Fashion Week in Berlin : Belize könnte das Label der Modewoche werden

Belize könnte das Label der Fashion Week werden. Kein Wunder bei der Erfahrung, die Designerin Valeska Duetsch mitbringt.

Grit Thönnissen
Gut gesampelt. Die Entwürfe von Valeska Duetsch sind tragbar, aber trotzdem besonders
Gut gesampelt. Die Entwürfe von Valeska Duetsch sind tragbar, aber trotzdem besondersFoto: promo

Die Berliner Modeszene interessiert die Designerin Valeska Duetsch herzlich wenig. Ihre Beweggründe, zurück in ihre Geburtsstadt zu kommen, sind denn auch mehr als pragmatisch: „Ich wollte keinen Mann im Ausland kennenlernen.“ Also suchte sie sich an der Potsdamer Straße ein Atelier in einer prächtigen, aber etwas heruntergekommenen Beletage und fand auch den passenden Mann für das Leben in Berlin.

Inzwischen haben die beiden einen Sohn und Valeska Duetsch ein eigenes Label. Das war gar nicht so gedacht. Valeska Duetsch hatte eigentlich gar keinen richtigen Grund für die Selbstständigkeit, wie ihn viele Berliner Designer haben: Sie hat eine Karriere als Designerin für Marken wie Alexander McQueen und Chloé hinter sich. Eigentlich wollte sie nach ihrem Modestudium am Letteverein in Berlin nur ein kurzes Praktikum in Paris machen und dann weiterstudieren, aber das Arbeiten gefiel ihr zu gut. Wie ein Kind hat sie ihre Umgebung aufgesaugt. Zuletzt arbeitete sie zwölf Jahre bei Stella McCartney in London. Ihre Geschäftspartnerin ist immer noch dort. Von Berlin aus spinnt Duetsch die Fäden, in London und Paris wird gezeigt, was daraus geworden ist.

Noch wird ihr Label als heißer Geheimtipp gehandelt: „Lernt schnell kennen, was bald jeder trägt“, liest man auf dem Modeblog Refinery29, und die deutsche „Vogue“ hat Belize in den Berliner Salon eingeladen. Heute zeigt Valeska Duetsch ihre Kollektion im Kronprinzenpalais.

Strick von Belize
Strick von BelizeFoto: promo

Unbeschwert, sehr tragbar sind die Entwürfe. Es geht um jedes einzelne Stück. Für eines wurde sie auch Knall auf Fall bekannt: einen gestreiften Wollpullover, der so kunterbunt ist, dass man ihn fast für das liebevolle Geschenk einer strickenden Großmutter halten könnte, die sich mit ihren Wollresten ausgetobt hat. Charmant wird dieser Pullover in der Kombination mit einem eleganten langen Plisseerock.

Der Ehrgeiz, den sie in jedes einzelne Stück legt, soll aber nicht in einer stilistischen Anstrengung für die Trägerin münden

Daran, wie Duetsch ihre Kollektionen zusammenstellt, kann man ihre Erfahrung in der internationalen Mode erkennen. Ein guter Designer ist wie ein DJ, der Fremdes so zu sampeln versteht, dass etwas eigenes daraus wird. Wie bei den bestickten Folkloreblusen von Belize, die Muster sind ein wenig abstrakter, die Stoffe sind die besten, die sie kriegen konnte. „Ich hatte Lust auf Hippie und ich liebe Stickereien“, sagt Duetsch.

Sie weiß, dass ein Stück noch so schlicht sein kann, aber durch die richtigen Stoffe, den Knopf an der richtigen Stelle, wird es besonders. „Das sind gelernte Strukturen“, sagt sie

Der Ehrgeiz, den sie in jedes einzelne Stück legt, soll aber nicht in einer stilistischen Anstrengung für die Trägerin münden: „Ich hatte mir vorgenommen, den schönsten Cardigan zu machen.“ Der, den sie auf ihrem weißen Ledersofa ausbreitet, ist rund gestrickt, hat einen Kragen und ist erst auf den zweiten Blick besonders. „Ich stehe auf die einfachen Sachen.“ Die allerdings macht sie so gut, dass sich Shops von New York bis Tokio darum reißen: „In der Mode geht es um einen Traum, wir wollen ja nicht die Realität verkaufen.“