Fashion Week in Slowenien : Neue Mode aus Slowenien

In der Beschäftigung mit fremder Mode lässt sich gut erkennen, wo eine Gesellschaft steht. Designer aus Slowenien und Serbien arbeiten die chaotische Nachkriegszeit der 90er auf. Während die Frauenmode mit Balkanklischees kämpft, ist die für Männer viel weiter.

Besuch aus Berlin. Ivanman ist ein Label aus Berlin.
Besuch aus Berlin. Ivanman ist ein Label aus Berlin.Foto: promo

Jetzt auch noch das: die neueste Mode aus Ljubljana. Slowenien hat seine eigene Fashion Week und jede Menge Designer, die vorführen wollen, was sie können. Warum es sich lohnt, sich das anzuschauen, ist einfach gesagt: weil man im Schnelldurchlauf viel über eine Gesellschaft lernt.

Dass es in Slowenien so viele Designer gibt, dass sie zwei Tage lang mit Gästen aus Serbien und Kroatien eine Fashion Week bespielen, ist schon mal ein gutes Zeichen. Die Menschen beschäftigen sich mit Mode, die sie jenseits der globalen Ketten mit ihrer Identität verknüpfen können. Diesem ehemaligen Teil von Jugoslawien geht es sogar so gut, dass es in der Hauptstadt gleich zwei Fashion Weeks gibt, die kurz hintereinander stattfinden.

Man kann an den Präsentationen deutlich ablesen, wie die Geschlechterbilder funktionieren und wie empfänglich sie für Stereotypen sind. Und nicht zuletzt trifft sich hier alles, was zur feinen Gesellschaft von Ljubljana gehört, vom Stararchitekten über die TV-Moderatorin bis zum ehemaligen Model.

Es gibt Models für alle

So richtig zelebrieren wollen die Organisatoren die Mode aber noch nicht. Es gibt eine Mehrzweckhalle, die sonst für kleine Messeveranstaltungen und Konzerte genutzt wird. Am Boden markieren Klebestreifen den Laufsteg. Die Scheinwerfer von im Hintergrund geparkten Autos des Hauptsponsors leuchten im Dunkel den Weg zu den Ständen mit den gesponserten Getränken – wie in Berlin, nur alles ein paar Nummern kleiner. Das liegt natürlich auch am fehlenden Geld. Models wurden für alle gebucht, auch die Choreografie, das Make-up und die Frisuren kommen von einem Team.

Strick mich zum Mond. Das slowenische Stricklabel Draz wird von den Geschwistern Urška und Tomaž Draž geführt.
Strick mich zum Mond. Das slowenische Stricklabel Draz wird von den Geschwistern Urška und Tomaž Draž geführt.Foto: promo

„In Slowenien ist Modemachen ein Hobby“, sagt Tjaša Zalar. Sie ist der von einer Handvoll ausländischer Gäste aus Deutschland, Italien und Schweden ausgerufene Shootingstar dieser Fashion Week. Offensichtlich ist das neu für die 24-Jährige, die gerade ihren Master an der staatlichen Kunsthochschule in Ljubiljana macht. Bei jedem Kompliment zu ihrer Männerkollektion schießt ihr die Röte ins Gesicht.

In Slowenien als Designer arbeiten - das ist schwierig

Die meisten ihrer Kommilitonen gehen nach dem Studium ins Ausland. Italien liegt um die Ecke. In Slowenien Arbeit finden? „Pfff“, macht sie. Es gibt aber ein paar Modeveteranen wie Jelena Pirkmajer von Cliché, die am ersten Abend eine Art Orden dafür verliehen bekommt, dass sie seit 25 Jahren durchhält. Auch Alenka Globocnik von Akultura hat seit 20 Jahren ihren Laden in der Innenstadt und zeigt viel schwarzes Leder, drapierte Blusen, überlappende Schnitte. Ihre Models tragen Schapkas mit integriertem Mundschutz, der mit einem martialisch aussehenden Reißverschluss verschlossen ist. Wenn man sich mit ihr unterhält, könnte man das als Kampfansage verstehen, so trotzig wirkt sie: „Früher war alles einfacher, da waren die Leute offener für neue Mode.“ Sie spricht von den 90er Jahren, als nach den Jugoslawienkriegen das Leben neu beginnen musste.

Diese Zeit beschäftigt auch die serbischen Designer, die die Nachkriegszeit in Belgrad als Kinder oder Teenager erlebten. Das Durcheinander von plaktiven Logos auf Sweatshirts, seltsamen Farbzusammenstellungen, viel Polyester und übergroßen Schnitten ist ein Leitfaden für die Männerkollektionen von Tjaša Zalar, Milica Vukadinovic und Marko Glavinic. Sie knüpfen an die sportswearverliebten Entwürfe mit Ostblockcharme an, mit denen der Moskauer Gosha Rubchinskiy gerade international für Furore sorgt.

Die harten Jungs aus Belgrad. Kollektion von Milica Vukadinovic aus Serbien.
Die harten Jungs aus Belgrad. Kollektion von Milica Vukadinovic aus Serbien.Foto: promo

Überhaupt sieht die Kleidung für Männer viel moderner und mutiger aus als die für Frauen. Da bleiben fast alle Kollektionen sehr den Klischees verhaftet, wie eine Frau hier auszusehen hat: erst einmal sexy. High Heels sind selbstverständlich, auch Körperbetontes und weite Ausschnitte. Erotik wird mit durchbrochener Spitze, durch Leggings mit angedeuteten Strapsen angedeutet, eine Kollektion ist ganz in flattrigem Signalrot gehalten.

Mode für Männer ist hier viel moderner als für Frauen

Die männlichen Models dagegen führen vor, wie man mit Formen und Farben spielen kann, aufgepumpte Steppjacken zu knallengen Fahrradhosen, Rostrot zu einem verwaschenen Orange, Grün zu Hellbraun. Zu große Streifen, die an einen deutschen Sportartikelhersteller erinnern, Bauchtaschen und Strickpullover mit zu langen Ärmeln. Die Zeit, als es rau und unübersichtlich war in Belgrad, als alle versuchten aufzufallen, diese Zeit sei wichtig für ihr Land, sagt Milica Vukadinovic, die gern noch mal in London studieren würde. In Belgrad sei es noch viel schwerer als in Slowenien, sich mit Mode bemerkbar zu machen. „Obwohl da gerade viel passiert“, sagt Marko Glavinic. Auch dort gibt es eine Fashion Week. Aber die sei nur halb so gut organisiert wie die hier, sagt Glavinic.

Das trifft nicht nur auf die Fashion Week zu, sondern auch auf die Designer in Ljubljana. Urška und Tomaž Draž vollbringen im Hinterzimmer ihres Ladens in der Altstadt an einer Strickmaschine wahre Kunststücke. Seit 25 Jahren stricken Bruder und Schwester kostspielige Kleider für die feinen Damen der Stadt. Für die Fashion Week haben sie die Milchstraße in Wolle gearbeitet: Kometenschweife, Sternenstaub und ganze Planeten geben den Kleidern Kontur. Sie behaupten gar nicht, dass sie etwas anderes machen als Kunsthandwerk. Jedes Kleid gibt es nur einmal. Urška Darž holt einen dicken Stapel mit Fotos hervor. Sie haben all ihre Kundinnen zu Hause in ihren Kleidern fotografiert. Die Designerin strahlt vor Stolz über so viel lokale Präsenz.

Ivan Mandžukic aus Berlin ist der entspannteste Teilnehmer

Dagegen ist Ivan Mandžukic mit seinem Label Ivanman ein internationaler Stargast. Er wuchs in Serbien auf, ging vor vielen Jahren nach Berlin, um Mode zu studieren, und zeigt bald zum neunten Mal auf der Berliner Fashion Week seine Entwürfe. Er ist mit Abstand der entspannteste Teilnehmer, seine Kollektion hat er in Berlin schon im Januar gezeigt.

Dass Mandžukic es im Ausland geschafft hat, sieht man seiner Kollektion an: gut geschnittene Mäntel und Jacken, schmale Hosen, am Bund mit geblümten Stoff abgesetzt, die Jackenärmel ebenso geblümt. Für eine Männerkollektion schon fast gewagt, arbeitet er gern mit einer knalligen Primärfarbe. Dass er so großzügig und gekonnt mit Farbe umgeht, wird in Berlin gerne seiner Herkunft zugeschrieben. In Ljubljana nimmt sich seine Kollektion ausgesprochen gut sortiert und zurückhaltend aus. Auch deshalb lohnt es sich, unbekannte Modewochen zu besuchen: um zu sehen, wie professionell die Mode in Berlin schon geworden ist.