Interview mit Designerin Lamula Anderson : "Schwarz ist die perfekte Farbe"

Die aus Uganda stammende Designerin Lamula Anderson erzählt, warum sie nie Bunt trägt und Haare wichtig sind.

Ingolf Patz
Auf den Straßen Kampalas. Lamula Anderson.
Auf den Straßen Kampalas. Lamula Anderson.Foto: promo

Lamula Anderson kam mit viereinhalb Jahren aus Uganda nach London. Hier studierte sie Mode und gründete „Lamula Nassuna“. Für die Ausstellung „Connecting Afro Futures" Im Kunstgewerbemuseum entwarf sie schwarze Kleider, für die sie afrikanisches Haar dort verarbeitet, wo man traditionell Rüschen erwarten würde.

Frau Anderson, Ihre Arbeit heißt „The Perfect Stereotype“. Was bedeutet das?
Als Kind sagten mir meine Verwandten, ich solle starke Farben tragen. Meine hellhäutigeren Cousinen bekamen diesen Ratschlag nie. Ich fragte mich, ob das ein Resultat von Colorism (Diskriminierung aufgrund eines dunkleren Hauttons) war oder ob mit mir etwas nicht stimmte.

Und was taten Sie?
Ich fügte mich. Aber in meinem Kopf setzte sich fest: Je dunkler deine Haut ist, desto mehr musst du das ausgleichen. Später fühlte ich, dass ich das nicht mehr kann. Aber erst mit Ende zwanzig fing ich an, Schwarz zu tragen, worin ich mich perfekt fühle. Daher rührt meine künstlerische Auseinandersetzung mit Schwarz.

Wann kam das afrikanische Haar dazu?
Etwa gleichzeitig. Lange konnte ich meine natürlichen Haare nicht akzeptieren. Afrikanische Sklaven wurden gezwungen, ihre Haare zu glätten, und wir tun es noch heute, weil wir so programmiert sind. Ich hörte damit wegen schwerer gesundheitlicher Nebenwirkungen durch die verwendeten Chemikalien auf.

Wie fühlte sich natürliches Haar an?
Es dauerte drei Monate, bis ich mich im Spiegel erkannte. Nach und nach fühlte ich mich aber viel selbstbewusster.

Gibt es eine Bewegung für den Afro?
Ja, die begann schon vor einer Weile in den USA. Für meine Arbeit ist das Thema Afro eine Plattform. Es gibt meinen Kleidern eine Stimme, die dazu auffordert, wach zu bleiben, was Diskriminierung betrifft. Die Geschichte, die darin steckt, muss neu erzählt werden, um afrikanisches Haar zu normalisieren.

Ist es für Ihre Arbeit entscheidend, ob Sie in der Diaspora oder in Uganda arbeiten?
Ich hätte nicht die Aufmerksamkeit in Uganda wie in London. Als wir meine Sachen in Kampala fotografierten, wurden wir angegangen, dass wir mit dem Nonsens aufhören sollten. Noch werden nur Mathematik, Jura oder Medizin als respektabel angesehen. Die Irritation hat auch mit der Farbe Schwarz zu tun. Ich wurde oft gefragt, ob ich zu einem Begräbnis müsse. In Berlin dagegen habe ich viele Kunden, die Schwarz mögen.

Sehen Sie eine Zukunft für sich in Uganda?
Die jüngere Generation ist bereit, sich Fragen über unsere Geschichte zu stellen. Bei der Kunstszene in Uganda kamen meine Arbeiten sehr gut an. Aber die Mode hinkt hinterher. Ich möchte dabei sein, wenn sie sich entwickelt hat, und mit meinem Label Arbeitsplätze schaffen.

Wie hat dieses Projekt Sie beeinflusst?
Meine Installation reagiert auf ein Kleid aus der Sammlung des Museums mit einem „Cul de Paris“ von 1882. Zeitgleich wurde die Sklavin Sarah Baartman in Europa wegen ihres ausladenden Gesäßes zur Schau gestellt. Die beiden Silhouetten spiegeln sich erstaunlich. Da haben sich mir viele neue Fragen zur Geschichte der Sexualisierung des weiblichen Körpers gestellt.