Berliner Stil : Yumiko: Wie ein bunter Wirbelwind

Die ehemalige Primaballerina Yumiko Takeshima entwirft knallige Trikots in Berlin.

Maria Kochetkova tanzt in San Francisco, wenn sie nicht gerade für Yumiko modelt.
Maria Kochetkova tanzt in San Francisco, wenn sie nicht gerade für Yumiko modelt.Foto: promo

Einmal im Jahr stellt sich Yumiko Takeshima in ihre Küche und färbt Trikots ein. So entstehen Farbverläufe von Hellgelb bis Lila, von Rosa bis Blau. Das ist für die Japanerin der Höhepunkt ihres Geschäftsjahres. Sie ist Inhaberin von Yumiko, einem Label, das sich auf Balletttrikots, Leggings, Röcke und Anzüge spezialisiert hat. Von Berlin aus verkauft sie ihre bunten Trikots in die ganze Welt. Die besondere Linie „Black Label“ mit den handgefärbten Oberteilen ist ihr auch deshalb so wichtig, weil sie damit im weitesten Sinne eine Familientradition aufrechterhält. Das Färben hat sie von ihrem Vater gelernt. Der stellte traditionelle Kimonos in Japan her, genau wie das auch schon ihr Großvater machte. Damals als Kind schaute sie zu, wenn ihre Familie Stoffe für die Kimonos bearbeitete.

Sie selbst schlug dann erst einmal einen ganz anderen Weg ein. Mit vier begann sie zu tanzen, mit 13 zog sie von Japan nach San Francisco, um an einer Ballettschule zu trainieren. Es folgte eine steile Karriere: Sie tanzte am niederländischen Nationalballett, am Wiener Staatsballett und in London am Royal Ballet. 2006 wurde sie Primaballerina an der Semperoper in Dresden. Da entwarf sie schon vier Jahre lang nebenbei Trikots für sich und ihre Kolleginnen, auch für Choreografen wie William Forsythe begann sie zu arbeiten, im Film „Black Swan“ trägt Natalie Portmann, die eine Balletttänzerin spielt, ihre Trikotagen.

Primaballerina Polina Semionowa ließ sich in den Trikots von Yumiko fotografieren.
Primaballerina Polina Semionowa ließ sich in den Trikots von Yumiko fotografieren.Foto: promo

So war Yumiko Takeshimas Karriereende als Ballerina kein abruptes. Als sie 2013 einen Sohn bekam, wusste sie, dass es Zeit ist, aufzuhören. Am Ende ihrer Karriere verband sie beide Professionen, ihren letzten Auftritt hatte sie als Giselle in ihrem eigenen Kostüm. Dann machte sie nahtlos weiter, baute ihre Firma aus, eröffnete Läden in New York, Tokio und in Berlin. Inzwischen kann man nicht nur zwischen unzähligen Modellen wählen, man kann sich auch online aus verschiedenen Materialien, Formen und mehr als 100 Farben sein eigenes Trikot zusammenstellen.

Aber auch im Laden in der Schwedter Straße 40 in Prenzlauer Berg hängen so viele Varianten, dass Ballettmütter, die für ihre Töchter eine Tanzausstattung kaufen, feuchte Augen bekommen, weil sie selbst als Kind in schwarzen Trikots getanzt haben. Dazu kommen grob gestrickte Pullover, die Takeshima mit dem Label Michele & Hoven entworfen hat.

Gerade hat sich die Primaballerina Polina Semionowa in ihren Trikotagen fotografieren lassen. „Sie ist eine Freundin“, sagt Yumiko Takeshima. Für sie ist es am wichtigsten, immer in Bewegung zu bleiben, ihr Logo sieht aus wie ein Wirbelwind. „Ich war eine schnelle Tänzerin und habe meinen eigenen Wind produziert.“