Das Fernsehen spottet: Die ersten Monate liefen nicht rund

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Anton Hofreiter : Grünen-Fraktionschef mit Antrittsproblemen
Mir san mim Radl do. Als Fraktionsvorsitzender hat Anton Hofreiter Anspruch auf die Fahrbereitschaft des Bundestags. Er fährt jedoch lieber Rad.
Mir san mim Radl do. Als Fraktionsvorsitzender hat Anton Hofreiter Anspruch auf die Fahrbereitschaft des Bundestags. Er fährt...Thilo Rückeis

Die ersten Monate liefen für Hofreiter nicht besonders rund: Satiresendungen wie die „Heute Show“ nahmen ihn auf die Schippe, die ersten Reden im Bundestag waren hölzern, seine Auftritte vor den Fernsehkameras auch. „Man hat gemerkt, mit welcher Wucht es ihn getroffen hat, dass er plötzlich im Fokus der Medien stand. Das war nicht mehr der Toni, wie wir ihn kannten“, sagt eine Fraktionskollegin. Bei manch einem ließen diese Auftritte die Sehnsucht nach jemandem wie dem früheren Fraktionschef Jürgen Trittin wachsen, der den Spagat zwischen messerscharfen Attacken und staatstragenden Tönen mühelos beherrscht. Der Tiefpunkt war für Hofreiter im Mai erreicht, als er zugeben musste, dass er für seine Berliner Wohnung keine Zweitwohnungsteuer gezahlt hatte.

Natürlich hat ihn die massive Kritik in den ersten Monaten nicht völlig kalt gelassen. Aber aus der Ruhe bringen lässt er sich deswegen nicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass er schon existenziellere Situationen erlebt hat. Etwa bei einem seiner Studienaufenthalte in Südamerika, als er in den Bergen plötzlich einer Gruppe Militärs gegenüberstand, die ihn ausrauben wollten. Sie hatten Gewehre dabei, er nur ein Messer. Trotzdem brachte er sie dazu, ihn ziehen zu lassen. Verglichen damit kommen einem ein paar böse Kommentare vermutlich harmlos vor.

Inzwischen hat er einen Medientrainer

Nach seiner Wahl ist Hofreiter schnell klar geworden, dass er an seinen öffentlichen Auftritten etwas verbessern muss. Er hat inzwischen einen Medientrainer, der mit ihm übt, wie man Sätze so formuliert, dass sie in der Tagesschau gut rüberkommen. Und der ihm sagt, wie man sich gerade hinstellt, auch wenn das eine Bein vier Zentimeter länger ist als das andere. Meistens trägt Hofreiter jetzt hellblaue Hemden, weil die im Fernsehen nicht flimmern.

Am meisten hat ihn überrascht, dass er das Reden im Bundestag neu lernen muss. Als Verkehrspolitiker hatte er sich in den acht Jahren im Parlament angewöhnt, frei zu sprechen. Doch bei den Generaldebatten funktionierte das nicht mehr, für 25 Minuten politischen Rundumschlag braucht Hofreiter ein Manuskript. Dass sich durch seine Reden oft eine kluge Idee zog, ging unter, weil er sie nicht gut vortrug. Doch das Üben macht sich inzwischen bemerkbar. Die nachdenkliche Rede, die er vor kurzem bei der Sondersitzung des Bundestags zu den Waffenlieferungen in den Irak hielt, war die erste, mit der er selbst zufrieden war.

Einige in der Fraktion hat es natürlich nervös gemacht, dass ihr neuer Vorsitzender in den Medien nicht gut wegkam. „In den Kreisverbänden kommt schon mal die Frage auf, was für einen Trottel wir da gewählt haben“, berichtet ein Abgeordneter. „Die kennen ja nur das Bild aus dem Fernsehen.“

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