• Palina Rojinski spricht über Mode und mehr: „Männer müssen noch viel lernen“

Palina Rojinski spricht über Mode und mehr : „Männer müssen noch viel lernen“

Palina Rojinski im Interview über ihr Verhältnis zu Mode und warum sie meistens hochgeschlossen trägt.

Eigener Lippenstift. Palina Rojinski.
Eigener Lippenstift. Palina Rojinski.Foto: promo

Gleich stellt Palina Rojinski ihren ersten Lippenstift für MAC vor. Das ist innerhalb einer Woche die vierte Veranstaltung, die mit Mode zu tun hat – erst H&M und Moschino, dann eine Gala von GQ, am nächsten Tag ein Cocktail bei Versace. Grund genug, mit der Moderatorin und Schauspielerin über Mode zu sprechen.

Frau Rojinski, Sie sind oft auf Modeevents unterwegs, ist das Spaß oder Arbeit?

Beides, auf jeden Fall Spaß, aber je näher das Event rückt, desto nervöser werde ich: Was ziehe ich eigentlich an? Ich bin nämlich am liebsten spontan, habe mir aber schon so krasse Fehlgriffe geleistet, da mach ich mir lieber vorher Gedanken.

Sie rufen niemanden an, der Ihnen ein Kleid bringt?

Ich ruf ein paar Marken an. Mittlerweile versuche ich, wenn ich etwas Schönes sehe, mir das gleich zu holen oder schneidern zu lassen. Dann weiß ich, was ich zu einem Event tragen kann. Dieses Kleid habe ich mir in Moskau gekauft, als ich bei der WM war. Mein Naturell ist, dass ich Planen nicht so gerne habe, dabei kann ja auch alles schiefgehen. Wenn ich nicht plane, bin ich viel freier und glücklicher.

Tragen Sie Mode von Berliner Designern?

Ja klar, Lana Müller finde ich toll, Lala Berlin, Dawid Tomaszewski, Hien Le.

Gehen Sie auf Modenschauen?

Das schaffe ich meistens nicht, vielleicht im Januar zur nächsten Fashion Week. Aber ich gucke mir die Sachen an und kenne auch alle Designer.

"Ich ziehe mich ja nicht absichtlich supersexy an".
"Ich ziehe mich ja nicht absichtlich supersexy an".Foto: promo

Spielt Mode für Sie auch eine Rolle, damit Sie nach außen besser auftreten können?

Ja, im Film ist das Kostüm sehr wichtig. Wenn man sich vorstellt, wann sich die Figur etwas gekauft hat, von wem sie etwas vererbt bekommen hat, das hilft total, in die Rolle reinzugehen. In meinem privat-öffentlichen Auftreten ist das eher die Mischung aus mir und der bestmöglichsten Fantasie-Vorstellung von mir selbst. Aber ich bin auch viel, sehr sportlich unterwegs. Aber heute sehe ich schon ein bisschen „girly“ und nach „Promnight“ aus. Aber immerhin habe ich dazu meine Doc Martens an, ich brauche meinen Berlin-Kreuzberg-Bruch.

Ihre Familie in Russland war entsetzt, als Sie mit Baggypants rumgelaufen sind.

Das war gar nicht meine Verwandtschaft in Russland. Das waren einfach meine russischen Eltern in Berlin. Für die war das ganz schlimm, als ich in die Pubertät gekommen bin und mit dem Streetstyle angefangen habe und aussah wie ein Junge.

Erkennen Sie Russinnen am Lippenstift?

Ja, das ist dieses Perlmuttrosa. Ich muss ja sagen, zu einem gewissen Stil und wenn man ein bisschen auf Ghetto macht ist das auch mal ganz geil. Aber meiner ist mehr so Koralle. Ich wollte, dass die Farbe einen frisch macht und man aussieht wie frisch verliebt.

Bekommen Sie viele Kooperationsanfragen?

Ja, es kommen viele Anfragen und durch Social Media werden es noch mehr. Da muss man klar entscheiden, was finde ich geil und was nicht. Ich nehme zehn bis 15 Prozent der Anfragen an. Mit Mode werde ich auch bald was machen, was kann ich noch nicht sagen.

Haben Sie sich bei einer Kooperation mal total vergriffen?

Eher mit Fernsehsendungen, die nicht so geworden sind, wie man sich das vorher gedacht hat. Ansonsten macht jeder Fehler, das gehört dazu. Ich hatte schon komische Outfits auf dem roten Teppich an oder in Sendungen oder im Film. Aber da kannst du nicht so viel machen.

In der Art wie Sie sich kleiden, bedienen Sie ja auch Klischees. Sie sind ja nicht gerade bis obenhin geschlossen.

Doch, oft laufe ich hochgeschlossen rum, auch öffentlich. Man sieht mich selten mit Ausschnitt.

Aber wenn, wird das sofort genutzt.

Ja, total. Ich finde es total wichtig, dass unsere Gesellschaft auch schöne Frauen, die sich gut und figurbetont kleiden und hohe Schuhe tragen, für voll nimmt.

Das ist nicht unbedingt der Fall.

Nein, vor allem in der Wirtschaft und in der Politik finde ich, dass Weiblichkeit extrem wichtig ist. Die Dualität fehlt in unserer Gesellschaft total, meistens ist alles männlich und da fällt es halt auf, wenn mal was nicht so maskulin ist. Das muss es doch gar nicht sein, in anderen Ländern wie Brasilien, USA oder Russland ist das nicht so ein Ding.

In Deutschland ist das anders?

Es gibt Kolleginnen von mir, die laufen auf allen möglichen Veranstaltungen fast halbnackt herum, die ganze Zeit – und das sieht gut aus. Da wird keine Schlagzeile rausgemacht, dass der Ausschnitt bis zum Bauchnabel reichte. Wenn ich so was zeige, ist das anders.

Das heißt alle schreiben nur über Ihren Ausschnitt.

Mir persönlich gefällt es nicht, weil man so reduziert wird. Es ist ja nicht so, das dann da noch andere Sachen stehen, oh, ja sie hat viele erfolgreiche Filme und Sendungen gemacht.

Sie waren als Moderatorin bei der WM in Russland.

Vielen Frauen hat das gefallen: Endlich eine Frau, die witzig ist.

Frauen reagieren auf Sie wahrscheinlich anders?

Ja, auf jeden Fall! Da müssen die Männer ein bisschen moderner werden und reflektieren. Meistens ist es ja so, dass es was mit den Männern macht, wenn eine Frau toll aussieht. Ich ziehe mich ja nicht absichtlich supersexy an, weil ich denke, ’Huuh da werden die Männer aber alle gucken’. Nein, ich ziehe mich so an, weil ich gerade vorm Spiegel stehe und meine Freundinnen und ich sagen: Das sieht voll geil aus!

Wie geht es denn bei Ihnen weiter?

Ich plane ein Projekt, wo man mich nicht sieht, sondern hören wird: Ich mache einen eigenen Podcast. Da habe ich Zeit und Platz, das zu machen, worauf ich Lust habe.

Sie reden ja auch gern.

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Aber ich höre noch viel lieber zu und erfahre etwas von Menschen, deshalb habe ich auch immer einen Gast.