BERLINER  STIL : Arbeitsfreunde für die Mode

Für das Modelabel Ade Velkon haben sich Kathrin Kaiser und Molly McDonnell zusammengetan. Jetzt haben sie in der Potsdamer Straße einen Laden eröffnet.

Für Kathrin Kaiser und Molly McDonnell war es nur konsequent, einen Laden zu eröffnen. Einfach, damit die Leute besser erkennen können, worum es ihnen geht. Denn für sie ist Kleidungmachen nicht einfach eine berufliche Beschäftigung, sondern eine besondere Ausdrucksform ihres Lebensstils.

Genauso konsequent haben sie sich vor vier Jahren auch zusammengetan. Sie haben sich von einem gemeinsamen Freund zu dieser Arbeitsfreundschaft verkuppeln lassen. Kathrin Kaiser suchte jemanden, mit dem zusammen sie Kleider entwerfen kann. Molly McDonnell war genau die Richtige. Auch wenn sie in San Francisco Mode studiert hat, empfindet sie sich als Schneiderin, die aus den richtigen Stoffen die richtigen Kleider macht. Seit rund zehn Jahren lebt sie nun in Berlin, hat bei verschiedenen Labels gearbeitet und sich Zeit gelassen, ihren eigenen Stil zu entdecken.

Kathrin Kaiser kommt aus Österreich, hat Kunst in Wien studiert und betreibt heute noch eine Kommunikationsagentur. Die Aufgabenteilung wird spätestens klar, als Kaiser die kleine Kollektion ihrer Partnerin erklärt, die sie in Kalifornien als Ergänzung zu ihrer gemeinsamen Linie entworfen hat. Noch einmal reduzierter sind die einfachen Hosen, Mäntel, die mit einem Bindegurt zusammengehalten werden und durchaus auch als Morgenmantel getragen werden können.

Ade Velkon ist kein verrücktes Projekt, sondern der Versuch, langlebige Kleidung für möglichst viele unterschiedliche Frauen zu machen – junge und alte, dicke und dünne. Da gibt es Hosen aus einem feinen Wollstoff, aber mit Gummizug und hinten mit Paspeltaschen. Oder einen Blazer, so lässig geschnitten, dass er eher wie eine Jacke sitzt. Molly McDonnell hat ihn einmal aus steifem Leinen und einmal aus einem weichen, bananengelben Viskose-Seiden-Gemisch gefertigt. Sie findet es spannend, wie unterschiedlich ein Kleidungsstück wirken kann.

Damit man richtig gut erkennen kann, was ihre Designsprache ausmacht, haben Kaiser und McDonnell schöne Sachen in Kalifornien und Österreich zusammengesucht, die man außer Kleidung zum Leben braucht. Das sind bunte Decken von Hillery Sproatt, einer Künstlerin, die Bilder malt und sie als Muster in Jacquardtechnik in die Decken stricken lässt. Dazu kommen Weingläser aus Berkeley und Parfüm ohne synthetische Inhaltsstoffe.

Ein bisschen Angst hatte Kathrin Kaiser, dass die kalifornischen Produkte cooler sein würden als ihre. Aber dann fand sie ausgerechnet in ihrem Heimatort in der Steiermark eine Brennerei, die tollen Gin herstellt.

So, wie sie sich ihre Welt in einem Hinterhof in der Potsdamer Straße zusammengestellt haben, verwundert es nicht, dass es sie nicht tangiert, was in der Berliner Modeszene passiert. „Wir sind nicht an einem Hype interessiert“, sagt Kathrin Kaiser. Wenn sie neue Anregungen brauchen, reisen sie nach Kalifornien. Dieses Lebensgefühl wollen sie nach Berlin bringen.

Ade Velkon, Potsdamer Str 81c, Haus H, Tiergarten, Mi bis Fr 11 bis 19 Uhr, Sa 12 bis 18 Uhr