Neue App für Second-Hand : Die Fehlkäufe der anderen

Zadaa will den Verkauf noch einfacher machen

Bitte recht freundlich. Bei Zadaa verkauft man direkt aus dem Kleiderschrank.
Bitte recht freundlich. Bei Zadaa verkauft man direkt aus dem Kleiderschrank.Foto: promo

Iiro Kormi ist sich sicher: Es liegt eine Menge Potenzial in deutschen Kleiderschränken. Die will der Finne jetzt mit seinem Start-up Zadaa heben. Mit seiner App soll es noch einfacher werden, sich von seinen alten Schätzen zu trennen. Und wenn eine Studie von Greenpeace feststellt, dass jeder im Durchschnitt mehr als 400 Kleidungsstücke im Schrank hat und nur einen Bruchteil davon trägt (siehe Interview links), dann könnte er recht haben. Deshalb ist er mit seiner Idee jetzt nach Deutschland gekommen, nachdem er schon in Finnland und Dänemark Geschäfte mit alter Kleidung macht.

Und damit nicht die Fehlkäufe der anderen zu neuen werden, soll man sich über seine App zu allererst seinen Style-Zwilling suchen. Dafür gibt man seine Maße und Vorlieben bei Stil und Material ein und schwups, wird einem gezeigt, was jemand anbietet, der einem ähnlich ist. Und das ist erstaunlich viel, im Durchschnitt stellen User bei Zadaa etwa 40 Teile zum Verkauf ein. 30 Prozent der Angebote sind sogar noch ungetragen, mit Etikett.

Heute gehört es zum guten Stil, seine Garderobe mit Vintage zu pimpen

Kormi vermutet, dass sein Geschäftsmodell vor zehn Jahren so noch nicht funktioniert hätte: „Damals wollte fast niemand Secondhandkleidung tragen.“ Das hat sich gründlich geändert, inzwischen gehört es zum

guten Stil, seine Garderobe mit alten Teilen aufzupimpen – auch wenn das heute gerne Vintage genannt wird. Und dabei geht es nicht um den zufälligen Flohmarktfund, sondern um die systematische Suche im Internet. Auf diversen Plattformen findet sich heute eigentlich jedes Produkt, von der Luxushandtasche bis zum Billig-T-Shirt. Mit Zadaa kommt nun noch eine Spielart dazu: Man kann sich in fremden Kleiderschränken umschauen.

Im März 2016 gegründet, will das Unternehmen noch in diesem Jahr auf 450 000 Mitglieder kommen, alleine in Deutschland haben sich seit August 210 000 Menschen angemeldet. Das zeigt: Secondhandkleidung ist zu einem lukrativen Geschäft geworden. Dabei geht es nicht nur um die Ressourcen in den eigenen Schränken, sondern auch um Altkleidersammlungen und um die riesigen Mengen ungetragener Kleidung, die es weltweit gibt.

Unternehmen vernichten neue Kleidung - es gibt einfach zu viel davon

Es ist längst gängige Praxis, dass Modekonzerne ihre Überhänge sogar verbrennen, mal wie im Fall von Burberry, um sie nicht billig verramschen zu müssen und damit dem Ansehen der Marke zu schaden, mal wie bei H&M, weil es einfacher ist, nicht verkaufte Kleidung zu vernichten, als sie wiederzuverwerten.

Neben all den gebrauchten Kleidern gibt es inzwischen auch einen riesigen Markt für neue Produkte, die ohne das ursprüngliche Etikett auf anderen Märkten weiterverkauft werden. Es gibt also viel zu viel Kleidung auf der Welt. Wenn unter den durchschnittlich 60 Teilen, die sich jeder Deutsche im Jahr kauft, ein paar gebrauchte sind, schadet das sicher nicht.