Radfahren in Berlin und Brandenburg : Nichts wie raus hier!

Überfüllte Regionalzüge und S-Bahnen, um ins Grüne zu kommen? Das muss nicht sein. Diese fünf Radrouten machen schon den Weg aus der Stadt zum Ziel.

Jörn Hasselmann
Am Hohenzollernkanal.
Am Hohenzollernkanal.Foto: Jörn Hasselmann

Es ist ja nicht so, dass es uns nicht gefiele in Berlin, aber manchmal möchte man die Stadt eben doch verlassen. Wer in der Innenstadt wohnt und eine Radtour im grünen Umland unternehmen will, der muss zu Ausflugszeiten jedoch mit einer zähen Anreise in überfüllten Radabteilen in S- und Regionalbahnen rechnen. Die Alternative dazu liegt auf der Hand, beziehungsweise: Sie sitzen oft drauf. Unser Autor Jörn Hasselmann hat für Sie die besten Routen zusammengestellt, auf denen Sie mit dem Fahrrad aus Berlin herauskommen: schnell, ohne zu viele Ampeln, mit wenig Konkurrenz durch Autos, möglichst grün und in fast alle Himmelsrichtungen. Die fünf Routen aus der Stadt sind nicht immer perfekt ausgebaut - doch schöne Wege ins Grüne sind sie allemal!

Nordost. Mitte/Pankow/Gesundbrunnen - Bernau

Der Fernradweg nach Usedom bietet sich an, um an den Pankower Stadtrand und weiter nach Bernau zu gelangen. Weddinger starten in Gesundbrunnen, an der Verlängerung der Grüntaler Straße unter den S-Bahn-Gleisen hindurch. Von Mitte geht es durch den Mauerpark und über den Schwedter Steg, leider über wüstes Kopfsteinpflaster. Überraschend schnell ist man am Pankower Rathaus, muss sich danach kurz durch dichten Autoverkehr quälen und gelangt über die Ossietzkystraße in den Schlosspark Niederschönhausen. Der Radweg folgt der Panke bis zur Pasewalker Straße. An der Autobahnauffahrt beginnt der schönste Abschnitt, an der Panke und vorbei an Fischteichen, bis Blankenburg. Weiter geht es durch Laubenkolonien nach Karow und auf Tennenwegen nach Buch und Bernau.

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Südost. Tempelhofer Feld - Schönefeld

Mit nur zwei Ampeln von Tempelhofer Feld bis Schönefeld? Ja, das ist möglich! Über die Oderstraße (erste Ampel) und Eschersheimer Straße erreichen wir den Grünzug über der Stadtautobahn. Über die Rungiusstraße führt die Strecke auf Parkwegen am Teltowkanal entlang. Über den Radweg am Delfter Ufer erreichen wir die Neue Späthbrücke. Eine Rampe führt runter auf Berlins besten Radweg: Beim Bau der A 113 entstand eine sechs Kilometer lange Radl-Rennstrecke, wunderbar gelegen am Teltowkanal. Den Lärm der Autobahn schirmt eine Holzwand ab. Superschnell ist Adlershof erreicht. Am Ernst-Ruska-Ufer steht Ampel Nummer zwei. Über den Kanal geht es weiter an der A 113, die hier zum Teil im Tunnel verläuft. Das Vergnügen endet an der Waltersdorfer Chaussee, ab hier geht der Mauerradweg leider ziemlich holprig weiter.

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SüdSüdkreuz - Teltow

Der Bahnhof Südkreuz ist eine belebte Ecke der Stadt. Erstaunlicherweise führt eine zwölf Kilometer lange Strecke von hier aus nahezu autofrei bis nach Teltow. Entlang der Gleise fahren wir durch den Hans-Baluschek-Park schnell nach Süden. Am S-Bahnhof Priesterweg bremsen auch nach zehn Jahren 200 Meter Kopfsteinpflaster die Fahrt auf diesem Fernradweg nach Leipzig. Den Prellerweg überqueren wir an der Fußgängerampel, biegen dann rechts in die Sembritzkistraße und fahren geradeaus weiter in die Liebenowzeile. Über die Brandenburgische Straße erreichen wir den Teltowkanal, der uns nun bis Teltow begleitet. Leider ist auf Berliner Stadtgebiet nur ein kleiner Teil der Strecke asphaltiert, hier könnte mit wenig Aufwand eine enorme Verbesserung erreicht werden. Holprig wird es vor allem, wenn Brücken unterfahren werden. Vorbei an der Rückseite des Benjamin-Franklin-Klinikums geht es bis zur Wismarer Straße. Hier wechseln wir die Kanalseite. Weitgehend asphaltiert führt der Mauerradweg romantisch durch die Teltowkanalauen - bis vor den Teltower Ortskern. Entlang der Strecke gibt es mehrere schöne Kinderspielplätze, etwa im Baluschek-Park und mehrere am Teltowkanal.

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Südwest. Halensee - Wannsee & Potsdam

Die „Krone“, also der Kronprinzessinnenweg parallel zur Avus, ist der Klassiker schlechthin. Seit Generationen ist die Strecke durch den Grunewald beliebt bei Rennrad-Cracks und Ausflüglern, die es Richtung Wannsee und Potsdam zieht. Und das trotz lärmender Autobahn. Die Strecke beginnt am S-Bahnhof Grunewald, mit einem Trick aber direkt am Ku'damm: Eine autoarme Anbindung zur Krone bietet die Bornstedter Straße am S-Bahnhof Halensee. Auf der Fußgängerbrücke geht es über die Stadtautobahn auf die Trabener Straße und zum S-Bahnhof Grunewald. In Wannsee biegen wir nach 500 Metern rechts ab und folgen dem Wasser bis zur Glienicker Brücke. Rennradfahrer fahren geradeaus über den Schäferberg nach Potsdam.

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Nordwest.  Wedding - Hennigsdorf

Vom Weddinger Nordufer aus nutzen wir den Fernradweg Berlin-Kopenhagen, um Berlin in Richtung Nordwesten zu entkommen. Meist sehr idyllisch und überwiegend gut asphaltiert führt die Route am Hohenzollernkanal entlang. Auch nach zehn Jahren ärgert allerdings ein Planungsfehler. Eine 100 Meter lange Lücke im Uferweg in Höhe des Football-Platzes der Berlin Adler zwingt Radler zu einem Kilometer Umweg. Oder man trägt das Rad über den Strand. Hinter dem Flughafen Tegel wechseln wir über den Saatwinkler Steg das Ufer. Der Radweg führt durch die Siedlung Haveleck und über die Wasserstadtbrücke nach Hakenfelde. Wir behalten Kopenhagen im Blick, indem wir nordwärts in die Goltzstraße und dann meist an der Havel entlang nach Hennigsdorf fahren. Und damit noch nicht genug: Recht unbekannt ist der Weg auf der Nordseite des Havelkanals nach Westen. Der bietet Radfahrern sechs wunderschöne und autofreie Kilometer bis Schönwalde.

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