BERLINER  STIL : Der fehlende Stern als Erkennungszeichen

Souvenir Official hat schon viele Pullover mit der Europaflagge verkauft. Jetzt gibt es eine Neuauflage.

Harte Jungs in zarten Farben.
Harte Jungs in zarten Farben.Foto: Vitali Gelwich

David Mallon findet, dass alle ihre Meinung viel mehr sagen sollten. Oder sie zumindest zeigen. Und da kann er helfen. Seit 2017 verkauft er zusammen mit seiner Frau Karin Önder unter dem Label Souvenir Official Pullover, auf die die Sterne der Europaflagge gedruckt sind. Einer fehlt. Er ist auf die Rückseite des Sweatshirts gewandert und soll Großbritannien symbolisieren. Zusammen mit der Galerie König bedruckten sie nach dem Brexit-Referendum 2016 300 knallblaue Hoodies mit gelben Sternen für einen britischen Abend mit dem Fotografen Wolfgang Tilmans, der seit vielen Jahren in Großbritannien lebt.

Seitdem hat sich der Kapuzenpullover zu einem solchen Verkaufsschlager entwickelt, dass David Mallon klar wurde: Viele wollen Haltung zeigen. Zum Beispiel der andere deutsche Fotograf in England, Jürgen Teller. „Der hat ein Jahr in dem Pullover geschlafen. Die richtigen Leute haben die Nachricht verstanden“, sagt Mallon. Der Pullover ist zu einem Erkennungszeichen geworden. Wenn er seinen trägt, wird er öfter von wildfremden Leuten gegrüßt. Der Sternenkranz mit Lücke ist sozusagen das Logo für die große Mitte, findet David Mallon: „Für die gab es bisher einfach zu wenig Kleidung, mit der man sich zu erkennen geben kann. So was gibt es nur für links oder rechts.“ Für die kann man jede Menge politische Aussagen auf Kleidung finden, ob das nun Marken sind, die nur von Rechten getragen werden, oder Schnürsenkel in bestimmten Farben.

Bauarbeiter in Sweatshirts von Souvenir official.
Bauarbeiter in Sweatshirts von Souvenir official.Foto: Vitali Gelwich

Zur Europawahl im vergangenen Jahr nahm dann die Begeisterung für den Pullover von Souvenir Offical etwas Überhand, die SPD-Kandidatin Katarina Barley trug ihn sogar auf einem Wahlplakat. Sie hatte vorher um Erlaubnis gefragt – im Gegensatz zum FDP-Politiker Christian Lindner, der sich auf Wahlveranstaltungen in den Kapuzenpullover hüllte. Aber David Mallon sieht das ganz demokratisch: „Jeder soll ihn anziehen!“ Diesen Wunsch erkennt man auch in der neuen Kampagne wieder, die der Fotograf Vitali Gelwich in Berlin für eine neue Auflage des Pullovers aufgenommen hat. Da tragen Bauarbeiter aus Marzahn, Balletttänzerinnen, alleinerziehende Mütter und harte Jungs aus Neukölln die Hoodies.

Dieses Mal gibt es sie zum ersten Mal in Pastellfarben, zum Beispiel in Rosa mit roten Sternen und mit dem Zusatz auf dem Rücken: „Protect Peace“. Damit wollten Mallon und Önder dem Pessimismus, der gerade durch Corona befeuert wird, etwas Positives entgegensetzen.

Auch der Boutique an der Torstraße haben sie einen neuen Anstrich verpasst, im hinteren Raum haben sie die Wände mit pinkfarbenem Veloursteppich tapeziert. Den Laden führten Mallon und seine Frau schon lange bevor sie sich auf die Pullover konzentrierten. Sie verkauften hier Souvenirs, die sie von Künstlern anfertigen ließen, quasi kleine Kunstwerke zum Mitnehmen. Mittlerweile finanziert der Hoodie das ganze Unternehmen. gth

Souvenir Official, Torstraße 76 in Mitte