Gesundheit : Hürdenlauf nach Bologna

Jan Oberländer

Es ist windig auf der Wiese vor dem Reichstag. Acht Studenten bilden ein Spalier, je zwei halten einen Streifen flatterndes Absperrband. „Studiengebühren“ steht auf den Schildern, die sie sich an den Rücken geklebt haben, „Kinder“ und „Visa?“. Ein Hindernisparcours. Aus der Gruppe, die die Szene umringt, löst sich ein junger Mann im schwarzen Zwirn. Vier dynamische Hüpfer, schon sind die Hürden überwunden, nicht mal die Krawatte ist verrutscht.

Die Teilnehmer der „European Students Convention“ (ESC) wollen mit ihrer Aktion auf die Zugangshürden zum europäischen Hochschulsystem aufmerksam machen. Drei Tage lang haben 140 Studierende aus 38 europäischen Ländern in Berlin getagt, um für die im Mai in London stattfindende Bologna-Folgekonferenz der Europäischen Bildungsminister einen Vorschlagskatalog zu formulieren. Schließlich ist eine Grundforderung der ESC, die Studierenden als gleichberechtigte Dialogpartner in die demokratischen Entscheidungsprozesse einzubinden.

In der „Berliner Erklärung“, dem Abschlussdokument der Tagung, begrüßt die ESC zwar ausdrücklich die Ziele des Bologna-Prozesses zur Schaffung eines europäischen Hochschulraums. Allerdings existierten auf dem Weg zu diesen Zielen noch viele Hindernisse, so der Amsterdamer Politikstudent Koen Geven, Vorsitzender der ESIB, des Dachverbands der europäischen Studierendenschaften. In den Bereichen Chancengleichheit, Mobilität, Anerkennung von Studienleistungen und Qualitätssicherung bestehe weiterhin Verbesserungsbedarf. Zudem betont die Erklärung die Notwendigkeit von genauen Datenerhebungen als Grundlage zukünftiger Diskussionen.

Die Studierenden fordern die EU-Bildungsminister auf, durch eine vereinfachte Visa- und Statuspolitik die freie Wahl des Studienorts für alle Studenten zu ermöglichen. Auch Fremdenfeindlichkeit werde in diesem Kontext zunehmend zum Problem. Mobilität könne es nur in einer „offenen und toleranten Gesellschaft“ geben, „nicht in einer Festung Europa“. Außerdem fordert die ESC verstärktes politisches Engagement zur Herstellung gleicher Zugangschancen zum Hochschulsystem. Damit ist nicht nur die Situation etwa von studierenden Eltern gemeint, sondern insbesondere auch das Problem der Finanzierung. Die Einführung von Studiengebühren und die Umwandlung von finanziellen Förderungen in Darlehen lehnt die ESC ab. Entschieden wehrt sich Geven dagegen, Universitäten als „private Firmen“ zu sehen, die „Bildung an eine begrenzte Gruppe verkaufen“. Bildung sei ein allgemeines Gut und unverzichtbar für jede Demokratie.

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