Maria Grazia Chiuri zu Dior : Eine feministische Handschrift

Sie ist die erste Frau, die je für Dior entworfen hat. Dieser Rolle ist sich Maria Grazia Chiuri sehr bewußt.

Maria Grazia Chiuri nach der Dior-Schau für Frühjahr/Sommer 2018
Maria Grazia Chiuri nach der Dior-Schau für Frühjahr/Sommer 2018Foto: Getty for Dior

Ihre feministischen Ansichten soll man den Entwürfen von Maria Grazia Chiuri ansehen. Die Chefdesignerin von Dior beschäftigt sich weniger mit der Tradition, die der Gründer Christian Dior von 1947 bis 1957 mit seinen sehr femininen Kleidern begründete, sondern mit den Bedürfnissen der modernen Frauen. Die druckt sie auch gern in Form von Slogans wie „We should all be feminists“ auf T-Shirts. Für die aktuelle Kollektion ließ sie sich von der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle beeinflussen. Anlässlich der Eröffnung der ersten Berliner Dior-Boutique haben wir Maria Grazia Chiuri ein paar Fragen zu ihrer Arbeit gestellt.

Wie sieht Ihre Vision der Mode für eine moderne Frau aus?
Als ich zu Dior kam, stellte ich mir die folgenden Fragen: „Was bedeutet Weiblichkeit heute? Wie kann ich Frauen helfen, feministisch zu sein und gleichzeitig ihre Weiblichkeit zu zeigen?“ Ich unterstütze die Wahrnehmung eines zeitgemäßen Frauenbildes mit einer Kollektion, die nicht nur die sinnliche Spannung zwischen Körper und Kleidung widerspiegelt, sondern auch feministisches Bewusstsein unterstreicht. Frauen von heute haben alle Möglichkeiten: Sie tragen, was sie wollen, und sind, wer sie sein wollen.

Dior steht für die hohe Kunst der Haute Couture und gleichzeitig für die Prêt-à-porter. Wie verbinden Sie beide Disziplinen?
Haute Couture und Ready-to-wear sind sehr unterschiedlich, sie drücken etwas komplett Verschiedenes aus.

Bei der Haute Couture geht es um die hohe Schneiderkunst im Atelier, um einzigartige Entwürfe, jedes Haute-Couture-Kleid ist ein Unikat. Prêt-à-porter sind Kleider von der Stange, Couture ist sehr viel anspruchsvoller und künstlerischer, und die Entwurfsprozesse sind so unterschiedlich wie die Zielgruppe, die viel anspruchsvoller und exklusiver ist als die Kundinnen der Prêt-à-porter.


Welche Ansprüche stellt heute der Luxuskunde an ein Haus wie Ihres?
Dior ist ein Couture-Haus, und die hohe Schneiderkunst ist die Expertise von Dior. Ich bin der Überzeugung, dass ich als Designerin bei Dior viel dazu beitragen kann, die Wahrnehmung des Hauses auch bei jungen Frauen zu sensibilisieren und einen Beitrag zu einem neuen Emanzipationsprozess zu leisten oder, noch besser, Geschlechtergleichheit zu fördern.

Dior Boutique, Kurfürstendamm 56/57 in Wilmersdorf