Gesundheit : Klimaforscher warnen vor Alarmismus Der Golfstrom hat sich nicht abgeschwächt

Markus Hesselmann

Britische Wissenschaftler kritisieren Panikmache in der Klimadebatte und beklagen die „Hollywoodisierung“ eines wichtigen Themas. Bei einer Konferenz in Oxford am Wochenende warnten Chris Collier und Paul Hardaker von der Royal Meteorological Society vor übertriebenen Umweltprognosen. „Ich habe keinen Zweifel an der globalen Erwärmung“, sagte Collier dem Rundfunksender BBC. Alarmismus gefährde aber die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Problem.

Die britischen Wissenschaftler ziehen auch nicht in Zweifel, dass der Mensch zur globalen Erwärmung beiträgt. „Es gibt aber keinen Beweis, dass wir kurzfristige katastrophale Folgen zu befürchten hätten“, sagte Hardaker. Die Öffentlichkeit werde verwirrt, nicht haltbare Prognosen setzten die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft aufs Spiel. Collier und Hardaker fürchten zudem, dass unbewiesene Behauptungen es den Gegnern der Klimawandelthese leicht machten, das gesamte Problem zu verleugnen. Als Beispiel für Übertreibungen nennen die beiden Forscher das Szenario, nach dem der Golfstrom abkühlen und eine neue Eiszeit auslösen könnte. Diesem unwahrscheinlichen Ereignis werde zu viel Gewicht gegeben.

Wie gerufen kommt den britischen Wissenschaftlern eine Meldung aus Deutschland: Kieler Wissenschaftler haben bei Langzeitmessungen keine Abschwächungstendenzen entdecken können. „Nahezu alle Klimamodelle zeigen, dass sich der Golfstrom in Zukunft abschwächen wird, und einige unserer ausländischen Kollegen meinten, erste Anzeichen dafür in Messdaten erkennen zu können“, sagte Claus Böning vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften. „Dies konnte aber in den von uns durchgeführten Langzeitbeobachtungen nicht bestätigt werden.“

Unlängst hatte der amerikanische Geologe Don Easterbrook Übertreibungen beim Thema Klima kritisiert. Wie berichtet, hatte der Wissenschaftler dem früheren US-Vizepräsidenten Al Gore vorgeworfen, in seinem Dokumentarfilm „Eine unbequeme Wahrheit“ Ungenauigkeiten zu verbreiten. Al Gore hat inzwischen dazu Stellung genommen: „Der wissenschaftliche Konsens über die globale Erwärmung war nie stärker als jetzt“, schrieb Gore laut der britischen Sonntagszeitung „Observer“ zu der Kritik. „Ich versuche, das Wesentliche davon zu vermitteln, in der Laiensprache, die ich verstehe.“