Von Tisch zu Tisch - die Restaurantkritik : Brez'n und Brathendl unterm Hirschgeweih

Ein bayrisches Wirtshaus mit Biergarten, gemütlicher Stub’n und deftig-üppigen Gerichten. Zünftig – und richtig gut.

Hopfengirlanden, Hirschgeweih, Kaminholzstapel. Freunde der alpenländischen Küche müssen im "Maria & Josef" auf nichts verzichten.
Hopfengirlanden, Hirschgeweih, Kaminholzstapel. Freunde der alpenländischen Küche müssen im "Maria & Josef" auf nichts verzichten.Foto: promo

Verkehrsgünstiger kann ein Biergarten nicht liegen. Auch Ausflügler aus ferneren Bezirken, die sich im endenden langen Sommer mit der S-Bahn bis Lichterfelde-West vorgetraut haben, konnten die Lichtergirlanden schon bei der Anfahrt entdecken. Vom Bahnhof kommend, fällt man gewissermaßen hinein in das Lokal, das auch innen ganz hübsch gestaltet ist. Unter Hopfengirlanden und Hirschgeweih sitzt man am Rande eines Kaminholzstapels und eines hölzernen Weinschranks ganz gemütlich in bayerischer Wirtshaus-Atmosphäre.

Nach einer etwas pampigen Begrüßung wurden wir mit steigendem Konsum immer besser behandelt, zumal auch einige nette junge Frauen im Einsatz waren. Typisches Berlin-Erlebnis, mit dem man Newcomer verschrecken kann, aber natürlich keine alten Hasen: Ich hatte gefragt, in welchem Draußen-Bereich man nach Karte essen könne, worauf der Kellner antwortete, ich könne auch die Karte essen.

Es gibt "g'scheitn" Wein

Dass das „Maria & Josef“ in die Kategorie der gehobenen Gasthäuser einzuordnen ist, verrät ein Blick auf die Weinkarte, die ausführlicher ist, als in diesem Segment zu erwarten. Der Ausdruck „Weingarten“ passt nur gar nicht zur deftigen bayrischen Küche. Der „Lugano“ vom Weingut der Familie Montresor aus dem Veneto war, von der versprochenen „expressiven Finesse“ und einigen Auszeichnungen, die er bereits gewonnen hat, mal abgesehen, ein leichter und beschwingter Begleiter zu einem eher schweren, rasch sättigenden Mahl (24,50 Euro).

Zum Vorspeisen-Trio passte eine Brez’n als viertes Element. Auf einem schmalen Porzellantablett thronte eine üppige frische Radi-Spirale, links davon drei Speckpflaumen, etwas trocken, rechts davon in appetitlichem Orange eine recht mild schmeckende Kugel Obatzda mit roten Zwiebeln und Radieschen. Das sah hübsch aus und war auch nicht überdosiert (7,50 Euro). Die klare Pfifferlingssuppe hielt mehr als die mit Tomaten-Kräuterflädle. Pfifferlinge mal ohne den ewigen Rahm anzubieten, ist in der Tat eine gute Idee (6,50 Euro).

Auch Vegetarier werden hier gut versorgt

Dies ist ein guter Ort, eine Schweinshax’n aus dem Rohr zu essen. Die war mächtig, mit krosser Haut, etwas für gestandene Menschen mit kräftigen Kauwerkzeugen, aber ganz lecker. Dazu gab es sehr hübsch marmorierte Semmelknödelscheiben, eine starke dunkle Bockbiersauce und gut gegartes Sauerkraut (16,90 Euro). Die Haut schafft man (hoffentlich) nicht ganz, aber es lohnt sich, sie zu probieren. In der Haxe steckte – passender Macho-Charme – ein Messer.

Vegetarier müssen hier nicht darben. Zwischen den Maultaschen in schwarzem Oliven-Pesto mit Pinienkernen und Rucola fand sich noch zusätzliches Gemüse. Die Kombination erwies sich als pikanter Sattmacher der Extraklasse, weshalb der Ober im Holzfällerhemd auch von sich aus anbot, den Rest für zu Hause einzupacken und kurz darauf mit einem professionell gepackten silbernen Doggie-Bag zurückkam (11,90 Euro)
Mit am besten gefiel mir das Dessert: drei Kugeln Vanilleeis mit viel Sahne, drüber jede Menge knuspriger Kürbiskerne. Und durch die Sahnetürmchen bahnten sich dunkle Fäden steierischen Kürbiskernöls den Weg. Weiße Schokolade, Johannis- und Himbeeren rundeten die Süßspeise (6,90 Euro) ab, die leider keinen Platz mehr ließ für die Erkundung des ebenfalls interessant klingenden Schokoladen-Kaiserschmarrns.

Die Hauptgänge sind wohl alle für den großen winterlichen Hunger entworfen, der Burger vom Jungbullen mit Süßkartoffelpommes und das Backhendl am Nachbartisch sahen jedenfalls auch verlockend und respektabel aus. Offenbar gibt man sich hier Mühe beim Design der Rezepte. Ein schlüssiges Konzept, das vielen Geschmäckern gefallen wird.

Maria & Josef, Hans-Sachs-Str. 5, Lichterfelde, Telefon 75 63 31 02, täglich ab 12 Uhr, mariaundjosef.com

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