Zukunft der Landwirtschaft : Wir entscheiden!

Während heute die Agrarminister hinter verschlossenen Türen tagen, wird am Brandenburger Tor demonstriert und auf dem Messegelände bei der „Grünen Woche“ Allerlei präsentiert und probiert.

Die Zukunft der Landwirtschaft liegt in Händen der Konsumenten
Die Zukunft der Landwirtschaft liegt in Händen der KonsumentenFotos: Wir haben es satt/promo

Die drängenden Fragen unserer Zeit werden nicht nur in Parlamenten und Führungsetagen verhandelt, rund dreimal täglich entscheiden wir, was wir essen. Das sind, für sich betrachtet, kleine Rädchen, aber es sind viele, und wie wir sie drehen, bestimmt unsere Zukunft.

Am Samstag wird für eine Agrarwende demonstriert

Die Organisatoren der inzwischen zehnten „Wir haben es satt!“-Demo vermelden in diesem Jahr, Essen sei politisch. Das erscheint stimmig und ist eingängiger als das, was zwei Generationen zuvor proklamiert haben, blieb das „Private“ doch immer etwas schwammig. Auftakt der Demo ist wieder um 12 Uhr am Brandenburger Tor, wo der Rundgang um 12.30 Uhr mit Töpfeschlagen und Treckerpatenschaften für eine kleinbäuerliche Landwirtschaft startet und um 14.30 Uhr wieder mit Reden und Musik endet. Weiter geht es danach in der Heinrich-Böll-Stiftung bei der Infoveranstaltung „Soup & Talk“.
Der sich seiner selbst bewusste Verbraucher ist dieses Jahr auch Thema auf der Grünen Woche. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft kommt in Halle 23 zu einem ähnlichen Ergebnis wie die töpfeschlagenden Aktivisten am Brandenburger Tor und erklärt ungewohnt bürgernah: „Du entscheidest!“

Nachhaltige Landwirtschaft ist auch Thema auf der Grünen Woche
Und um dem Thema Nachhaltigkeit mehr Gewicht und Raum zu geben, steht dieses Jahr zum ersten Mal die Mehrzweckhalle auf dem südwestlichen Teil des Berliner Messegeländes an der Jafféstraße zur Verfügung, wo Aussteller Themen wie „Nachwachsende Rohstoffe“, „Bioökonomie“ und „Ökologischer Landbau“ beackern.
Unweit davon entfernt treffen sich derweil Agrarminister, Lobbyisten, Experten und Junglandwirte im City Cube zum „Global Forum for Food and Agriculture“. Ihr Thema: „Nahrung für alle! Handel für eine sichere, vielfältige und nachhaltige Ernährung“.

Allen gemein scheint die Erkenntnis, dass sich etwas ändern muss. Nur wobei, wann und wie liegen Politik, Industrie, Bauernverband und Aktivisten weit auseinander? Die reine Vernunft scheint nicht immer die stärkste Kraft, Interessen, Ängste, Ideologie und Kommerz, dazu viel Nichtwissen und Nicht-wissen-Wollen bestimmen den Diskurs, der eigentlich keiner ist, weil sich unter Gleichgesinnten angenehmer diskutieren lässt. Aber wie soll man nun die richtige Entscheidung treffen: beim Frühstück, beim Mittagessen oder bei der Stulle am Abend? Der erste Schritt wäre, dem anderen zuzuhören. Gelegenheit dazu gibt es gerade genug.

Wir haben es satt“-Demo ab 12 Uhr, Brandenburger Tor, Tiergarten
Soup & Talk“ ab 15.30 Uhr, Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstr. 8, Mitte
Grüne Woche noch bis 26. Januar, Messegelände unterm Funkturm, Westend

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