Mode aus Berlin : Berliner Design trifft auf Monty Python

Die junge Berliner Designerin Verena Schepperheyn kooperiert mit der britischen Komikergruppe Monty Python. Dabei ist ihre Mode alles andere als ein Witz.

Einst macht es der britische Komiker John Cleese vor, wie man komisch geht, die Models von Schepperheyn machen es nach.
Einst macht es der britische Komiker John Cleese vor, wie man komisch geht, die Models von Schepperheyn machen es nach.Foto: Jaap Bräutigam

Eine Berliner Designerin, erst seit ein paar Jahren im Geschäft, kooperiert mit der altehrwürdigen britischen Komikergruppe Monty Python. Das klingt nach einer unwahrscheinlichen Kombination, vor allem wenn man die Entwürfe von Verena Schepperheyn sieht. Denn die sind alles andere als ein Witz, sondern moderne Bekleidung, die sich an Street- und Sportswear orientiert und für alle Geschlechter gleichermaßen funktioniert.

Das war eigentlich gar nicht geplant. Die Männerkollektion, die Schepperheyn 2014 für ihren Master an der niederländischen Kunsthochschule in Arnheim (ArtEZ) entwarf, wollte auch Frauen anziehen. Irgendwann merkte sie: Die Unterscheidung muss nicht sein. Ihre Entwürfe passen Männer und Frauen gleichermaßen. Dafür entwickelte sie ihre Schnitte weiter. Besonders bei den Hosen brauchte es mehrere Anläufe, bis sie für alle funktionierten, denn Frauen brauchen mehr Stoff am Hintern und Männer mehr im Schritt.

Seit sie vor neun Monaten mit ihrem Atelier nach Neukölln in ein Ladenlokal zog, kann Verena Schepperheyn noch direkter erleben, wie unterschiedlich ihre Kunden auf ihre Entwürfe reagieren und wie gut sie an unterschiedlichen Menschen funktionieren. Obwohl sie zugeben muss, dass Männer sich manchmal schwerer tun, die Kategorisierung hinter sich zu lassen.

Schepperheyn war selbst erstaunt über die Zusage von Monty Python

Viele Teile sind körperumspielend und eher kastig geschnitten. Bei Jacken und Mänteln musste sie deshalb an den Schultern tüfteln, damit eher zarte Personen darin nicht versinken und es bei muskulöseren nicht spannt. Auch wenn die Schnitte eher schlicht sind, gibt es immer wieder schöne Details wie einen abgerundeten Schlitz am Ärmel eines Hemdes oder eine Passe in Wellenform. Die sportlicheren Hosen und Jeans tragen auf der hinteren Tasche ein Y als Erkennungszeichen. Und in jeder Saison arbeitet sie mit Drucken, die dann auch auf ihren Hemden auftauchen, ihren Bestsellern.

Für diesen Herbst hat Verena Schepperheyn nun Motive aus einem Sketch der britischen Komikergruppe Monty Python verarbeitet. Im Oktober feiert die Fernsehserie „Monty Python's Flying Circus“ fünfzigstes Jubiläum. Sie war stilprägend für schwarzen, absurden Humor, aber auch modisch offenbar so ikonisch, dass Schepperheyn in London anfragte, ob sie Bilder verwenden dürfte. Zu ihrer Überraschung sagte das Management sofort zu.

Dabei herausgekommen ist keine Fan-Kollektion mit T-Shirts, bedruckt mit albernen Sprüchen wie „Nobody expects the Spanish Inquisition“, wie es sie im Onlineshop von Monty Python gibt, und auch keine platte Kopie der sehr britisch gekleideten Serienfigur wie dem „Gumby“, einem grimmigen Mann von eher schlichtem Gemüt. Er trägt seine von Hosenträgern gehaltene, hochgekrempelte Hose zu Gummistiefeln, einen zu knappen Wollpullunder über einem Hemd, Schnurrbart, Nickelbrille und ein an allen vier Ecken geknotetes Herrentaschentuch auf dem Kopf.

Im Sketch „How not to be seen“ versuchen sich Testpersonen in die Luft zu sprengen. Diese Explosion hat Schepperheyn als Muster verarbeitet.
Im Sketch „How not to be seen“ versuchen sich Testpersonen in die Luft zu sprengen. Diese Explosion hat Schepperheyn als Muster...Foto: Jaap Bräutigam

Aber Verena Schepperheyn arbeitet mit etwas völlig anderem, oder um mit Monty Python zu sprechen: „And now for something completely different!“ Sie hat sich den Sketch „How not to be seen“ vorgenommen, in dem es darum geht, wie man nicht gesehen wird und wie man sich in einer trostlosen, verregneten Landschaft versteckt. Das gelingt im Sketch natürlich keiner der Testpersonen, sie werden allesamt in die Luft gesprengt. Genau diese Explosion hat Schepperheyn auf den Hemden, T-Shirts und Tüchern als Muster verarbeitet. Dazu kommt ein Wollschal, in den der Satz „How not to be seen“ eingestrickt ist.

Auch wenn Schepperheyn auf britisch anmutende Kleidungsstücke wie Wollpullunder mit Rautenmuster verzichtet, scheinen doch ein paar Stilelemente aus der angelsächsischen Garderobe durch: ein kariertes Hemd mit passender Hose, ein rostroter Steppmantel, der ein wenig an die Hausmäntel erinnert, in die sich vor allem Monty-Python-Mitglied Terry Jones kleidete, um keifende Hausfrauen darzustellen. Dazu passt das etwas zu stramm unter dem Kinn geknotete Kopftuch. Hemd und Hose sind dann allerdings wieder ein wohltuender Berliner Stilbruch.

Die "Silly Walks" spielen vor allem im Lookbook eine Rolle

Dieser leichte Irrsinn spiegelt sich auch im Lookbook wieder, die Models imitieren mit grotesken Verrenkungen die „Silly Walks“, die in Monty Pythons Sketch über das Ministerium für Komische Gänge eine entscheidende Rolle spielen. Dabei schauen sie mal übertrieben ernst, mal lachend in die Kamera. Am Ende müssen die Motive natürlich auch ohne jeden Bezug gut aussehen. Schepperheyn, 33 Jahre alt, hat festgestellt, dass viele Gleichaltrige gar nicht mehr wissen, wer Monty Python war.

Die Britin trug zu Monty Pythons Hochzeiten in den 70ern noch Kopftuch.
Die Britin trug zu Monty Pythons Hochzeiten in den 70ern noch Kopftuch.Foto: Jaap Bräutigam

Dass die Designerin einen feinen Sinn für Humor hat, zeigt sie auch mit ihrer Kollektion für das nächste Frühjahr. Auf die Idee brachte sie ein Abend mit Freunden: „Jeder brachte etwas zu essen mit und es wurde ein unerwartet leckeres Ereignis.“ Dass sie sich daran gern erinnert, sieht man an dem Muster auf einem Hemd: An der Schulter prangt eine Zwiebel, an der Seite eine Tomate. Dazu hat sie den „Picknickhut“ entworfen mit einer so weit ausladenden Krempe, dass er auch als Picknickdecke dienen kann. In aufgenähten Taschen kann man Essen verstauen, an Gurten Besteck und Geschirr befestigen. „Das ist nicht ganz ernst gemeint“, sagt Verena Schepperheyn vorsichtshalber.

Verena Schepperheyn verkauft ihre Monty-Python-Kollektion in ihrem Laden in der Wildenbruchstraße 4 in Neukölln.

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