London Fashion Week : Eine Botschaft für die deutsche Mode

Während der London Fashion Week präsentierten einige deutsche Designer ihre Kleider. Auch der Fashion Council Germany schickte Talente auf das internationale Terrain.

Celina Plag
Girls just wanna have fun: Die Queen sitzt neben Anna Wintour, die seit zwanzig Jahren die Chefin der amerikanischen Vogue ist.
Girls just want to have fun: Die Queen sitzt neben Anna Wintour, die seit zwanzig Jahren die Chefin der amerikanischen Vogue ist.Foto: Yui Mok/ Pool

Ein Beweis dafür, dass die Briten ihre Mode und auch Jungdesigner äußerst ernst nehmen: die Queen! Höchstpersönlich! Kommt zur London Fashion Week! Ihre Majestät besuchte während der kürzlich zu Ende gegangenen Modewoche doch tatsächlich das Defilee des aufstrebenden Designers Richard Quinn, um ihm im Anschluss den „Queen Elizabeth II Award for British Design“ zu verleihen. Und nahm sich obendrein die Zeit, einem Trupp von Jungdesignern aus dem NEWGEN, dem Nachwuchsförderprogramm der britischen Modekammer, die Hand zu schütteln.

Unter den Händeschüttlern waren gleich zwei in London lebende deutsche Designerinnen: Marta Jakubowksi und Paula Knorr. „Die Queen kennenzulernen, ist natürlich eine wahnsinnige Ehre“, sagt Knorr. Beide Designerinnen haben nach einem Bachelor in Deutschland ihren Master in London gemacht, Jakubowski am Central St. Martins College, Knorr am Royal College of Arts. Eine gute Mischung: „Deutsche Schulen sind klasse für das technische Training, in London geht es mehr um Design, um Visionen.“

Ausschlaggebend für die Gründung eines eigenen Labels war bei beiden Designerinnen auch das Förderprogramm NEWGEN, das erfolgreiche Bewerber finanziell unterstützt und ihnen Knowhow in Sachen Unternehmensführung und Vertrieb vermittelt. Die Londoner Nachwuchsförderung sei „sehr aufgeschlossen für Designer aus dem Ausland“, erzählt Paula Knorr. Wobei: Voraussetzung ist natürlich, ein britisches Unternehmen zu sein, und so trägt ihr Label den Zusatz „Inc“.

In London muss man kein britischer Designer sein, um hier akzeptiert zu werden

An London schätzt sie, „dass man kein britischer Designer sein muss, um hier akzeptiert zu werden. Außerdem werden aufstrebende Talente gleichwertig neben etablierten Marken präsentiert.“ Sie selbst sei allerdings gerade dabei, ihr Atelier nach Köln zu verlagern – der Liebe wegen. Ihre Mode wird sie weiterhin in London zeigen. Ihre am Montag gezeigte Kollektion passt aber auch gut in diese Stadt: geraffte Chiffonkleider in Knallrot, Knallenges aus Lurex – das ist sicher nicht die Gebrauchskleidung, die man in der deutschen Hauptstadt gerne trägt. In London gilt: Auffallen ist Pflicht. Selbst das Traditionslabel Burberry hat es zum Abschied seines Chefdesigners Christopher Bailey mit regenbogenfarbenen Marshmallow-Mänteln, Müllmännerjacken und gigantischen Pullovern noch mal richtig krachen lassen.

Dass sich in Deutschland in Sachen Modeförderung etwas tut, hat Paula Knorr mitbekommen. Die 2015 gegründete Interessenvertretung zur Förderung deutscher Mode, der Fashion Council Germany, kam ebenfalls zur Fashion Week in die britische Hauptstadt. Gemeinsam mit der Deutschen Botschaft lud der Council rund 200 Gäste in die noble Residenz des deutschen Botschafters am Belgrave Square, wo sich 15 deutsche Labels in einer Gruppenausstellung präsentierten, darunter William Fan, Ottolinger, Isabell Vollrath und Damir Doma.

Die Queen kam leider nicht, dafür mit Elisabeth von Thurn und Taxis eine waschechte deutsche Prinzessin. Und mit dem in London lebenden Jens Lehman sogar ein ehemaliger Torwart-König. Trotzdem war bei Antonia Goy und Björn Kubeja vom Berliner Label Working Title die Queen an diesem Abend Gesprächsthema beziehungsweise die Tatsache, dass ihre Majestät Plastikflaschen im Buckingham Place verbieten will. Für Working Title ist das ein Zeichen dafür, dass ihr neues Konzept genau richtig ist. Gerade haben sich die beiden Macher vom Labelnamen „Antonia Goy“ verabschiedet, um sich auf nachhaltige Mode zu konzentrieren.

„Menschen in Deutschland ist nicht bewusst, wie wenig Aufmerksamkeit es für deutsche Mode im Ausland gibt.“

Das Duo dürfte sich an jenem Abend insbesondere über die geladenen Branchen- und Medienvertreter gefreut haben. Gekommen waren zum Beispiel Mark Holgate von der amerikanischen Vogue, Natalie Kingham, Einkaufsdirektorin beim Luxus-Onlineshop matchesfashion.com und Bosse Myhr, Einkäufer bei Selfridges.

„Menschen in Deutschland ist nicht bewusst, wie wenig Aufmerksamkeit es für deutsche Mode im Ausland gibt“, sagt der Designer Damir Doma. Er muss es wissen, immerhin hat er sein international erfolgreiches Label in Paris hochgezogen und es mittlerweile nach Mailand verlagert. Im Januar präsentierte er zum ersten Mal seine Mode in Berlin. „Vorher wusste ich auch nicht, was dort passiert“, sagt er.

Die deutsche Modekammer orientiert sich am Förderungsprogramm des British Fashion Council. Da ist es eine schlaue Idee, sich mit Lobby-Events wie diesen an die London Fashion Week zu hängen. Das britische Vorbild tut übrigens noch etwas Sinnvolles für seinen Nachwuchs: Es finanziert den London Showroom zur Modewoche in Paris. Dort werden immer noch alle wichtigen Verkäufe gemacht. Das wäre auch eine gute nächste Initiative für das FCG.