Von TISCH zu TISCH - Die Restaurantkritik : Pappa e Ciccia

Hier ist alles Bio – ein besonderes italienisches Restaurant mit hervorragender Küche und kleinen Eigenheiten im Service.

Schickes Design, lebendige Atmosphäre, gut gemachte italienische Spezialitäten aus Bio-Produkten: Pappa e Ciccia in Prenzlauer Berg
Schickes Design, lebendige Atmosphäre, gut gemachte italienische Spezialitäten aus Bio-Produkten: Pappa e Ciccia in Prenzlauer...Foto: Pappa e Ciccia / promo

Manchmal verderben nicht die viele Köche den Brei, sondern ein unfreundlich wirkender Service. Vielleicht kommt es mir nur so vor, aber Restaurants in touristisch verwöhnten Gegenden scheinen vergleichsweise anfällig dafür zu sein.

Showküche, Kunst an den Wänden und Bio-Produkte

Als wir das vielfach empfohlene „Pappa e Ciccia“ betraten, waren etwa fünf größere Tische frei, der Service bestand dennoch darauf, dass wir in einer Reihe mit anderen Gästen an einem Zweiertisch Platz nahmen. Ein kleines bisschen grummelnd schauten wir uns also um: offene Showküche, Kunst an den Wänden, hölzerne Tische und Stühle, blaue Papierservietten. Zum kalten Crémant von Stentz, den sie hier als gute, wenngleich teure Alternative zum Prosecco anbieten (8,50 Euro), gab es Brot und grüne Oliven. Ein italienisches Bio-Restaurant, so nennt es sich selber, passt gut in die Prenzlauer-Berg-Landschaft.

Die vegane Caponata heißt hier „sizilianischer Auberginensalat“, was vermutlich erklären soll, dass sie in der Vorspeisenvariante kalt ist. Sie war akkurat zu einem Würfel geschichtet und schmeckte ziemlich gut, aber wärmer hätten wir sie noch besser gefunden (9 Euro). Denn ein bisschen Temperatur ist dem Geschmack von Auberginen einfach bekömmlicher. Schön originell war die Burrata, inszeniert mit einer von der Konsistenz körnigen Girlande aus Sellerie, Apfel und Buchweizen. Dazu gab es noch einzelne Apfelscheiben. So einen kreativen Umgang mit den altvertrauten Klassikern würde ich mir häufiger wünschen, wenngleich die cremige Burrata selber für eine Vorspeise vielleicht ein bisschen üppig portioniert war. Aber das ist natürlich ein Luxusproblem (9 Euro).

Gut gemachte Pasta und Wildgerichte
Zwei Angebote des Tages standen nicht auf der relativ kleinen Standardkarte; dass wir sie bestellten, bereuten wir später nicht, ganz im Gegenteil. Sehr gut gefielen uns die „Spaghetti Nerano“, daruntergemischt waren reichlich mit Parmesan und Minze gebackene Zucchini. Das schmeckte einfach wunderbar, war weder trocken noch mächtig, kurz: ein Genuss (13 Euro). Das frische Reh hatte die Kellnerin uns mit blumigen Worten angepriesen. Es gab zwei superzarte, wirklich gut gewürzte Stücke vom Rücken mit kräftigem, separat serviertem Jus. In Kontrast dazu standen die ziemlich bissfesten Schwarzwurzeln, der teils entblätterte Rosenkohl dazu war von leuchtend grüner Farbe und feinem Eigengeschmack – ein Gericht, das so pittoresk wie stimmig war (25 Euro).

Auch bei den Desserts kommt keine Langeweile auf
Auch beim Dessert stellten die Köche ihre Kreativität unter Beweis. Es gab ein warmes Schokoladentörtchen mit flüssigem Kern, dazu Vanilleeis mit Olivenöl und grobem Meersalz, eine moderne Köstlichkeit (8 Euro). Langeweile kommt also nicht auf, jedenfalls nicht auf der Zunge. Gerade Italiener halten ja oft an ihren altvertrauten Erfolgsrezepten fest. Neuinterpretationen, wie wir sie hier erlebten, wünscht man sich häufiger. Von der kleinen Weinkarte hatten wir uns einen leichten sizilianischen Weißwein ausgesucht, einen 2018er Inzolia Sahrade Terre Siciliane (26 Euro).
Um noch einmal auf das Platzierungsproblem zu kommen: Dass am Ende unseres Restaurantbesuchs die Vierertische noch frei waren, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung. Vielleicht wollte man mit der dicht gedrängten Sitzordnung dem Service das Leben leichter machen und ihm kurze Wege bescheren. Das ist einerseits verständlich. Trotzdem finde ich es beklagenswert, wenn in einem guten Restaurant nicht Wünsche und Wohl der Gäste im Vordergrund stehen. Da kann es noch so gut schmecken, ein Nachgeschmack bleibt.

Pappa e Ciccia, Schwedter Str. 18, Prenzlauer Berg, Tel. 61 62 08 01, geöffnet Mo–So ab 18 Uhr

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