Von Tisch zu Tisch : Ilsebill

Vegan, vegetarisch und Fleischküche: Dieses Restaurant kann alles – und das auch noch richtig gut. Ein Gewinn!

Freundlich und offen. Das Restaurant "Ilsebill" in Prenzlauer Berg macht aus seiner vegan-vegetarisch ausgerichteten Küche kein Dogma. Fleisch und Fisch werden auf Wunsch als Beilagen serviert.
Freundlich und offen. Das Restaurant "Ilsebill" in Prenzlauer Berg macht aus seiner vegan-vegetarisch ausgerichteten Küche kein...Foto: promo

Das Eckrestaurant gegenüber dem Prater ist ausgesprochen hübsch gestaltet, der Name leuchtet pink als Neon-Schriftzug an der Backsteinwand. Bar und Küche sind luftig abgeteilt durch eine Fensterwand, dazu schöne Lampen, geblümte Tapeten, ein markant gefliester Boden und raumhohe Glastüren. Man sitzt auf Bänken an netten Holztischen oder auf Klassenzimmer-Stühlen an Dreiertischen. Bunte Nippes-Deko lässt das Ganze wohnlich wirken, aber keineswegs überladen. Vieles hebt sich hier ab vom üblichen Prenzlauer-Berg-Einerlei.

Die freundliche, sehr engagierte Gastgeberin gehört definitiv dazu. Den angenehm perlenden Rosé-Sekt von Fritz Müller, den man als offenen Aperitif nur selten auf Restaurantkarten findet, serviert sie prompt und eiskalt. Und als sie später den Wein im Kühler bringt, fragt sie gleich, ob sie ihn vorsichtshalber noch einmal mitnehmen und kaltstellen soll, bis die Vorspeisen kommen. Nicht nötig, der 2017er Grüne Veltliner "Weinzurl" von Aigner hatte schon die perfekte Temperatur und erwies sich als frischer und erstaunlich weicher Begleiter (17,40 Euro).

Fleisch und Fisch können als Beilagen bestellt werden

Die einzelnen Gänge lassen sich nach Belieben und Geschmack zu einem Drei-Gänge-Menü kombinieren (24,50 Euro). Die Küche ist vegan bis vegetarisch. Als Beilagen kann man extra dazu Fleisch oder Fisch bestellen – ein Modell mit Zukunft. Eine Etüde in Weiß kombinierte exzellenten Büffelmozzarella mit Chicorée und gegrilltem Pfirsich. Das klingt farblich zunächst eintöniger, als es dann schmeckte, die zarte Bitterkeit des Chicorées addierte einen aparten Stich zum sahnigen Luxus des Mozzarellas, und der warme, süßsaure Pfirsich rundete das Geschmackserlebnis ab. Zudem war der Gang mit Wildkräutern und Balsamicodressing ausgesprochen pittoresk angerichtet.

Gekonntes Spiel mit ungewöhnlichen Kombinationen

Der gute Eindruck setzte sich bei der zweiten Vorspeise fort: einem cremigen, mildscharfen Küchlein Avocado-Rettich-Tatar unter einer üppigen Girlande von festen kleinen schwarzen Bohnen, die als Salsa darübergegossen waren. Die bewusst eingesetzten Kontraste von scharf und mild, von cremig und knackig lassen auf höhere Ambitionen schließen. Das Spiel mit den ungewöhnlichen Kombinationen wirkte jedenfalls gekonnt.
Auch die Hauptgänge waren ein Plädoyer für vegetarische Kreativität und malerisch angerichtet wie moderne Speisen-Stillleben. Gelbe Bete und Blumenkohl, dramatisch kombiniert mit Herzblatt-Kraut, Fenchelcreme und Pernod-Schaum: sah wunderschön aus und enthielt wieder alle Elemente zwischen bissfest und zungenzahm.

Die Küche hinterlässt einen makellosen Eindruck

Noch besser gefiel mir das Türmchen von Bärlauchcreme, geschmolzenem Ziegenkäse und Avocado: Das war würzig und weich und stand in apartem Kontrast zur Festigkeit des gegrillten grünen Spargels. Feine Rettich-Girlanden verliehen den Menüs sozusagen den roten, pardon, weißen Faden der Kontinuität. Die mit Kräutern gegrillten Garnelenspieße – eine Beilage – waren an diesem Abend leider schon nicht mehr zu haben. Die märkischen Ferkelfilets im Speckmantel dagegen waren noch da und in Maßen zart, auf jeden Fall kräftig im Geschmack und also auch geeignet, die Fleischeslust der Vegetarier-Begleiter angemessen zu stillen (6,50 Euro).
Bei den Desserts setzte sich der makellose Eindruck, den die Küche hier hinterlässt, fort. Der Schokoladenkuchen hatte die Form eines Muffins und einen halbflüssigen schokoladigen Inhalt. Vanilleeis passte statt Sahne bestens dazu. Der kleine Käseteller war erstaunlich gut gefüllt mit vier verschiedenen Sorten zwischen hart und gelb und weiß und zerfließend. Dazu gab es Feigensenf und Radieschen-Hälften.

Was mich schließlich endgültig für dieses Lokal eingenommen hat: Auf der Rechnung stand nicht das allgegenwärtige, immer etwas unverschämt wirkende, Trinkgeld heischende "Tip is not included", sondern "Danke für Ihren Besuch!" Da kommt man doch gerne wieder. Aber natürlich auch ganz generell.

Ilsebill, Kastanienallee 100, Prenzlauer Berg, Tel. 51 73 37 44, geöffnet Di–Sa ab 11 Uhr, restaurant-ilsebill.de

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