Landpartien : Brandenburg liebt Dich!

Der 66-Seen-Weg um Berlin führt mitten durch das kleine Café Lavendelhof. Wanderer - ruhe hier! Bei Mandarinenschmand- oder Schokoflockenkirschkuchen für wenig Geld

Jürgen Kiontke
Der idyllische Außenbereich vom Café Lavendelhof in Marquardt westlich von Berlin
Der idyllische Außenbereich vom Café Lavendelhof in Marquardt westlich von BerlinFoto: Holger Naumann

Der Weg ist das Ziel: Beim Lavendelhof im Städtchen Marquardt nordwestlich von Potsdam ist das wörtlich zu nehmen. Mitten im Hof, an einem großen Baumstück, prangt der blaue Punkt, das Zeichen des 66-Seen-Wanderwegs. „Der geht jetzt bei uns durch den Hof“, sagt Ramona Kleber. Ihr gehört das Lavendelcafé, wo die Gäste in lauschig zugewachsenen Buchten sitzen bei Milchkaffee, Selbstgebackenem und niedrigen Preisen.

Marquardt - wie sind wir bloß hierher gekommen? Wir haben in Potsdam mit unserer Etappe begonnen, an den Schlössern vorbei, wanderten wir zum Kanal. Eine Maus lief vorüber, hellbraunes Fell und auf dem Rücken einen schwarzen Strich. Auf der anderen Seite wartete sie. Ließ sich in die Hand nehmen und auf die Bordsteinkante heben, um im Garten zu verschwinden. Brandenburg liebt dich.

Nach getaner Arbeit als Mäuseaufzug ging es an den Schlänitzsee. Was eine Badestelle! Sie liegt im Park von Schloss Marquardt, im Sommer eine grüne Hölle. Man könnte im Regenwald sein. In der leicht schlammigen Uferzone sitzen Kinder stundenlang und plantschen, das Wasser 27 Grad warm. Wir finden große Muscheln zwischen den Seerosen, in der Ferne fährt ein Schiff.

Der 66-Seen-Weg, der 400 Kilometer um Berlin herum führt und zu den zehn schönsten Wanderrouten Deutschlands zählt, führt uns geradewegs zu Ramona Kleber. Dass der Punkt auch in ihrem Hof zu finden ist, liegt daran, dass der letzte Sturm im Park Bäume umgeworfen hat. Den Baum mit dem Wegweiser hatte sie als Brennholz bekommen. Der Wegweiser zeigt jetzt in den Lavendelhof.

Es ist später Nachmittag, der leichte Sonnenbrand zwickt. Wir stehen vor der Wahl: Mandarinenschmand- oder Schokoflockenkirschkuchen, das Stück für 1,70 Euro? Oder doch lieber den Crêpe mit Nutella und Banane (3,15 Euro)? Gebacken wird selbst, oft mit dem, „was weg muss“, sagt Kleber. Pflaumen, Erdbeeren. Den Latte macchiato dazu gibt es für 2,50, das Köstriner Schwarzbier für 2,90. Und für Spezialisten: Werderaner Obstwein „Schwarze Johannisbeere“ (2,10 Euro). Das Lavendelcafé wartet gern mit kulinarischen Besonderheiten auf. Die Apfelknacker (das Würstchenpaar für 2,50 Euro) kann man sonst nur auf der Grünen Woche bekommen. Komm doch mit der ganzen Familie, der Gastraum bietet Platz für 30 Gäste. Nein, teuer ist es hier nicht, gerade mal eine Stunde Bahnfahrt vom Bahnhof Friedrichstraße in Berlin entfernt.

Marquardt bietet viel, Alteingesessene wie Hinzugezogene sind wuselig. Kunstausstellung im Schloss, Irish Folk-Konzerte in der Kulturscheune. Und der Kinosommer, wo Filme laufen, die was mit dem Agentenaustausch auf der „Bridge of Spies“ zu tun haben, der nahen Glienicker Brücke.

Ramona Kleber, die ehemalige FDJ-Pionierleiterin, ist nach der Wende zur Reiseführerin und Kräuterfrau konvertiert. Aus Lavendel macht sie Duftbäume und Kissen. „Lavendel“, sagt sie, „ist eine Pflanze mit positivem Anklang“. Und das Café ist nicht nur was für durchwandernde Berliner, da sitzen auch die Nachbarn. Wie lebt es sich hier, wollen wir wissen. „Dit is det Paradies hier!“, schallt es sehr zufrieden zurück.

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