Der Rauswurf aus der NPD kränkt Frenz bis heute. Den Staat hat er auf Schadenersatz verklagt.

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V wie Vertrauen : Wie die NPD-Spitzel den Verfassungsschutz jahrelang an der Nase herumführten

Die unauflösliche Verquickung von Staat und Partei, wenn schon nicht von Gut und Böse, sah auch das Bundesverfassungsgericht, als es am 18. März 2003 die Einstellung des NPD–Verbotsverfahrens verkündete. „Staatliche Präsenz auf der Führungsebene einer Partei macht Einflussnahme auf deren Willensbildung und Tätigkeit unvermeidbar“, steht in der Erklärung. „Auf die tatsächliche Information kommt es dabei nicht an.“ Die NPD hat Frenz 2001 hinausgeworfen.

Ein Schritt für die Außenstehenden, weil man sich von seinen antisemitischen Schriften distanzieren wollte. Aber auch für die Innenwelt, indem man ihn als Verräter brandmarkte. Und das ist es, was Frenz wütend macht. Dass seine Partei, für die er gegenüber dem Verfassungsschutz ja nur den Verräter mimte, plötzlich so tat, als halte sie ihn für einen echten Verräter. Sie wusste es doch besser!, sagt Frenz. Der NRW-Landesvorsitzende der NPD bestätigte im Jahr 2002, inoffiziell habe die Partei immer gewusst, dass Frenz eine Doppelrolle spielte. Und die antisemitischen Schriften, von denen sich die Partei im Verbotsverfahren distanzierte, wurden vor 2001 in Partei-Zeitschriften hochgelobt. Frenz’ einzige Erklärung: Man wollte ihn loswerden.

Er sei Udo Voigt lästig geworden, sagt Frenz, dem Vorsitzenden, der erst in diesem Herbst 2011 abgewählt wurde und der die NPD nach Frenz’ Auffassung für alle Bürgerlichen unmöglich machte, weil er deren „glatzköpfige Parteijugend“ radikalisierte. Voigt gelang es aber auch, die Zahl der Parteimitglieder in den ersten fünf Jahren seines Vorsitzes mehr als zu verdoppeln.

Trotz des Rauswurfs sagt Frenz: „Die NPD bleibt immer meine politische Heimat, sie ist mein Baby.“ Sein Kopf ist bei diesen Worten auf die Brust gesackt, er ist nicht nur wütend, sondern auch gekränkt. Jedenfalls sieht es danach aus. Aber vielleicht ist das nur ein Trick. Was sollen wir glauben? Tatsächlich scheint es so, als habe vor allem die NPD ein Interesse an V- Leuten: Sie bekommt deren Geld und ein Druckmittel, um – sollte es nötig werden – eigene Kader ausschalten zu können.

Frenz hat nach dem gescheiterten Verbotsverfahren das Land Nordrhein-Westfalen vor dem Landgericht auf knapp 70 000 Euro Schadenersatz verklagt – wegen Verdienstausfällen. Schließlich würden viele Patienten nicht mehr in seine Heilpraktikerpraxis kommen, weil sie jetzt wüssten, dass er ein Rechtsradikaler ist. Und seine Bücher verkauften sich unter Neonazis nicht mehr so gut, weil er in der Szene als Verräter gelte. Die Klage wurde abgewiesen. Ob V-Mann oder NPD-Funktionär, das macht in Sachen Rufschädigung keinen Unterschied.