Was die Mietwohnungen für die Hausgemeinschaften bedeuten

Seite 2 von 4
Berlin: Ferienwohnungsverbot : Wenn das Heim weh tut

Nennenswerte Industrie hat Berlin kaum, dafür aber einen Ruf, mit dem sich Geld verdienen lässt. Seitdem die Stadt im Ausland so beliebt geworden ist, haben die Ferienwohnungen sich ausgebreitet. Selbst in Moabit sind sie angekommen. In der Birkenstraße gibt es ein Haus, von dem Nachbarn sagen, dass es dort nur noch Ferienwohnungen gibt. An der pinkfarbenen Tür stehen Namen wie Arne, Mozart und M&M. Und beim Quartiersmanagement Beusselstraße standen neulich die Touristen schon vor der Tür. Sie waren unzufrieden mit ihrer Ferienwohnung und der Gegend und dachten, eine Einrichtung, die irgendwas mit Management heißt, sei bestimmt zuständig für solche Beschwerden.

Seit Jahren zerfällt die Hausgemeinschaft

Das sind Geschichten, die Berliner ungern hören. Touristen, die sich als Nabel der Stadt begreifen. Auch Theo Kourtidis aus Kreuzberg hat so seine Probleme mit den Touristen. Er wohnt am Paul-Lincke-Ufer, um die Ecke ist ein Waschsalon, in dem die Maschinen Berta, Clara und Erna heißen, in seinem Haus beobachtet Kourtidis seit Jahren einen Zerfall der Gemeinschaft. Früher feierten er und die Nachbarn unter der großen Kastanie im Hof Feste und sahen oben auf der Dachterrasse den Film „Sin City“. Wenn Kourtidis heute unter der Kastanie sitzt, sieht er Leute vorbeilaufen, die er nicht kennt und wahrscheinlich auch nicht kennenlernen wird, weil sie bald schon wieder weg sind.

Mozart oder M&M steht auf den Klingelschildern. Häufig verstecken sich dahinter Ferienwohnungen für Touristen, die die Berliner Mietergemeinschaft für die Wohnungsnot mit verantwortlich macht
Koffer in Berlin. Mozart oder M&M steht auf den Klingelschildern. Häufig verstecken sich dahinter Ferienwohnungen für Touristen,...Imago

Auf der Dachterrasse wurde vor kurzem ein Schild angebracht. Man solle die Bepflanzung nicht zerstören, steht da. Auf Englisch, damit es jeder Tourist versteht. Wem genau die Ferienwohnungen im Haus gehören, weiß Kourtidis nicht genau, er glaubt, dass auch Amerikaner und Italiener unter den Besitzern sind.

Berlin gilt als Sehnsuchtsort

In Zeiten der Finanzkrise ist Berlin für vermögende Ausländer zum Sehnsuchtsort geworden. Wo sonst kann man sein Geld so gut anlegen wie in einer Stadt, in der Immobilien immer noch vergleichsweise billig sind? Das gängige Modell sieht dabei so aus: Ab und zu kommt man selbst zu Besuch, den Rest der Zeit vermietet man an Touristen. Für wie viele Ferienwohnungen Berlins das gilt, darüber gibt es keine Zahlen, und doch ist in der öffentlichen Diskussion viel von ausländischen Investoren und Heuschrecken die Rede, die wie eine Plage über die Stadt gekommen sind.

36 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben