Gesundheit : Wer das Sagen an der Uni hat

Experten diskutieren über Geld und Mitbestimmung

Uwe Schlicht

Wie muss die Forschung organisiert sein, damit sie am besten gedeiht? Eine schwierige Frage. Die mit DFG-Mitteln unterstützte Forschergruppe „Governance der Forschung“ aus Speyer, die in der vergangenen Woche bei einer Tagung in Berlin 17 Thesen zum Thema präsentierte, flüchtete sich deshalb lieber in Wenn-und-Aber-Argumente.

Ein Beispiel: Wird die Detailsteuerung der Hochschulen durch die Politiker zurückgenommen, besteht die Gefahr, dass die traditionelle akademische Selbstverwaltung unter der Außensteuerung der mit externen Persönlichkeiten besetzten neuen Kuratorien leidet, wenden die Forscher ein. Ebenso ambivalent sind sie bei den Drittmitteln. Gehe die Grundfinanzierung der Forschung zurück, so seien die Hochschulen darauf angewiesen, mehr Drittmittel einzuwerben. Damit entstehe die Gefahr der Drittmittelabhängigkeit. Auch könnten die Geisteswissenschaften das Nachsehen haben.

Josef Lange, Staatssekretär im niedersächsischen Wissenschaftsministerium, hält von solchen Bedenken nicht viel. Die Länder hätten ihre Mittel nur auf die Deutsche Forschungsgemeinschaft umverteilt, damit diese die Forschung an den Hochschulen nach Leistungsgesichtspunkten besser fördern könne.

Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, sagte, angesichts der Unterfinanzierung der Hochschulen sei die Volluniversität mit einem möglichst kompletten Fächerspektrum nicht mehr aufrechtzuerhalten. Die Hochschulen müssten die vorhandenen Stärken zu Schwerpunkten machen. Dazu müssten sie lernen, langfristig strategisch zu planen.

Diese Professionalisierung falle vielen Präsidenten und Dekanen jedoch noch schwer. Darum sei es auch schwierig, neue Rektoren zu finden. Konflikte zwischen den unternehmerisch denkenden Hochschulräten oder Kuratorien und den Akademischen Senaten würden aufbrechen. Doch benötige das Leitungspersonal für die neuen Aufgaben eine umfassende Entscheidungsbefugnis. Den Gremien der akademischen Selbstverwaltung weist die HRK-Präsidentin die Aufgaben der Beratung und Kontrolle zu. Die Hochschulen wandelten sich zu unternehmerisch geführten Universitäten und nähmen Abschied von der Gruppenuniversität der siebziger und achtziger Jahre.

Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz Gemeinschaft und einstiger Leiter der Humboldt-Universität, sagte, solange die „kollektive Verantwortungslosigkeit der Gruppenuniversität“ bestehen bleibe, werde Deutschland keine internationalen Spitzenuniversitäten bekommen. Dass am Ende zehn Spitzenuniversitäten ermittelt werden, hält Mlynek für übertrieben: Fünf Eliteuniversitäten seien schon fast zu viel. Den Politikern schrieb Mlynek ins Stammbuch: „Der heutige Föderalismus ist für die Weiterentwicklung der Hochschulen eine Katastrophe.“

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