Gesundheit : Sozial Schwache „ausgegrenzt“

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„SELEKTIV“

Vor einem Jahr hat der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung, Vernor Muñoz, Deutschland einen neuntägigen Besuch abgestattet. Muñoz legt den Verantwortlichen in seinem Bericht nun „eindringlich nahe, das mehrgliedrige Schulsystem , das sehr selektiv und sicher auch diskriminierend ist, noch einmal zu überdenken“. Bei der Zuordnung auf die Schultypen würden die Schüler „nicht angemessen beurteilt“, „arme Kinder, Migrantenkinder sowie Kinder mit Behinderungen“ ausgegrenzt. Neue Unterstützung bekommt Muñoz vom Münchener Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung. In Ländern wie Berlin und Brandenburgmit einer sechsjährigen Grundschule seien die Schülerleistungen weniger stark vom familären Hintergrund abhängig als in Ländern mit nur vierjähriger Grundschule, hat der Münchner Bildungsökonom Ludger Wößmann im Auftrag des Ifo-Instituts auf der Basis von Pisa-Daten ermittelt. Eine Verringerung der Schultypen könne die Ausgrenzung leistungsschwacher Schüler reduzieren.

„DISKRIMINIEREND“

Muñoz kritisiert ferner, Flüchtlingskinder würden nicht in allen Ländern überall vom Pflichtschulsystem erfasst. Das offenbare eine „völlige Trennung zwischen den Einwanderungsgesetzen und dem Recht auf Bildung“. Schulen für Roma- Kinder würden hinsichtlich ihres Budgets „erheblich diskriminiert“. Eltern von behinderten Kindern werde von den Bildungsbehörden „sehr wenig Spielraum“ bei der Wahl der Schulform gelassen. Auch sei die Einbeziehung von behinderten Menschen in die Regelschulen nicht die Norm, kritisiert Muñoz.

„MEHR DEMOKRATIE“

Lehrerbildung und Ganztagsschulen müssten in Deutschland nach Pisa als „Prioritätsbereiche“ angesehen werden. Generell müsse Deutschland eine „ Stärkung der demokratischen Schulkultu r“ anstreben und „Studien im Bereich der Menschrechte zur Verbesserung der Bildungsqualität“ anstrengen. akü

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