Gesundheit : Pädagogen aller Länder

1500 Lehrer beraten in Berlin über Bildung weltweit

Jan Oberländer

„Pädagoginnen und Pädagogen der Welt zu Gast bei Freunden.“ Fußball-WM-inspiriert kündigt Ludwig Eckinger den 5. Weltkongress der Education International (EI) an, der vom 22. bis 26. Juli in Berlin stattfinden wird. Eckinger ist Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung, einer der drei deutschen Gastgeberorganisationen. Auf der vorbereitenden Pressekonferenz formuliert er eine deutliche Kritik: „In Deutschland stehen – leider – Bildung und Erziehung nicht ganz oben auf der politischen Agenda.“

Die EI kämpft dafür, dass sich dies ändert – und zwar weltweit. Nach Angaben ihres Generalsekretärs Fred van Leeuwen repräsentiert die EI über 90 Prozent der weltweit in Bildungsgewerkschaften und Lehrerverbänden organisierten Pädagogen, vom Kindergärtner bis zur Universitätsprofessorin, insgesamt 30 Millionen Menschen in 160 Ländern. Unter dem Motto „Pädagogen – gemeinsam für eine Bildung von hoher Qualität und sozialer Gerechtigkeit“ werden über 1500 internationale Teilnehmer bei der alle drei Jahre stattfindenden Konferenz erwartet.

Neben ihrem Engagement für die Menschen- und Gewerkschaftsrechte von Lehrern (etwa in Afghanistan, Irak, Iran oder Kolumbien) ist das wichtigste Anliegen der EI die Erfüllung des von den UN formulierten Millenniumsziels, allen Kindern eine Grundschulbildung zu ermöglichen. Investition in Bildung werde jedoch immer noch viel zu wenig als „Investition in die Zukunft“ angesehen. Ein starkes öffentliches Schulwesen sei „der Schlüssel für mehr Bildungsgerechtigkeit“. Daher wendet sich die EI auch klar gegen die Privatisierung von Bildung.

Zugleich kritisiert die EI gegen den statistikschönenden Einsatz billiger Aushilfslehrer. Vielmehr müsse die Lehrerausbildung intensiv gefördert werden, um einem drohenden Lehrermangel vorzubeugen. Dies gelte im Übrigen auch für das Unisystem in Deutschland, wo Eckinger bedenkliche „Tendenzen der Dequalifizierung“ ausmacht.

Die globale Bildungskampagne der EI ziele nicht nur auf die Entwicklungsländer, sagte Ulrich Thöne, der Vorsitzende der GEW, mit Blick auf den in der vergangenen Woche von der UN vorgestellten kritischen Bericht über das deutsche Bildungswesen. „Auch Deutschland muss vor der eigenen Haustür kehren.“