Von Tisch zu Tisch : The Meat

Ein „Erlebnis-Restaurant“ mit edel-rustikalem Interieur, Grills an jedem Tisch – und einem bemerkenswerten Service.

Wie auf der Ranch. Das Restaurant "The Meat" in Charlottenburg.
Wie auf der Ranch. Das Restaurant "The Meat" in Charlottenburg.Foto: promo

Von außen funkelt das "Erlebnis-Restaurant" einladend in erdig warmen Tönen – wie eine Naturlandschaft im Sonnenuntergang. Das Ecklokal ist umgeben von gediegenen Holzensembles, auf denen man auch draußen bequem sitzen kann. Innen dominiert ebenfalls warmes Holz. Unter einer gläsernen Abdeckplatte ist jeweils ein kleiner Grill in die Tische eingelassen. Die Speisekarte befindet sich auf einem Tablet. Das Erlebnis besteht unter anderem darin, dass man hier selber brutzeln kann.

Dass die Betreiber stolz sind auf ihr besonderes Restaurant, spürt man gleich. So hübsch und teuer ist der Raum gestaltet, mit allerlei coolen Sprüchen an der Wand und beruhigend vielen Flaschen auf den eingebauten Regalen. Nur, warum verdichtet sich im Laufe des Abends der Eindruck, dass ihnen ihr Schmuckstück im Grunde wichtiger ist als die Gäste? Dass da mitten im Restaurant ein offenbar wichtiger Mensch mit aufgeklapptem Aktenordner vor sich Büroarbeiten erledigt und immer wieder Kellner mit Beschlag belegt und von den Gästen ablenkt, wirkt eher befremdlich und zudem ein kleines bisschen unangenehm wichtigtuerisch.

Auf dem Tischgrill brutzelt der Gast selbst

Man kann sich das Mahl rund um die zu grillenden Fleischbrocken selber zusammenstellen aus Vorspeisen, Salaten und Beilagen. Es dauerte ein Weilchen, bis es uns gelang, die Aufmerksamkeit des Personals zu erlangen, obwohl reichlich Kellner im Einsatz sind. Der Barkeeper putzte Gläser mit Inbrunst, der Mann mit dem Aktenordner stolzierte mal ein wenig hin und her, die restlichen Kellner machten sich irgendwie anders zu schaffen. Am Ende nahm uns doch noch jemand wahr. Ob wir alles auf einmal wollten oder nach und nach? "Nach und nach", wünschten wir uns – mit dem Effekt, dass Vorspeisen, Salate und Brot kurze Zeit später zeitgleich aufgetischt wurden. Unaufgefordert hatte ich mir vorab die Fleischvorräte in der Vitrine angeschaut und bekam immerhin die freundliche Auskunft, das vier bis sechs Würfel in etwa 100 Gramm vom Lamm oder vom Maishühnchen ergäben. Zu zweit teilten wir uns am Ende 300 Gramm Fleisch (29,10 Euro). Gut, dass man das so dosieren kann.

Käse wie aus der Kühltheke eines Supermarktes

Die mit Käse gefüllten Artischockenherzen schmeckten wie aus dem Glas gepflückt, der Käse ohne bemerkenswerte Geschmackseigenheiten. Sowas würde man in der Kühltheke eines Supermarkts vermuten, aber nicht in einem so attraktiven Restaurant (5,90 Euro). Beim Griechischen Bauernsalat fehlte der versprochene Schafskäse zunächst komplett. Der Kellner zog mit der Schüssel von dannen, um Minuten später wieder zu erscheinen. "Hatten sie vergessen." Das Dressing? Ganz okay (6,50 Euro). Das gilt auch für den Bergsalat mit knackigen Granatapfelkernen und Walnüssen (6,50 Euro). Dazu gab es drei kalte Fladen weiches Brot. Das Fleisch kann man mit allerlei mediterranen Vorspeisen kombinieren, das Tzatziki war in Ordnung, nur etwas zu viel Öl drüber (5, 90 Euro). Das Fleisch war genial mariniert, jeder Würfel, den wir auf den Grill schoben, verwandelte sich artig in ein ganz zartes Häppchen. Der Grillrost wurde während des Mahls sogar mal ausgetauscht.

Zum Finale eine Showeinlage mit Trockeneis-Wölkchen

Gut war der Nachtisch: Im Ofen gebackenes, warmes Helva, eine zähflüssige, süße, warme Masse. Irgendwann sagte die einzige Kellnerin unter lauter Männer resolut: "So, jetzt lassen Sie mal das Video laufen" und hantierte mit einem Kupferkännchen herum. Offenbar befand sich Trockeneis darin, das sie im Nu verwandelte in weißen Rauch, der in vielen kleinen Wölkchen über den Tisch waberte. "Ihr Erlebnis!", vermeldete sie.
Die Weinkarte ist erlebnisreich, mit vielen, teils erstaunlich teuren türkischen Weinen. Wir folgten der Empfehlung, den anatolischen Kalecik Karasi zu probieren, einen anatolischen Wein, der in seiner leichten Anmut wirklich sehr gut war (32 Euro).
Fazit: Schulungen fürs Personal könnten nicht schaden. Wäre doch schade, wenn der schicke Interior-Mix aus Holzfällerromantik und Hightech von den Gästen nicht ausreichend angenommen würde.

The Meat, Damaschkestraße 17, Charlottenburg, Tel. 0800 843 63 28, täglich Mo-Sa ab 16 Uhr, So ab 15 Uhr

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