BERLINER  STIL : Wölfe aus Mohair und Pharaozelte

Die Messe „Textile Art“ zeigte am Wochenende Kunsthandwerk aus aller Welt.

Stoff Geben. Ein Gemälde von Andrea Milde.
Stoff Geben. Ein Gemälde von Andrea Milde.Foto: Promo

Kunst ohne Kunsthandwerk ist undenkbar, das weiß Nathalie Wolters ganz sicher. Das muss sie auch, schließlich bewegt sie sich mit ihrer Messe „Textile Art“ irgendwo dazwischen. Dort wird gestrickt und gewebt, gehäkelt und gestickt, was das Zeug hält. Mit einem gemütlichen Handarbeitszirkel haben viele der ausgestellten Arbeiten aber nichts zu tun. Viele der Künstlerinnen und Künstler stellen Kunst aus, die textile Materialien als Grundlage hat. Zum Beispiel Angela Milde, die Gemälde mit Stoff malt. Sie ist Bildwirkerin, ihre Werke entstehen ähnlich wie Gobelins an einem Webstuhl. Oder Stefanie Gruber, die Porträts aus Stoffen zusammensetzt.

Unter den rund 100 Ausstellern sind aber auch ganz praktisch veranlagte Kunsthandwerker wie Maria Barleben mit ihren großartigen Handspielpuppen. Sie fertigt fast jedes Tier von Ratte und Wolf bis zum Faultier aus Mohair oder Plüschfell.

Auch wenn es vielleicht ein wenig improvisiert wirkt, wenn die Stände zwischen Basketballkörben in einer Schulturnhalle aufgebaut sind – Wolters hat sich ganz bewusst dafür entschieden, ihre Messe in Schulen zu veranstalten. „Ich will, dass die Textilkunst an jüngere Generationen weitergegeben wird.“ Das ist bitter nötig. Die meisten Quiltkünstler zum Beispiel sind weit über 50 Jahre alt.

Muster aus Usbekistan. Kunsthandwerk auf modernen Schuhen.
Muster aus Usbekistan. Kunsthandwerk auf modernen Schuhen.Foto: Promo

Aber die gelernte Psychologin ist optimistisch. Das Interesse am Selbermachen ist in den vergangenen Jahren gewachsen: „Do-it-yourself-Plattformen wie Dawanda und Etsy haben mir sehr geholfen.“ Deshalb gibt es jede Menge Material – von der pflanzengefärbten Wolle bis zum speziellen Stickrahmen – auf der „Textile Art“ zu kaufen.

Es reisen aber auch Künstler aus Ägypten an. Dort schmücken Männer seit Pharaonenzeiten Reisezelte mit kunstvollen Applikationen. Die ägyptische Gruppe ist schon am Donnerstag mit sechs sehr großen Taschen in Berlin gelandet. „Ich bin gespannt, was der Zoll dazu sagt“, sagt Wolters. Sie hofft, dass es die aus bunten Stoffen zusammengesetzten Teppiche, Kissen und Decken rechtzeitig auf die Messe schaffen. Die Ägypter wollen nicht nur verkaufen, sie geben ihre Kunst auch in einem Workshop weiter. gth

Textile Art, 23. 6., 10-18 Uhr und 24. 6., 10-17 Uhr. Phorms Campus, Ackerstraße 76 in Mitte.