Von TISCH zu TISCH : Season

Bio und nachhaltig, „hygge“ und gut: das Restaurant im brandneuen Hotel der dänischen Gruppe Guldsmeden

Nordisch schick: das Restaurant "Season" im neu eröffneten Hotel Guldsmeden.
Nordisch schick: das Restaurant "Season" im neu eröffneten Hotel Guldsmeden.Foto: Guldsmeden / promo

Hygge“ ist ein neues Trendwort, eine dänische Antwort auf die deutsche Gemütlichkeit. Was die dänische Gruppe Guldsmeden aus dem lange vor sich hin staubenden Hotel Alt-Berlin gemacht hat, ist sowohl trendig als auch gemütlich, ist, obwohl noch frisch und neu am Markt, schick mit Patina. Im Restaurant „Season“ verbreiten groß dimensionierte Lampen vor gekachelten Wänden sanftes, gelbes Licht und über der Tür sichert ein Rehbock das Terrain. Vom alten Charakter der Potsdamer Straße erzählt noch die grelle Leuchtreklame des Striptease-Clubs „Golden Dolls“ gegenüber, die durchs Fenster auf all die neue dänische Designkunst scheint.

Nordic Cuisine

Es gibt einen großen Bartresen, der im nächsten Raum fast nahtlos in die Rezeption übergeht. Der einzige Kellner sieht auch sehr trendig aus, spricht, wie das inzwischen fast üblich ist, nur englisch und das sehr leise, gleicht dafür eine spürbare Unsicherheit aber mit einer Extraportion Freundlichkeit aus. Zwei Stunden Schulung bei einem gelernten Kollegen, um herauszufinden, wie man Besteck deckt und Wein kredenzt, würden aber vermutlich helfen. Das Restaurant mit Ausrichtung „Nordic Cuisine“ befindet sich in einem Bio-Hotel. Dass die Linie nach regionalen und saisonalen Produkten verlangt, versteht sich da fast von selbst.

Prima Gemüse

Serviert werden die optisch sehr ansprechend gestalteten Speisen in mittelgroßen Schalen. Blumenkohl lagert in verschiedenen Konsistenzen in Buttermilch, in feinen Scheiben geröstet, als Röschen gekocht, teils weiß, teils mit grünem Öl verfeinert. Gerade an einem solchen einfachen Gemüse lässt sich das Kreativpotenzial einer Küche gut ablesen (11 Euro). Die läuft Kür bei „Bygotto“, einer dänischen Interpretation des italienischen Risotto, teils cremig mit schönem rundem Käsegeschmack, teils knackig mit Buchweizen und gebratenen Zwiebeln. Malerisch darüber verteilte Kresse machte das Ganze noch appetitlicher (12 Euro).

Hitverdächtiger Kabeljau

Rindertatar wird mehr und mehr zu einem Trendgericht, an dem man kaum noch vorbeikommt. Hier ist es erfrischend angemacht mit Senf und geröstetem Roggen, damit das Spiel mit den Konsistenzen zwischen den Zähnen auch spürbar wird. Spektakulär ist die Endlos-Girlande aus Rote Bete, die aus der Fleischportion ein kleines Kunstwerk macht. Auch ein optischer Genuss. (15 Euro). Absoluter Hit war der Kabeljau: fester, frischer, saftiger Fisch in einer dünnen, guten Panade. Die geschmorten Lauchzwiebeln und Dillzweige, die unter warme Blattsalate gemischt waren, brachten eine deftige Note hinein. Dazu gab es zwei hauchdünne geröstete Scheiben Graubrot (17 Euro). Eine gute kleine Auswahl an Weinen ergänzt das Speisenprogramm mit schmeckbarer Intelligenz. Der Vernaccia di San Gimignano ist zwar falsch geschrieben auf der Karte, aber im Vergleich zu Alkoholpreisen in Dänemark mit 27 Euro nicht allzu streng kalkuliert.

Deutscher Käse

Als wir wissen wollten, aus welchen dänischen Regionen die Käsesorten stammten, war der Kellner überfragt und schickte uns den Koch vorbei. Der erklärte nochmals ausführlich das Konzept der Regionalität. Um es kurz zu machen: Der Käse kommt von einem deutschen Hof in der Nähe von Husum mit dem dänischen Namen Backensholz, was „hinterm Wald“ bedeutet. Insgesamt gibt es vier Sorten, darunter einen ausgezeichneten Blauschimmelkäse und einen wunderbar cremigen Camembert-Typ. Knusprig gebackenes, goldbraunes Roggenbrot und Quittengelee ergänzen die exquisite Auswahl (9 Euro).

Die Speisekarte wiegt schwer in diesem Haus, denn das Papier ist auf dicke Holzbretter geklemmt. Die wiederum dienen als Zeugen dafür, wie ernst die Dänen den Gedanken der Nachhaltigkeit nehmen. Gefertigt sind sie aus recyceltem Holz aus der Hotelrenovierung. Mit dem Sünderblick auf das laszive Puppenhaus gegenüber kann man hier also wirklich allerbesten Gewissens essen. Auch mittags, da gibt‘s Smörrebröd.

- „Season“ im Hotel Guldsmeden. Potsdamer Straße 68, Tiergarten, Tel. 0172-7194895, Abendessen 18 - 22 Uhr