Die IFA: 1950 bis 1989

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Technik im Wandel : Die Geschichte der IFA
1967: Per Knopfdruck in eine neue Ära: Der damalige deutsche Vizekanzler Willy Brandt gibt den Startschuss für das Farbfernsehen. Leider stellte der zuständige Techniker das Signal schon Sekunden vor dem Knopfdruck auf Farbe um.
1967: Per Knopfdruck in eine neue Ära: Der damalige deutsche Vizekanzler Willy Brandt gibt den Startschuss für das Farbfernsehen....Foto: dpa/ Willi Gutberlet


Die 50er und 60er Jahre: Laut, bunt und in Stereo.

Infolge des Zweiten Weltkrieges legte die Funkausstellung in den 1940er Jahren eine Zwangspause ein und wurde ab den Fünfziger Jahren nur noch alle zwei Jahre in Düsseldorf oder Frankfurt am Main ausgerichtet. Während der Wirtschaftswunderjahre gelüstete es die Massen nach Zerstreuung: UKW-Radios, tragbaren Fernsehgeräte, Vinyl-Schallplatten und Plattenspieler standen hoch im Kurs. 1953 sorgten Fernseher mit einer Bildröhre von sagenhaften 43 Zentimetern für Furore und 1957 überraschte Sony mit dem ersten Transistorradio im handlichen Taschenformat.

Während der “Swinging Sixties” konnten Musikfans ihre Lieblingslieder endlich mithilfe von tragbaren Tonbandgeräten und HIFI-tauglichen Kompaktkasetten konsumieren. Auf der Funkausstellung 1963 legte der Sender Freies Berlin (SFB) den Schalter um und präsentierte seinen Hörern fortan Rundfunk in Stereo. Auch der große Sozialdemokrat Willy Brandt wollte per Knopfdruck eine neue Ära einläuten und am 25. August 1967 um Punkt 10:57 Uhr auf Farbfernsehen umschalten. Die Rechnung wurde allerdings ohne den Techniker gemacht, der das Signal schon Sekunden vor Startschuss auf Farbe umstellte. Zum Glück fiel der Fauxpas kaum auf, da ein Großteil der Zuschauer die Umstellung nur über Schwarz-Weiß-Fernseher verfolgte.  


Die 70er und 80er Jahre: Video killed the Radio Star

In den 1970er Jahren wurde die “Deutsche Funkausstellung” zur “Internationalen Funkausstellung” (kurz IFA) umbenannt und sollte fortan alle zwei Jahre in Berlin stattfinden. Vorbei die Zeiten von Volsempfängern und Radioapparaten: Wer am Puls der Zeit leben wollte, schaffte sich einen der heißbegehrten VCR-Videorekorder für das Wohnzimmer an, die bereits 1971 präsentiert wurden. Dass die Videokassetten damals nur eine Spiellänge von etwa 45 Minuten hatten, kümmerte damals kaum jemanden.

1977 präsentierten ARD und ZDF schließlich den ersten deutschen Tele- oder auch Videotext. Künftig fanden Untertitel für Hörgeschädigte und Informationen zum Tagesgeschehen auf 25 Zeilen mit jeweils 40 Zeichen Platz. Im gleichen Jahr stellte die Deutsche Post sein vielversprechendes Konkurrenzprodukt “Bildschirmtext” (kurz BTX) vor, das Informationen per TV-Gerät und Telefon bereitstellte, aber erst 1983 mittels eines Modems bundesweit genutzt werden konnte. Heute gilt der BTX als Vorläufer des Internets. Der “Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger” (BDZV) befürchtete derweil den Untergang der Printmedien und gründete kurzerhand sein eigenes Text-Programm “Bildschirmzeitung”. Und das Publikum? Das war eher verwirrt.



Die beiden Dekaden bescherten uns darüber hinaus den legendären Walkman von Sony (1979), die ersten CD-Player und CD´s (1981) und das weltweit erste in Serie hergestellte Navigationsgerät “TravelPilot” von Blaupunkt (1989). Und wer hätte gedacht, dass die erste Demonstration für HDTV bereits im Jahr 1985 stattfand? Damals zeigte das europäische EUREKA-Programm die komplette Produktionskette von der Studiotechnik, über Transfer- und Empfangsgeräte bis hin zu hochauflösenden TV-Geräten “mit einem brillanten Bild wie im Kino und einem Ton in CD-Qualität.”