistern in nichts nach. Malerisch geschichtete gebratene Scheiben von Auberginen und Zucchini mit einer tiefroten, charaktervollen Tomatensauce ergänzten murmelkleine Hackbällchen, gebratene, mit Schafskäse gefüllte knusprige Blätterteigstangen und sehr gute gefüllte und panierte Artischockenherzen (9,50 Euro).

Die offene Küche zeigt, dass alles frisch zubereitet wird

Von dieser Kombination könnte man schon satt werden, zumal das heiße Brot zum verschärften Naschen verführt. Obwohl die Karte beängstigend lang ist, punkteten die Hauptgerichte ebenfalls mit guter Qualität. Der Vorzug der offenen Küche besteht ja auch darin, dass man sich überzeugen kann, wie alles frisch zubereitet wird. Dem Gemüseauflauf mit Tomaten und Sahnesauce hätte man vielleicht noch etwas mehr Pep in Gestalt irgendeiner interessanten Würzung gewünscht. Er war gut und nahrhaft, aber letztlich ein bisschen konventionell. Dazu gab es Salat, Rosmarin-Kartoffeln, grüne Bohnen, Reis und Blumenkohl, was dann fast ein wenig überdimensioniert wirkte. Portionen-Management ist in der modernen Küche ja auch darauf ausgerichtet, dass die Gäste drei Gänge probieren können, ohne vorzeitig in den Roll-Modus zu geraten (10,50 Euro).

Die Beilagen zum Hauptgericht eignen sich sehr gut zum Teilen

Ein Star-Essen ist zweifellos Yogurtlu Kuzu Sis, ein Lammspieß, der dankenswerterweise ohne mühsam zu entfernenden Spieß serviert wird. Auf einem Bett gerösteter Fladenbrotwürfel und schön kräftig gewürzter Tomatensauce mit Joghurt ringsum lagern propere, grillpikante Würfel Lammfleisch. Dazu gibt es Beilagen wie zum ersten Hauptgericht, hier zum Teilen auf jeweils einem Teller serviert (16,50 Euro).

Uff! Das ist alles gut und professionell gemacht, nur dass danach leider kein Dessert mehr rein passt, weder süße Baklava noch Milchreis noch Grießgebäck. Die Weinkarte enthält eine gute Auswahl türkischer Sorten, darunter einen herben 2014er Buzbag aus Marmara mit einem für mediterrane Weine eher ungewöhnlichen Anflug von Grapefruit, der gut zum schweren Mahl passt (18 Euro).

Der türkische Mokka wird in einer Silbertasse serviert, während im Hintergrund noch ein Feuer im künstlichen Kamin an der Wand flackert. Das wird bald erlöschen oder gegen einen sprudelnden Bach ausgetauscht. Das Restaurant kann, wie es ist, bleiben. Am Wohlfühlfaktor muss sich nichts ändern.

Black & White Istanbul, Kurfürstendamm 156, Wilmersdorf, Tel. 89 00 68 47, täglich 11.30 bis 24 Uhr, Website

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