Ausstellung über Pierre Cardin : Pierre, grüß mir die Sterne

Der Düsseldorfer Kunstpalast zeigt Mode von Pierre Cardin, die zeigt, warum er heute so viel Geld mit schwarzen Socken verdient.

Kleider von Pierre Cardin aus der Cosmocorps-Kollektion, französische Elle, 1966
Kleider von Pierre Cardin aus der Cosmocorps-Kollektion, französische Elle, 1966Foto: ©Terence Donovan Archive

Pierre Cardin – wer bei diesem Namen an schwarze Socken im Zehnerpack vom Grabbeltisch denkt, hat recht. Und ist am Endpunkt einer Modemarke angekommen, die vor mehr als 50 Jahren als futuristisches Experiment begann. Der mittlerweile 96-jährige Pierre Cardin verdient heute sein Geld damit, sein Logo auf nichtssagende Produkte drucken zu lassen. Ein P, dessen Bogen sich wie eine Welle kringelt – das ist alles, was von seiner visionären Schaffenskraft übrig geblieben ist.
Immerhin ist er so zu einem sehr reichen Mann geworden. 1988 vergab Cardin 800 Lizenzen in 99 Ländern, zeitweise verdiente er damit eine Milliarde Dollar im Jahr. Die Allerweltsprodukte wie Jeans und Polohemden werden vor allem von Männern getragen, die vom Wagemut des jungen Cardin, der einst mit seiner Mode bis zum Mond fliegen wollte, nicht die leiseste Ahnung haben. Die Marke Pierre Cardin ist eins der konsequentesten Beispiele dafür, was passieren kann, wenn man die Essenz auskocht wie einen Markknochen. Seine Suppe hat er so verdünnt, bis auch das letzte Fitzelchen Geschmack verschwunden war.

Die Mantelfalten hat er sich von den Lüftungsschlitze eines Computers abgeschaut

Da ist es gut, dass der Düsseldorfer Kunstpalast jetzt noch einmal die Welt Pierre Cardins als schmackhaften Eintopf serviert und damit in Erinnerung ruft, dass sein Erfolg auf einem flirrenden, aber soliden Fundament aufbaut. So können die Besucher gleich zu Beginn in sein Universum abheben. Da stehen Puppen in Bodysuits, darüber Röcke aus Stoffstreifen oder lederne Stringtangas für Männer. Für die sind auch die Lederjacken mit applizierten Lederscheiben an den Schultern, auf dem Kopf sitzen Hüte wie Astronautenhelme. Die Vergangenheit hat den Designer immer weniger interessiert als die Zukunft – und die war geometrisch geformt. 1980 legte er einen Mantel in spitz abstehende Falten, die er sich von den Lüftungsschlitzen eines der ersten Computer abgeschaut hatte.
Viele Teile kommen aus dem Pariser Pierre-Cardin-Museum. Dass sie nicht perfekt konserviert sind und getragen aussehen, trägt zum Charme der Ausstellung bei. Sie spiegelt wider, dass sich Cardin früh für die Masse und nicht die Haute Couture interessierte, wo er als Assistent von Christian Dior in den 40er Jahren sein Handwerk lernte.
Cardin, Sohn einer verarmten Familie, die 1926 von Italien nach Frankreich zog, verkündete mit acht Jahren, dass er Couturier werden wollte. Sein Vater arbeitete in einer Segeltuchfabrik, daher kam wohl auch die Vorliebe des Sohns für standfeste Stoffe, die sich hervorragend für seine geometrische Mode eigneten.
Viele Modelle wirken aus heutiger Sicht wie für eine absurde Kostümparty gemacht, in den frühen 60ern lösten die spitzen Brusteinsätze auf einem Minikleid Schnappatmung aus, und auch die Beatles sahen 1962 in ihren kragenlosen Anzügen sehr modern aus.
Pierre Cardin, Fashion Futurist, im Kunstpalast Düsseldorf, bis 5. Januar 2020