Gesundheit : Sorge um den Bachelor

Es fehlt an Geld für die große Studienreform. Jetzt ist auch noch das Gütesiegel bedroht

Uwe Schlicht

Soll der Bachelor in Deutschland lieber vier Jahre dauern? Bislang haben sich die meisten Hochschulen für den dreijährigen Bachelor entschieden. Denn damit gewinnen sie zwei Jahre für die Ausbildung der fortgeschrittenen Studenten im Master. Andererseits ist ein achtsemestriges Bachelorstudium für jene schwierigen Fächer eine Chance, die völlig neue Sprachkenntnisse oder Wissenstatbestände erforderten. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) sieht hier jedoch ein Dilemma, wie deren Generalsekretärin Christiane Gaehtgens am Dienstag bei einer Veranstaltung zum Bologna-Prozess erklärte: Wenn zu viele Bachelor achtsemestrig konzipiert werden, bestehe die Gefahr, dass ein achtsemestriger Bachelor sich sehr eng an die herkömmlichen Diplom- und Magisterstudiengänge anlehnen würde. Sinn der Studienreform mit Bachelor und Master sei es jedoch gewesen, völlig neue Studiengänge zu entwickeln und nicht „alten Wein in neuen Schläuchen“ zu bieten. Wie sich in diesem Dilemma die Hochschulrektorenkonferenz entscheiden wird, sei noch offen, sagte Gaehtgens.

Die größere Sorge, die die HRK umtreibt, wenn es um die Bologna-Reform geht, ist das Geld. Bund und Ländern streiten sich über die Finanzierung der Studienreform im Zeichen von Bachelor und Master. Bekanntlich sollen vom Jahr 2010 an so gut wie alle Studiengänge in Deutschland auf Bachelor und Master umgestellt sein. In den gleichen Zeitraum fällt der Hauptandrang an Studienbewerbern, verursacht durch geburtenstarke Jahrgänge und doppelte Abiturientenjahrgänge aufgrund der Schulzeitverkürzung.

Der Bund hat für den Hochschulpakt nur Gelder zur Verfügung gestellt, durch die die Zahl der Studienplätze vermehrt werden soll. Für eine qualitativ bessere Betreuung der Studenten in den neuen Studiengängen gibt es bisher kein Geld. Wissenschaftsrat und HRK gehen jedoch davon aus, dass die Studienreform mit einer radikalen Verkürzung der Studienzeiten nur zu erreichen ist, wenn die Studenten durch mehr Personal besser betreut werden. Dieser Mehraufwand für die Betreuung wird von HRK und Wissenschaftsrat mit 15 bis 30 Prozent veranschlagt.

Der Bund betrachte sich für die Finanzierung der Bologna-Folgekosten aber als nicht zuständig, berichtete Gaehtgens. Nach der Föderalismusreform sei die Finanzierung der Studienreform Sache der Länder. Da der Hochschulpakt ohnehin schon unterfinanziert sei, werde das Problem infolge der Föderalismusreform noch verschärft, sagte Gaehtgens. Zwar wollten manche Länder Studiengebühren für eine bessere Betreuung einsetzen. In anderen Ländern soll das Studium aber gebührenfrei bleiben. Mehr Geld für die Lehre ist hier also nicht zu erwarten.

Eine weitere Sorge bereitet die Ankündigung von Bayern und Baden-Württemberg, sich aus dem aufwendigen Akkreditierungsverfahren zurückzuziehen. Jahrelang war die Akkreditierung der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge als Voraussetzung dafür ausgegeben worden, dass die neuen Studiengänge auch im In- und Ausland von den Abnehmern anerkannt würden. Bisher ist erst ein Drittel der neuen Studiengänge akkreditiert. Wenn jetzt die Akkreditierung eingestellt werden sollte, seien die Auswirkungen im Ausland aber weniger gravierend als im Inland, erklärte Gaehtgens. Im Ausland könne an die Stelle der Akkreditierung die Genehmigung der Studiengänge durch die Länder treten. Innerhalb Deutschlands jedoch würde eine Rückkehr der Genehmigung neuer Studiengänge durch die Länder zum Problem: Bisher hätten in den Akkreditierungsagenturen Vertreter der Hochschulen und der Berufspraxis die Studiengänge nach deren Qualität und Modernität beurteilt. Diese Kontrolle würde dann entfallen.

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